Fragen und Antworten: Machtkampf zwischen Fifa und Uefa – das sind die wichtigsten Punkte
Fragen und Antworten Machtkampf zwischen Fifa und Uefa – das sind die wichtigsten Punkte
30.07.2026 · 20:33 Uhr
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„Totaler Krieg“ – Europas Presse reagiert auf den möglichen WM-Boykott
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Foto: AFP/THOMAS COEX
Köln · Am Donnerstag erschütterte ein Beben die Fußball-Welt, weil sich der europäische Verband gegen den Weltverband stellt. Auslöser: Gianni Infantinos umstrittene Investoren-Pläne für die WM.
Der Fußball, wie nationale und internationale Dachverbände ihn organisieren, steht vor einer historischen Zerreißprobe. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) setzt Fifa-Präsident Gianni Infantino nach dessen Alleingang für einen WM-Investorendeal die Pistole auf die Brust. High Noon im Fußball – die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wie ist der Stand?
Gianni Infantino bekommt für seinen Plan, Anteile an der Fußball-WM und anderen Fifa-Turnieren an private Investoren zu verkaufen, erheblichen Gegenwind von machtvoller Stelle. Die Uefa beschloss während einer digitalen Schaltkonferenz aller 55 Mitgliedsverbände (von 211 Fifa-Verbänden) am Donnerstag den Boykott aller Fifa-Turniere für den Fall, dass Infantino sein Vorhaben durchdrückt bzw. auch nur weiterverfolgt.
Wie ernst ist diese Drohung?
Sehr ernst, die Mitteilung der Uefa lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Weltmeisterschaft stehe „nicht zum Verkauf“, und, noch härter: „Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat die moralische Autorität, das zu verkaufen, was er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwahrt.“ Also: Solange das Modell auf dem Tisch liegt, werden Uefa-Verbände an keinen Fifa-Turnieren teilnehmen.
Was bedeutet das?
Eine historische Zerreißprobe für den von Verbänden organisierten Fußball. Uefa und Fifa stehen sich in der Schlacht um die Zukunft des Sports nun Stirn an Stirn gegenüber. Es ist der verzweifelte Versuch, den „Alleinherrscher“ Infantino zu stoppen, der über seine Pläne noch nicht einmal das Fifa-Council (mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf) informiert hat. Die Nähe Infantinos zu Donald Trump, die Verleihung eines Fantasiepreises an den US-Präsidenten und der Umgang mit dem Fall Folarin Balogun hatten zuvor schon erhebliche Kritik ausgelöst. Nun war es ein Alleingang zu viel.
Welche Turniere wären betroffen?
Alle unter dem Dach der Fifa. Schon am 5. September, also in fünf Wochen, beginnt die U20-WM der Frauen in Polen - mit Spanien, England, Frankreich, Polen, Italien und Portugal. Das nächste große Prestigeturnier für die Fifa ist die Frauen-WM 2027 in Brasilien. Auch die deutsche Mannschaft ist dafür qualifiziert.
Wie ist die Position des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)?
Präsident Bernd Neuendorf hat die Pläne bereits am Mittwoch als „fatales Zeichen“ gewertet und sie öffentlich abgelehnt. Nach SID-Informationen steht der DFB auch voll hinter dem rigorosen Uefa-Statement vom Donnerstag und Verbandsboss Aleksander Ceferin.
Kollabiert Infantinos Idee nun?
Offen, aber sie gerät heftig ins Wanken. Die Uefa spricht mit machtvoller Stimme, sie hat im Sommer sechs von acht WM-Viertelfinalisten und den Weltmeister Spanien gestellt. Auch bei den Frauen holte Spanien den WM-Titel, ebenso bei Olympia 2024 (Männer). Die Uefa vereint 55 jener 106 Stimmen auf sich, die nötig sind, um Infantino aufzuhalten. Allerdings hat die afrikanische Konföderation CAF ihre 54 Mitglieder aufgefordert, den Fifa-Vorschlag wohlwollend zu prüfen.
Wird die Männer-WM 2030 ohne Europäer stattfinden? Ohne Deutschland, ohne Jürgen Klopp?
Das ist sehr unwahrscheinlich. Der Boykott ist die Ultima Ratio der Europäer, es werden Gespräche zwischen Uefa und Fifa geführt werden, um Infantino zum Einlenken zu bewegen. Auch der Fifa-Chef weiß, dass sein milliardenschweres WM-Turnier, das er wohl gerne noch weiter aufblasen würde, ohne die europäischen Superstars nicht mal die Hälfte wert ist: Eine WM ohne Europa wäre ein Turnier zweiter Klasse. Will er dennoch mit dem Kopf durch die Wand, bedeutet das die Implosion des Fußballs, wie die Fans ihn kennen. Die Uefa könnte zwar von den anderen FIFA-Verbänden überstimmt werden – für diesen Fall hat sie aber die maximale Eskalation angekündigt und kann kaum einen Rückzieher machen.
Ist dies das Ende von Gianni Infantino als Fifa-Präsident?
Nein, aber es könnte der Anfang vom Ende sein. Infantino hat besonders durch seine Geschenke an die kleineren Nationen (finanzielle Zuwendungen, WM-Aufstockung) eine breite Machtbasis, auch diesmal ist das Geld sein Lockmittel. Ohne sein Vorpreschen wäre er ungefährdet in die Fifa-Wahlen 2027 gegangen. Nun hat er vielleicht den Bogen überspannt. Wenden sich weitere Kontinentalverbände ab, bröckelt seine Macht. Europa könnte dann einen aussichtsreichen Gegenkandidaten aufstellen.
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