Friedberger Kaserne: FWG hisst die weiße Flagge


Stand: 23.07.2026, 06:00 Uhr

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Der Elvis-Kreisel im Süden der Wetterauer Kreisstadt: Werden hier in einigen Jahren Bewohner zu ihren Einfamilienhäusern fahren - oder Bundeswehrfahrzeuge auf dem Weg zur Kaserne?

Der Elvis-Kreisel im Süden der Wetterauer Kreisstadt: Werden hier in einigen Jahren Bewohner zu ihren Einfamilienhäusern fahren – oder Bundeswehrfahrzeuge auf dem Weg zur Kaserne? © Friedrich Wilhelm Durchdewald

Zieht die Bundeswehr in die Friedberger Kaserne ein? Die Gespräche im Rathaus laufen. Die Freien Wähler fordern eine Entscheidung vor den Haushaltsberatungen und äußern die Ansicht, das Gelände sei „zumindest überwiegend für eine zivile Nutzung verloren“.

Friedberg – Als „in besonderem Maße geeignet“ hat das Bundesverteidigungsministerium die eigentlich zur Konversion vorgesehene Fläche der ehemaligen Ray Barracks in Friedberg. Die Bundeswehr könnte das Gelände „möglichst rasch für die Umsetzung des Neuen Wehrdienstes“ reaktivieren. Diese Einschätzung habe sich beim „Standortgespräch“ im Rathaus in der vergangenen Woche bestätigt, schreiben die Freien Wähler in einer Pressemitteilung. Im August soll ein weiteres Gespräch stattfinden.

Rückblickend zeige sich, dass der künftigen Nutzung des Kasernengeländes nach dessen Aufgabe durch die US Army im Jahr 2007 „städtischerseits viel zu wenig Aufmerksamkeit“ gewidmet wurde, schreibt FW-Vorsitzender Friedrich Wilhelm Durchdewald. „Eigentlich wegweisend“ sei der Beschluss für den „Erstzugriff“ Anfang 2016 gewesen. Leider sei dieser Beschluss 2021 mit knapper Mehrheit durch CDU und SPD wieder aufgehoben worden. Dadurch verblieb das Gelände unter der Verwaltung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die es zu Geld machen wollte. „Mitentscheidend war, dass sich die BImA beharrlich weigerte, ohne den erklärten Erstzugriff eine Summe zu benennen, die für die Übernahme des Geländes durch die Stadt zu zahlen gewesen wäre. Unsere Fraktion hatte von Anfang an für den Erstzugriff gestimmt.“

Die Freien Wähler nähmen „die offensichtliche Abkehr von der angestrebten zivilen Nutzung zur Kenntnis“. Würde die künftige Nutzung durch die Bundeswehr beschlossene Sache, werde man dies „aktiv unterstützen“, schreibt Durchdewald. Fraktionskollege David Ermert ergänzt: „Eine Bundeswehrkaserne kann die Entwicklung der Infrastruktur in unserer Stadt sowie die Entwicklung der Innenstadt nachhaltig fördern. Gleichzeitig erfordert es, Flächen neu zu denken.“ Das gelte etwa für die geplante Erweiterung des Industriegebietes Süd. „Auch sollte das Raiffeisengelände keinesfalls voreilig aufgegeben werden.“ Das könne noch eine wichtige infrastrukturelle Rolle spielen. Nach Meinung von Ulrike Ertl erhält dann die Schaffung von Wohnraum Priorität, wobei der beschlossene „Bauturbo“ womöglich helfe.

Wieviel Fläche benötigt Kaserne?

Der Verbrauch wertvoller Flächen müsse allerdings kritisch abgewogen werden. Hoffnung mache, so Jannis Malte Olthoff, dass im Schreiben des Verteidigungsministeriums auch die Planung eines Feuerwehrstandortes thematisiert werde. Diese Fläche, eventuell auch in anderem Zuschnitt, sollte unbedingt für die Stadt gesichert werden. Als fraglich sieht Olthoff, ob die Bundeswehr die kompletten 74 Hektar an Fläche beanspruchen würde. Schließlich würden auch Wohnungen für Offiziers- und Unteroffiziersdienstgrade einschließlich deren Familien benötigt. Matthias Ertl ergänzt, dass mit dem Bund möglicherweise eine finanzielle Beteiligung an wichtigen Infrastrukturprojekten verhandelbar sei, etwa für die Erweiterung der Kläranlage. Ähnliches gelte für strategisch wichtige Straßen und Brücken.

Die FW-Fraktion hält es für wichtig, dass eine rasche Entscheidung getroffen werde. Die damit verbundene Planungssicherheit würde die Aufgabenkonzentration in Stadt und Landkreis zielorientierter ermöglichen. Durchdewald: „Die Grundsatzentscheidung sollte vor den Haushaltsberatungen im Herbst eingefordert werden, da geänderte Rahmenbedingungen wesentliche Auswirkungen auf die Haushaltsplanung der Folgejahre hat.“ Damit würde eine zielorientierte Mittelverwendung noch wichtiger, da perspektivisch das Steueraufkommen deutlich hinter den Erwartungen bei der eigentlich geplanten zivilen Nutzung zurückbleibe. „Da wird mit der Bundeswehr über einen finanziellen Ausgleich ebenso zu sprechen sein wie über Wasser- und Energiebereitstellung sowie die Lieferung von Heizung durch die Stadtwerke.“

Zusammenfassend sieht die FW-Fraktion, dass das Gelände „zumindest überwiegend für eine zivile Nutzung verloren ist“. Eine strenge Ausgabendisziplin müsse nun die Folge sein.