Fahnenflucht in der ukrainischen Armee: Brisanter Bericht enthüllt, wie viele ukrainische Soldaten bei ihrer Ausbildung in Deutschland fliehen


Flucht vom Übungsplatz: Hunderte Ukraine-Soldaten desertieren in Deutschland

Stand: 21.08.2026, 13:18 Uhr

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Mehrere hundert ukrainische Soldaten nutzten ihre Ausbildung an deutschen Truppenübungsplätzen und flohen. Für die ukrainische Armee ist Fahnenflucht ein großes Problem.

Berlin/Kiew – Mehr als 80 ukrainische Soldaten sind seit 2022 allein in Sachsen-Anhalt vom Truppenübungsplatz Altengrabow geflohen, wie Recherchen der Wochenzeitung Die Zeit zeigen. Deutschlandweit sollen es mehrere Hundert Fälle sein. Die Männer gelten nach ukrainischem Recht als Deserteure und riskieren bei einer Rückkehr in die Ukraine bis zu zwölf Jahre Haft.

Ukrainische Soldaten.

Hunderte ukrainische Soldaten zur Ausbildung in Deutschland sollen von den Truppenübungsplätzen geflohen sein. Die Fahnenflucht in der ukrainischen Armee ist ein großes Problem. © Andreas Stroh/Imago

Viele der geflohenen Soldaten waren nicht freiwillig in die Armee eingetreten, die ukrainische Armee hatte sie gemäß der ukrainischen Wehrpflicht eingezogen. Die Entsendung zur Ausbildung nach Deutschland nutzten sie dem Bericht zufolge gezielt als Gelegenheit zur Flucht. Ihr rechtlicher Status in Deutschland ist dabei ungeklärt: Anders als zivile Kriegsflüchtlinge fallen sie nicht unter Paragraf 24 des deutschen Aufenthaltsgesetzes, der Schutz für aus der Ukraine Vertriebene vorsieht. Da sie von ihrer Regierung nach Deutschland entsandt wurden, greift dieser Schutz für sie nicht.

Ukrainische Soldaten fliehen von deutschem Truppenübungsplatz – Desertation in der Ukraine nimmt zu

Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 haben rund 29.000 ukrainische Soldaten eine mehrwöchige Ausbildung in Deutschland absolviert, unter anderem um den Umgang mit Haubitzen und Panzern zu lernen. Während anfangs überwiegend erfahrene und hochmotivierte Soldaten kamen, verändert sich das Bild zunehmend: Da die Ukraine Schwierigkeiten hat, Freiwillige zu finden, werden nun vermehrt unerfahrene und kampfunwillige Männer eingezogen und zur Ausbildung entsandt.

Wehrpflicht in der Ukraine

Ukrainische Männer zwischen 25 und 60 Jahren sind unter dem geltenden Kriegsrecht zur Mobilmachung verpflichtet. Jüngere Männer zwischen 18 und 24 Jahren sind von der Wehrpflicht grundsätzlich ausgenommen. Reserveoffiziere sowie Freiwillige in dieser Altersgruppe können jedoch ebenfalls einberufen werden. Frauen mit medizinischem oder pharmazeutischem Hintergrund müssen sich für den Militärdienst registrieren lassen – der aktive Dienst bleibt für sie allerdings freiwillig.

Gleichzeitig wächst in der Ukraine die Zahl derer, die desertieren. Im Oktober 2025 erreichte die Zahl der Fälle von unerlaubter Abwesenheit (AWOL, engl. „absent without leave“) und Desertion mit 21.602 einen Rekordwert, wie der frühere Abgeordnete und Militärangehörige Ihor Lutsenko unter Berufung auf die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft mitteilte. Der ehemalige Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow bezifferte in seiner Antrittsrede am 14. Januar 2026 die Gesamtzahl der aktuell abwesenden Soldaten auf 200.000, wie der Kyiv Independent berichtet.

Fahnenflucht in der Ukraine – extreme Erschöpfung im Ukraine-Krieg und Todesangst

Zwischen unerlaubter Abwesenheit und Desertation gibt es einen wichtigen Unterschied: Als AWOL gilt, wer die Einheit ohne Erlaubnis verlässt, aber die Absicht hat, zurückzukehren. Desertion hingegen bezeichnet das dauerhafte Entziehen vom Militärdienst – etwa durch zivile Beschäftigung, gefälschte Dokumente oder Flucht ins Ausland. Beide Vergehen sind unter dem ukrainischen Kriegsrecht strafbar: AWOL mit fünf bis zehn Jahren Haft, Desertion mit fünf bis zwölf Jahren.

Die Gründe für Fahnenflucht sind vielschichtig. Konflikte mit Vorgesetzten, extreme Erschöpfung, psychische Zusammenbrüche aus Todesangst sowie chronischer Ressourcenmangel – von Waffen bis zu Fahrzeugen – treiben Soldaten zur Desertation, wie der Kyiv Independent schreibt. Der anhaltende Kräftemangel an der Ukraine-Front macht Erholungspausen für die verbleibenden Soldaten seltener.

Die EU versucht, die Flucht ukrainischer wehrpflichtiger Männer in EU-Mitgliedsstaaten zu erschweren. Ukrainische Männer im wehrfähigen Alter sollen vom automatischen Schutzanspruch in der Europäischen Union künftig ausgeschlossen werden, wie die tagesschau berichtet. Bislang wurden ukrainische Kriegsflüchtlinge in der EU nach der sogenannten Massenzustrom-Richtlinie aufgenommen, die eine individuelle Prüfung der Schutzersuchen überflüssig machte. Das verschaffte Ukrainern im Vergleich zu Geflüchteten aus anderen Ländern erhebliche Vorteile beim Zugang zu Schutz und Arbeit in der EU. (Quellen: Zeit/AFP/tagesschau/Kyiv Independent) (sischr)