Fred again.. & Latin Mafia: Livestream zeigt, was KI nicht kann - Musikexpress


Fred Again.. und Latin Mafia streamten 50 Stunden live und erschufen „9 months & 50 hours“ – ein Beweis, dass Musik menschlich bleibt.

Wie schafft man es, den Kampf gegen die KI zu gewinnen? Fred Again.. kreierte zusammen mit der Latin Mafia eine über 50 Stunden lange Antwort: Der Schaffensprozess. In der letzten Juliwoche erschuf Fred Again etwas Einzigartiges zusammen mit der Latin Mafia. Von Entstehung über Veröffentlichung bis hin zum ausverkauften Konzert konnte man den gesamten Prozess der Musik verfolgen. Doch warum ist genau diese Aktion ein großer Mittelfinger an die KI-Musikbranche und inwiefern ist es ein Erfolg?

under the fabric

Fred Again.. und die Latin Mafia sind ein so gutes musikalisches Match wie Markus Söder und Bratwurst: Es passt einfach! Und so kam es nicht weniger überraschend, dass sich die drei mexikanischen Brüder und Fred Again.. schon seit Jahren musikalisch austobten. Als sie dann am 11. Dezember 2025 vor einer Live-Show ein improvisiertes Set spielten, wurde der Öffentlichkeit klar, wie gut sie wirklich zusammenpassten. Das mexikanische Trio besteht aus zwei Sängern und einem Produzenten, die während Corona mit unvergesslichen Soundimprovisationen und einem experimentierenden Genre-Misch-Misch viele Millionen Hörer:innen erreichten. Das passiert wohl, wenn einem kein A&R-Manager sagt, was gerade so richtig gut laufen würde.

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Fast 9 Monate nach dem „under the fabric“-Set verkündeten die Musiker:innen, das Mixtape fertigzustellen. Aber nicht einfach irgendwann irgendwie. Sie beschlossen, einen Livestream zu starten, der erst enden würde, wenn alle Songs fertig wären. Und somit begann einer der kreativsten und cineastischsten Livestreams jemals in einem Studio in Mexiko-Stadt. Rund 50 Stunden lang spielten, schliefen und sangen die Musiker:innen in verschiedenen Kameraperspektiven und ließen die Fans live bei der Entstehung der Songs dabei sein. Und spätestens als Fans beim abschließenden Konzert am Donnerstag, den 30. Juli in Mexiko-Stadt noch vor Veröffentlichung der Songs diese mitsingen konnten, wurde klar: Es war ein voller Erfolg! Doch warum? Sollte die Offenlegung des Prozesses nicht die „Magie“ aus der Musik nehmen?

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Der verdammte Weg

Durch den Einzug der KI in die Musikindustrie wurde eine ziemlich existenzielle Frage an die Musikschaffenden gestellt: Was bedeutet Kunst? Denn KI-Unternehmen wie Suno sind bereits jetzt in der Lage, täuschend echte Musik zu reproduzieren und auch zu „erfinden“. Es hört sich gut an, sogar so richtig gut! Also warum sich überhaupt die Mühe geben, selbst produktiv zu werden? Ganz einfach: Der verdammte Weg ist das Ziel!

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Jene inflationär benutzte Weisheit von Berliner Life-Coaches mag einen Punkt treffen. Denn während manche Musiker:innen wie Kenny Beats argumentieren, den Produktionsprozess zu verstecken, um die Musik kunstvoller zu machen, steckt Fred Again.. jegliche XLR-Kabel in sein Interface und streamt alles live. Die Logik dahinter ist folgende:

Die Geschichte

Ich heule bei „Tears in Heaven“, weil ich die tragische Geschichte dahinter kenne – und nicht, weil mir die klaren Gitarrenanschläge so gut gefallen. Es ist ein Zusammenspiel aus musikalischer Finesse und einer Story, die besondere Musik von einem der Milliarden bestehender Songs unterscheidet. Denn während eine KI den Song nachstellen kann und sich eine Geschichte erfindet, wird diese Story erst zum Leben erweckt, wenn sie erzählt wird. Und das tat Fred Again.. in der unaufgeregtesten Weise jemals.

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50 Stunden

Selbst beim Schlafen wurden die Künstler:innen gefilmt – denn auch wenn man es kaum glauben mag: Fred Again.. ist keine Maschine. Es sind Menschen, die kreative Pausen einlegen und sich gegenseitig mit ihrem Umfeld inspirieren, neue Dinge zu erschaffen. Aufnahmen, die mitunter unperfekt sind, bringen dadurch eine Lebendigkeit in einen sonst elektronisch sterilen Sound. Das Streichen eines Cellos durch die Hand eines Menschen – was bleibt, sind Emotionen. Fans, die den Livestream betrachtet hatten, konnten sich im Nachhinein leicht mit den Elementen in den Songs identifizieren – denn sie waren dabei. Dabei bei der Entscheidung, das eine mit hereinzunehmen und das andere herauszulassen.

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Der Sound

Der ganze Spaß und das Beweisen der Menschlichkeit beim Schaffungsprozess machen „9 months & 50 hours“ zu einem noch lebhafteren Erlebnis, als es sowieso schon ist. Denn neben tiefen Synthesizern und wechselnden perkussiven Elementen stehen besonders die Stimmen von Milton und Emilio im Mittelpunkt. In meist gefühlvoller Kopfstimme werden sie von harmonischen Plucks und tiefen Bässen mit ordentlich Glitches und Stutter Effekten gepaart. Du kannst damit nicht anfangen? Kein Problem, denn der gesamte Schaffungsprozess ist auf YouTube nachvollziehbar. Eine beeindruckende Woche für Fred Again.. und die Latin Mafia geht zu Ende, in der sie ganz nebenbei den größten Unterschied zu KI-generierter Musik offenbart und sichtbar gemacht haben.

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