Florian Silbereisen packt nach 20 Jahren aus: Ausgerechnet diese Schlager-Legende rettete seine erste Show


Florian Silbereisen schwärmt zum 80. Geburtstag: Warum Mireille Mathieu sein Glücksbringer ist

Stand: 22.07.2026, 07:09 Uhr

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Eine Schlager-Legende wird 80: Mireille Mathieu feiert heute im Kreis ihrer Geschwister in ihrer Geburtsstadt Avignon – Florian Silbereisen gratuliert ihr hier bei uns.

Avignon – Im Musikgeschäft, in dem Trends kommen und gehen, wirkt Mireille Mathieu wie eine Ausnahmeerscheinung. Ihr tiefschwarzer Pagenkopf, die roten Lippen und die unverwechselbare, glockenhelle Stimme sind seit den 1960er-Jahren nicht nur Markenzeichen, sondern ein Stück Musikgeschichte. Doch hinter der scheinbaren Unveränderlichkeit der Französin, die heute 80 Jahre wird, steckt kein Stillstand. 

Mireille Mathieu und Florian Silbereisen beim „Schlagerbooom Open Air“ 2025

Ein Herz und eine Seele: Mireille Mathieu und Florian Silbereisen © IMAGO / Harald Deubert

Denn bei aller Erfahrung ist Mireille Mathieu vor jedem Auftritt noch immer die Künstlerin, die den besonderen Moment spürt. Im Gespräch beschreibt sie sich als neugierig, diszipliniert und empfindsam. „Ich habe Lampenfieber“, sagte sie. Ein Satz, der überrascht aus dem Mund einer Sängerin, die vor Präsidenten, Königen und Millionen Zuschauern gesungen hat.

Lampenfieber vor dem Jubiläum: Mireille Mathieu feiert 60 Jahre auf der Bühne des Pariser „Olympia“

Vor ihrem Jubiläumskonzert im Pariser „Olympia“ im Oktober vergangenen Jahres kämpfte sie nach eigenen Worten eine Woche lang mit der Aufregung. Ausgerechnet dort hatte ihre Karriere im Dezember 1965 begonnen, als sie erstmals auf der Bühne des legendären Konzertsaals stand. Sechzig Jahre später kehrte sie mit einem abendfüllenden Programm zurück. „Das Publikum gibt mir so viel“, sagte sie. Für Mathieu ist ein Konzert bis heute eine Begegnung, keine Routine. Zum Jubiläum kamen Fans aus Deutschland, Skandinavien, Kanada, Brasilien, Mexiko und vielen weiteren Ländern. 

Als ich vor über 20 Jahren zum allerersten Mal eine Samstagabendshow präsentieren durfte, haben viele Stars abgesagt. Ich war ja damals gerade einmal 22 Jahre alt. Experten befürchteten einen Flop. Mireille Mathieu dagegen hat zugesagt! Die Frau, die schon vor Präsidenten, der Queen und dem Papst gesungen hat, stand mir bei der Premiere zur Seite. Sie ist und bleibt mein Glücksbringer!

Die Zahlen hinter ihrer Karriere sind beeindruckend: Mehr als 1.200 Lieder hat Mathieu in zwölf Sprachen aufgenommen, mehr als 3.000 Konzerte weltweit gegeben. Ihre Karriere versteht sie vor allem als Reise durch Kulturen. „Mein Beruf hat mir ermöglicht, verschiedene Kulturen kennenzulernen“, sagt sie. Genau darin liege das größte Geschenk.

Besonders eng ist ihre Verbindung zu Deutschland. Hier wurde sie zum „Spatz von Avignon“ – ein Spitzname, der auf ihre Heimatstadt Avignon in der Provence verweist und ihre zierliche Gestalt mit ihrer außergewöhnlichen Stimme verbindet. Hier sang sie ihre ersten großen deutschen Erfolge wie „Hinter den Kulissen von Paris“ und „Akropolis Adieu“. 1984 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihre Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft. Begegnungen mit Künstlern wie Peter Alexander oder Florian Silbereisen sind Erinnerungen, die sie bis heute bewahrt. Und auch nach sechs Jahrzehnten auf der Bühne ist dieses Kapitel ihrer Karriere nicht abgeschlossen: Im Herbst kehrt Mireille Mathieu erneut nach Deutschland zurück.

Bescheidene Anfänge in Avignon: Wie die junge Mireille Mathieu von der großen Bühne träumte

Dabei war ihr Weg alles andere als selbstverständlich. Geboren am 22. Juli 1946 in Avignon als ältestes von 14 Kindern, wuchs sie in einfachen Verhältnissen auf. Ihr Vater, ein Steinmetz, liebte die Oper und gab seiner Tochter die Liebe zur Musik weiter. Als Kind sang Mathieu in der Kirche und bei Festen. Weil sie Schwierigkeiten in der Schule hatte, verließ sie früh die Ausbildung und arbeitete in einer Fabrik. Sie selbst beschrieb ihren Traum einst wie ein Märchen: Vor dem Spiegel habe sie mit einem Besen als Mikrofon von einer Karriere als Sängerin geträumt.

Im Juni hat sie beim „Schlagerbooom Open Air“ in Kitzbühel ein ganzes Stadion live und a cappella allein mit ihrer Stimme zu Standing Ovations und Bravo-Rufen hingerissen – mit fast 80! Das schafft man nur, wenn man jahrzehntelang Tag für Tag ganz diszipliniert mit der Stimme arbeitet wie sie.

1964 kam der entscheidende Moment: Bei einem Talentwettbewerb in Avignon gewann sie mit einem Lied von Édith Piaf, Frankreichs großer Chansonnière. Aus der jungen Fabrikarbeiterin wurde über Nacht ein Star.

Ans Aufhören denkt Mireille Mathieu nicht. Zwar hat sie das Tempo gedrosselt: Statt langer Auslandstourneen plant sie kürzere Gastspielreisen. Bewahren wird sie sich dabei gewiss aber die roten Lippen, ihre unverwechselbare Stimme und das, was ihre Karriere geprägt hat: die Ernsthaftigkeit gegenüber dem Beruf, die Nähe zum Publikum und diese überraschende Mischung aus Welterfahrung und Lampenfieber.

Sabine Glaubitz