Flutkatastrophe im Himalaya: Zahl der Toten nach Flut in Nepal steigt auf mehr als 680
In Nepal haben Rettungskräfte weitere Leichen geborgen, doch Geröllmassen und Regen erschweren die Arbeiten. Fast 3.000 Menschen werden nach der Flut noch vermisst.
Quelle: DIE ZEIT, AFP, dpa,
lk
- August 2026, 16:41 Uhr
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17 KommentareDie Zahl der Toten nach der Sturzflut im Norden Nepals an der Grenze zu China ist erneut gestiegen. Die nepalesische Katastrophenschutzbehörde meldete 675 Tote, zusammen mit den bislang sieben aus China gemeldeten Opfern liegt die Gesamtzahl damit bei 682. Fast 3.000 Menschen werden demnach weiter vermisst. Nepals Außenminister Shisir Khanal bezifferte die Zahl der Vermissten in seinem Land auf rund 2.426, die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete für Tibet 554 Vermisste.
Das Auswärtige Amt sprach von einer »hohen einstelligen Zahl« deutscher Staatsangehöriger, zu denen es keinen Kontakt gebe. Die deutschen Auslandsvertretungen in Nepal und China stünden mit Angehörigen und örtlichen Behörden in engem Kontakt. Zuvor war eine vierköpfige deutsche Familie von Rettungskräften in Sicherheit gebracht worden.
Am Mittwoch war eine Welle aus Wasser, Schlamm und Geröll durch das Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet geströmt und hatte ganze Ortschaften mitgerissen. Nach Angaben des geologischen Dienstes der USA löste der Abbruch eines Gletschers die Katastrophe aus. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften schätzt die Zahl der Betroffenen auf 93.000 Menschen.
Schlamm erschwert Sucharbeiten
Die Rettungskräfte kämpfen bei teils starkem Regen weiter gegen Schlamm- und Geröllmassen. In Asien ist derzeit noch die Monsun-Regenzeit, die üblicherweise bis September dauert.
»Der schwierigste Teil ist der abgelagerte Schlamm als Folge der Flutwelle«, sagte Armeesprecher Raja Ram Basnet in Battar Bazar an der Grenze zu Tibet. Dadurch sei es sehr schwierig, Hubschrauber in betroffenen Gebieten wie Temure, Syabrubesi und Mailung zu landen oder zu starten. Am zerstörten chinesischen Grenzübergang Gyirong bahnten sich Rettungskräfte einen Weg durch meterhohen Schlamm und Trümmer und suchten mit Schaufeln in Geröllhaufen nach Vermissten. Außenminister Khanal sagte vor Journalisten, ein indisches Team sei eingetroffen, um bei der Rettung von Arbeitern zu helfen, die in einem Tunnel eines Wasserkraftwerks im Distrikt Rasuwa eingeschlossen seien.
Gefahr von Infektionskrankheiten wächst
In den überfluteten Gebieten wächst unterdessen die Gefahr von Infektionskrankheiten. Abwasser und Fäkalien können in Trinkwasserquellen gelangen, beschädigte Latrinen und überflutete Kläranlagen verschärfen die hygienische Lage. In Notunterkünften steigt das Risiko zusätzlich, wenn sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen fehlen. Besonders gefürchtet ist die Bakterienkrankheit Cholera.
Auch die Gefahr einer weiteren Flutwelle ist noch nicht vollständig gebannt. Oberhalb des chinesischen Grenzpostens Gyirong hatte sich nach der Katastrophe ein See aufgestaut, ein Dammbruch hätte erneut große Wassermassen ins Tal schicken können. Nach Angaben chinesischer Behörden floss das Wasser inzwischen auf natürlichem Weg ab, wodurch sich die Gefahr deutlich verringert habe. Die Behörden beobachten den See weiter.