Frankfurt verliert 2000 Samson-Mitarbeiter an Offenbach
Stand: 04.08.2026, 06:00 Uhr
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Der Mess- und Regeltechnikhersteller Samson begann 2025 mit dem Umzug seines Hauptsitzes und großer Produktionsteile nach Offenbach. Auch die dwpbank verlegt 700 Beschäftigte nach Eschborn.
Frankfurt – Die Metropole Frankfurt zieht zwar neue Unternehmenszentralen und internationale Niederlassungen an, verliert zugleich aber große Arbeitgeber an das direkte Umland. Vor allem Offenbach und Eschborn profitieren von Standortverlagerungen aus der benachbarten Bankenstadt. Allein bei den bislang öffentlich bezifferten Wegzügen sind mehrere Tausend Beschäftigte betroffen. Die Neuansiedlungen fallen laut den veröffentlichten Mitarbeiterzahlen deutlich kleiner aus. Zudem bringt nicht jede als Ansiedlung bezeichnete Entwicklung faktisch neue Arbeitsplätze in die Stadt.
Den größten Standortwechsel vollzieht der Mess- und Regeltechnikhersteller Samson, der bereits 2025 mit dem Umzug seines Hauptsitzes und großer Produktionsteile nach Offenbach begann. „Insgesamt ziehen rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Frankfurt nach Offenbach um“, teilte das Unternehmen zum Start der mehrjährigen Verlagerung mit. Ein Innovationszentrum soll jedoch am alten Standort verbleiben.
Einen weiteren Verlust verbucht die Stadt im Finanzsektor: Die Deutsche Wertpapier-Service Bank (dwpbank) verlegt ihren Standort im August 2026 mit rund 700 Beschäftigten in den angrenzenden Hochtaunuskreis nach Eschborn. Auch Kia Deutschland hat Frankfurt 2026 in Richtung Eschborn verlassen. Rund 170 Beschäftigte sind betroffen, die Europazentrale bleibt jedoch am Main. Zudem wechselte das Kundencenter der Zurich Gruppe Deutschland in den benachbarten Taunusort. Das Dechema-Forschungsinstitut zog bereits Ende 2025 mit etwa 80 Beschäftigten in einen Neubau nach Bad Homburg.
Kleinere Niederlassungen
Weitere Rückzüge folgen in den kommenden Jahren. Der Chemiekonzern BASF verlässt den Industriepark Höchst voraussichtlich 2027, der Bayer-Konzern plant, seinen dortigen Standort für Pflanzenschutzprodukte bis Ende 2028 zu schließen. Die S. Fischer Verlage verlegen ihren Hauptsitz ab Sommer 2027 nach Berlin, behalten aber Teile des Lektorats in Frankfurt. „Für uns als Stadt ist es immer ein Verlust, wenn Unternehmen sich dazu entschließen, zentrale Abteilungen aus Frankfurt abzuziehen. Umso mehr betrübt es uns, dass es sich hierbei um einen Buchverlag handelt, der hier fast 80 Jahre seinen Sitz hatte“, sagte Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) zum Wegzug des Verlages.
Den Abgängen stehen aber auch Neu- oder Wiederansiedlungen gegenüber. Die Fluggesellschaft Condor bezog dieses Jahr ihre neue Zentrale in Gateway Gardens am Flughafen. Zuvor war die Verwaltung vorübergehend in Neu-Isenburg untergebracht. „Mit unserem neuen Standort rücken wir wieder näher an das Herz unserer Operation – den Flughafen Frankfurt“, erklärte Condor-Chef Peter Gerber. Außerdem wird die Dr. Beckmann Group ihren Hauptsitz mit rund 300 Mitarbeitern von Egelsbach ins Frankfurter Ostend verlegen.
Eine Sonderrolle nimmt das von Continental abgespaltene und börsennotierte Unternehmen Aumovio ein, das Frankfurt als Sitz des neuen Konzerns wählte. Die mehrere Tausend Beschäftigten dort sind jedoch keine neu angesiedelten Arbeitsplätze, da sie bereits zuvor für Continental am Standort tätig waren. Zudem eröffneten mehrere ausländische Finanz- und Technologieunternehmen kleine Niederlassungen. Auch der Personaldienstleister SD Worx eröffnete ein neues Büro in Frankfurt, verlegte aber gleichzeitig seinen juristischen Sitz nach Berlin.
Für den Industriestandort Frankfurt gibt es zugleich positive Signale. Siemens kündigte im Sommer 2026 an, insgesamt 300 Millionen Euro in den Ausbau seiner Schaltanlagenproduktion in Frankfurt und Offenbach zu investieren. Bis 2030 sollen an drei Standorten rund 700 neue Arbeitsplätze entstehen. Hintergrund ist die weltweit stark steigende Nachfrage nach elektrischen Schaltanlagen, insbesondere durch den Boom von Rechenzentren und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz.
Daneben eröffneten mehrere ausländische Finanz- und Technologieunternehmen kleinere Niederlassungen. Dazu zählen unter anderem der US-Softwareanbieter Sonatus, der Medientechnikdienstleister Diversified, der Immobilieninvestor Griffin Capital Partners, der spanische Finanzanbieter Tresmares Capital, die französische Gesellschaft LBP AM European Private Markets und der niederländische IT-Dienstleister Schuberg Philis. Konkrete Angaben zu den Beschäftigtenzahlen machten die Unternehmen meist nicht. Häufig handelt es sich zunächst um Büros mit kleinen Teams, die den deutschen oder europäischen Markt betreuen sollen.
Scharfer Wettbewerb
Die Entwicklung wird von Wirtschaftsvertretern differenziert bewertet. Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt sieht den Standort trotz seiner internationalen Bedeutung unter wachsendem Druck. Der Präsident der IHK Frankfurt, Ulrich Caspar, bezeichnete den Geschäftsklimaindex als „deutliches Alarmsignal“. Unternehmen litten unter hohen Energiekosten, zunehmender Bürokratie und langwierigen Genehmigungsverfahren. Caspar fordert „wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Berichtspflichten und einen konsequenten Abbau von Überregulierung“. Zugleich wirbt die IHK für einen stärkeren Schulterschluss der gesamten Metropolregion. „Frankfurt-Rhein-Main gewinnt den internationalen Standortwettbewerb nur als gemeinsam auftretende Region“, erklärte Caspar. Notwendig seien insbesondere mehr Gewerbeflächen sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, um internationale Investoren und Unternehmen langfristig an die Region zu binden.
Frankfurt Main Finance kommt ebenfalls in seinem aktuellen Finanzplatzbericht zu einem gemischten Ergebnis. Demnach profitiert Frankfurt weiterhin vom Brexit und zieht internationale Banken sowie Finanzdienstleister an. Gleichzeitig nennt die Standortinitiative den Fachkräftemangel, den angespannten Wohnungsmarkt, hohe Standortkosten und lange Genehmigungsprozesse als zentrale Herausforderungen für die weitere Entwicklung des Finanzplatzes.
Wissenschaftliche Studien zeichnen ein ähnliches Bild. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und der Prognos-Zukunftsatlas zählen Frankfurt weiterhin zu den leistungsfähigsten Wirtschaftsstandorten Deutschlands. Als Stärken gelten die hohe internationale Vernetzung, die Finanzwirtschaft, der Flughafen, die Logistik sowie die enge Verzahnung von Wissenschaft und Unternehmen. Gleichzeitig weisen die Studien regelmäßig auf steigende Standortkosten und den zunehmenden Wettbewerb mit dem Umland hin.