Erneut wirtschaftliche Probleme: Zweite Insolvenz: Anwälte wollen Fliesenzentrum aus Föhren retten


Erneut wirtschaftliche Probleme Zweite Insolvenz: Anwälte wollen Fliesenzentrum aus Föhren retten

Trier/Föhren · Die Fliesen-Zentrum Deutschland GmbH aus Föhren steht nach 2024/25 erneut vor in einem Insolvenzverfahren. Anwälte sollen die traditionsreiche Firma retten. Was sie vorhaben.

03.08.2026 , 17:20 Uhr

Das Fliesen-Zentrum im IRT Föhren ist nach einem im Juli 2025 abgeschlossenen Insolvenzverfahren erneut in eine wirtschaftliche Schieflage geraten.

Foto: TV/Verona Kerl

Der November 2024 ist für die Fliesen-Zentrum Deutschland GmbH ein düsterer Monat. Denn das über viele Jahre gewachsene Familienunternehmen mit Geschäftsführer Johannes Friedrich muss Insolvenz anmelden.

Der nachfolgende Sanierungsprozess scheint jedoch erfolgreich. Jedenfalls verschicken die Insolvenzverwalter von der Kanzlei Ingo Grünewald, Prof. Dr. Dr. Thomas B. Schmidt Insolvenzverwalter Rechtsanwälte Partnerschaft mbB Ende Juli 2025 eine positive Pressemeldung. Die Gläubiger hätten dem Insolvenzplan, den das Unternehmen in Eigenverwaltung erstellt hat, zugestimmt, heißt es. Es sei gelungen, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und eine tragfähige Zukunftsperspektive für das traditionsreiche Familienunternehmen zu entwickeln. Geschäftsführer Johannes Friedrich ist positiv gestimmt. „Jetzt können wir mit neuer Klarheit und Stabilität in die Zukunft blicken“, lässt er sich zitieren. Es sei spürbar, dass das Unternehmen wieder auf Kurs sei. Ein Jahr danach scheint die Traditionsfirma jedoch von diesem Kurs abgekommen zu sein.

Zweite Insolvenz des Fliesen-Zentrums Ende Juli 2026

Anders ist es nicht zu erklären, dass das Amtsgericht Wittlich am Freitag, 31. Juli 2026, erneut eine Insolvenzbekanntmachung zur Fliesen-Zentrum Deutschland GmbH veröffentlicht (Aktenzeichen: 7a IN 85/26). Die vorläufige Verwaltung des Vermögens des Antragstellers sei angeordnet worden, heißt es in der Bekanntmachung. „Verfügungen des Antragstellers sind nur mit Zustimmung des Insolvenzverwalters wirksam.“ Die Insolvenzverwaltung übernimmt erneut die Partnerschaft von Schmidt und Grünewald, die jetzt unter dem Namen Professor Schmidt, Grünewald und Partner Partnerschaft mbB firmiert.

Doch was steckt hinter dem erneuten Insolvenzantrag? Ganz so dramatisch, wie es ein Trierer Online-Portal am Montagmittag darstellt, ist es laut den Insolvenzverwaltern nicht. Das Portal berichtet unter Berufung auf das Unternehmen, alle Standorte seien mit sofortiger Wirkung geschlossen. Diese Behauptung weist Insolvenzverwalter Grünewald in einer ersten Stellungnahme entschieden zurück.

Am Montagnachmittag erklärt er: „Es ist mitnichten so, dass Standorte geschlossen werden. Wir versuchen den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren.“ Die Schließung sei nur vorübergehend, und „geschlossen“ sei das falsche Wort. „Die Betriebe müssen sich mit dem Insolvenzverwalter abstimmen und können dann agieren“, sagt er. Ein erstes Ziel sei es, bestehende Aufträge abzuarbeiten. „Wir werden mit dem Abverkauf der Fliesen weitermachen“, sagt Grünewald. „Das braucht ein paar Tage.“

Verwalter sucht jetzt Investor für Föhrener Firma

Allgemein erklärt der Experte zum Insolvenzverfahren: „Es gab ein Erstverfahren 2024. Das ist mit einem Insolvenzplan im Juli vor einem Jahr beendet worden.“ Mit dem Plan habe das Unternehmen Insolvenzverfahren verlassen. Der Plan sei aber nur ein Baustein einer Sanierung gewesen. „Wir haben das Unternehmen finanzwirtschaftlich neu aufgestellt und operativ verändert“, erklärt Grünewald. Ein unrentabler Standort sei geschlossen worden.

Allerdings sei die Baubranche nach wie vor in der Krise. Die volkswirtschaftliche Nachfrage sei entgegen der Erwartungen im Juli 2025 weiter eingebrochen. Der zweite Baustein für eine funktionierende Sanierung der GmbH hat somit nicht gepasst. Im Gegenteil: „Entgegen dem, was man sich erhofft hat, ist es noch schlechter geworden“, sagt Grünewald. Die Einkaufspreise seien durch den Krieg im Nahen Osten noch weiter gestiegen. „Man musste gegen den Wind segeln“, sagt der Insolvenzverwalter.

Das ist auch der Grund, dass jetzt ein Regelinsolvenzverfahren und kein Verfahren in Eigenverwaltung durch das Unternehmen läuft. Damals war das Hauptziel laut Grünewald, das Unternehmen in der bestehenden Form zu erhalten. Ein Jahr danach ist die Stoßrichtung eine andere: „Es geht jetzt darum, einen Investor zu finden. Ein strategischer Investor aus der Branche wäre ideal.“ Ob überhaupt eine Möglichkeit bestehe, „den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, muss ich herausfinden“, sagt Grünewald unter Verweis auf den frühen Zeitpunkt des Verfahrens.

Ob es in dem Verfahren Insolvenzgeld gibt, ist laut dem Insolvenzverwalter noch nicht klar. Er kann sich somit auch noch nicht dazu äußern, wie es für die deutschlandweit etwa 350 Mitarbeiter des Unternehmens weitergeht. Ende der Woche will er diesbezüglich mehr wissen.

Traditionsreiches Unternehmen mit langer Geschichte

Die Fliesen-Zentrum Deutschland GmbH mit Hauptsitz in Föhren bei Trier ist ein familiengeführtes Traditionsunternehmen und zählt zu den führenden Anbietern von Fliesen, Baustoffen und Natursteinen in Deutschland. Peter Philipp Friedrich hat sie 1890 als Fachgeschäft für Baustoffe und Fliesen gegründet. In der Nachkriegszeit expandierte das Unternehmen unter Michael und Artur Friedrich unter der Firmierung „Platten Friedrich Trier“. Das ist der Name, an den immer noch viele in der Region denken, wenn es um die Firma geht.

Nach der Wiedervereinigung wuchs die Firma. Sie eröffnete Standorte in Leipzig, Berlin und Magdeburg. Johannes Friedrich führt das Unternehmen in fünfter Generation. Seit 2020 betreiben sie ein neues Hauptlager im Industriepark Region Trier (IRT). Zudem gibt es weitere elf Standorte in Deutschland.