Fraktur: Das müsste sogar Hallervorden gut finden
Was macht eigentlich die CDU-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag? Genauer, was macht sie nicht? Denn berühmt, um nicht zu sagen bekannt wurde sie ja erst damit, dass sie einen Termin mit Bundeskanzler Merz, im Nebenberuf CDU-Vorsitzender, absagte, weil dafür „das Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung“ fehle. „Gegenseitig“ war etwas übertrieben, denn Merz hatte nur seinen Verkehrsminister Schnieder entlassen, nicht aber die Landtagsfraktion. Immerhin der Kanzler hielt sich an seine Zuständigkeiten.
Da die CDU-Politiker aus der Provinz sich zu Stellungnahmen berufen fühlen, die über ihren landespolitischen Horizont hinausreichen, erwarten wir von ihnen nun natürlich auch eine Absage an Putin, selbst wenn sie noch keinen Termin mit ihm vereinbart haben sollten. Hundertzehnprozentig sicher ist es zwar noch nicht, dass der Russe hinter dem Angriff auf den Leipziger Flughafen steckt. Aber auch im Falle Schnieders wusste man ja nicht genau, warum Merz ihn entließ. Und wir hoffen doch sehr, dass die Rheinland-Pfälzer nicht mehr Vertrauen zu Putin haben als zu Merz.
In Deutschland will keiner, dass Putin es gewesen ist
Doch natürlich gilt in einem Rechtsstaat sogar für Putin die Unschuldsvermutung. Es will ja in Deutschland auch keiner, dass der es gewesen ist. Denn dann befänden wir uns schon im Krieg mit Russland. Putin hat doch hoffentlich gelesen, dass wir dafür frühestens 2029 gerüstet sind. Bis dorthin ist ihm nur die hybride Kriegsführung erlaubt, an die wir uns ja auch schon so gewöhnt haben wie an die Kamikaze-Roller auf unseren Straßen.
Auch mit Blick auf Leipzig spricht Innenminister Dobrindt nur von einem „hybriden Anschlagsszenario“. Da sieht man aufs Neue, dass jedenfalls wir nicht an der Eskalationsschraube drehen. Wir betrachten das Hybride ja nahezu durchgehend als etwas Gutes. Ein zusätzlicher Elektromotor macht aus einem bösen Verbrenner ein gutes Auto. Wären nicht Pferd und Esel gekreuzt worden, gäbe es kein einziges Muli. Und mancher Grill bliebe leer, wenn das Hybridschwein nicht um mehrere Rippenbögen, also Koteletts, so verlängert worden wäre, dass es langsam auch ein drittes Paar Beine brauchte.
Dem Helden von Leipzig genügte freilich schon ein Fuß, um die Drohne mit einem furchtlosen Tritt abzuschießen. Bravo, Herr Busfahrer! Billiger geht es nicht. Am Golf hätten sie in so einem Fall ein Dutzend Patriot-Raketen verschossen. Auf hybride Attacken muss man eben auch mit einfachen Mitteln reagieren können. Zur sofortigen Steigerung unserer hybriden Verteidigung empfehlen wir daher, alle Busfahrer auf allen deutschen Flughäfen einen Bruce-Lee-Schnellkurs machen zu lassen. Dann könnten wir, bis unsere sehr hybriden Behörden ihre Zuständigkeiten geklärt haben, wenigstens tieffliegende Apparate im Kampf Mann gegen Drohne ausschalten.
Der Busfahrer würde auch in das Programm Sven Schulzes passen
Diese Art der Verteidigung fände vielleicht sogar die Billigung Dieter Hallervordens und die seines neuen Sketch-Partners Sven Schulze. Die kongenialen Komödianten könnten den Leipziger Busfahrer sogar in ihr Programm aufnehmen und ihn auf der Bühne eine Drohne niedertreten lassen – wenn ihnen nicht die AfD, das BSW oder die Linkspartei zuvorkommt und den Mann engagiert, um zu zeigen, dass es die milliardenschwere Aufrüstung gar nicht brauche.
Doch wo, zum Putin, bleibt die Stellungnahme aus Mainz zu Leipzig? Die grübeln wohl immer noch, wie sie wieder von ihrer Palme herunterkommen, auf die sie in ihrer Hybris kletterten. Denn wie schrieb schon einmal Herbert Wehner der CDU ins Stammbuch: Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen. Und Merz ist schließlich sogar bereit, mit Fritz Güntzler ein Bier zu trinken, der ihm wegen nächtlichen Fracksausens den ganzen Ärger eingebracht hatte. Da liegt es dann doch nahe, dass die Mainzer Parteifreunde den Kanzler zu einer Flasche Wein einladen und dann von einer vertrauensbildenden Maßnahme sprechen oder sogar, wenn es richtig gut läuft, von einem hybriden Versöhnungsszenario.