Frühe Hilfen: Ein guter Start ins gemeinsame Leben
„Die ersten 1.000 Tage im Leben eines Kindes – gerechnet ab der Schwangerschaft – haben deutlichen Einfluss auf die lebenslange Gesundheit und Entwicklung eines Kindes“, sagt die klinische und Gesundheitspsychologin Birgit Wenty.
„Aber viele Eltern sind gerade in dieser sensiblen Zeit enorm belastet, haben Ängste, sind unsicher. Das kann bei gesundheitlichen Problemen in der Schwangerschaft ebenso sein wie bei Schlafmangel, häufigem Weinen des Babys oder generell, wenn Unterstützung aus dem familiären und sozialen Umfeld fehlt.“
Wenty ist fachliche Leiterin der Frühen Hilfen Wien. Österreichweit rund 250 Familienbegleiterinnen (es sind fast ausschließlich Frauen) bieten in solchen Situationen werdenden Eltern und Familien mit Kindern bis drei Jahren Hilfe an, „unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Bildungsniveau oder ihrem Einkommen“.
Frühe Hilfen: Langfristige Begleitung
Die meisten haben einen Gesundheits- oder Sozialberuf, zum Beispiel Hebammen, Frühförderinnen, Psychologinnen, Psychotherapeutinnen oder Sozialarbeiterinnen, alle mit einer speziellen Zusatzausbildung.
Im Vorjahr wurden knapp 7.300 Familien unterstützt, davon 5.700 Familien längerfristig, im Schnitt ein dreiviertel Jahr lang. „Zu Beginn werden sie in der Regel wöchentlich zu Hause besucht, später sind die Abstände dann je nach Bedarf.“
Zum einen haben die Familienbegleiterinnen eine wichtige Lotsenfunktion: „Sie helfen dabei, etwa die richtigen Ansprechpersonen für bestimmte Therapien zu finden und Termine zu organisieren.“
Gleichzeitig entsteht meist eine vertrauensvolle Beziehung zu den Eltern: „Diese Erfahrung, dass es eine Person gibt, an die ich mich mit all meinen Sorgen, Ängsten und Unsicherheiten wenden kann, die ein offenes Ohr hat und die nicht wertet, die hilft Eltern auch, besser auf die Bedürfnisse ihres Kindes achten zu können.“
„Krisen verhindern“
So erhalten sie Hilfe bei der richtigen Einschätzung schwieriger Situationen – und deren Bewältigung:
„Häufig kommt etwa die Frage, ob das zeitliche Ausmaß, in dem das Baby weint und schwer zu beruhigen ist, bereits Anlass zur Sorge gibt? Ob eine medizinische Abklärung notwendig ist? Gleichzeitig vermitteln wir Strategien, wie Eltern auch in schwierigen Situationen ruhig bleiben und die Kontrolle behalten können.“
Wenty betont den präventiven Ansatz: „Um sich bei uns zu melden, muss keine psychische Belastung vorliegen. Wir wollen ja Krisen verhindern oder zumindest frühzeitig abfangen.“
Ein Ersatz für eine Therapie seien die Frühen Hilfen nicht: „Wenn wir Anzeichen einer psychischen Erkrankung bemerken, etwa einer postpartalen Depression, dann vermitteln wir auch hier zu Expertinnen und Experten.“

First Lady Doris Schmidauer (Mitte) mit Birgit Wenty (re.) und Familienbegleiterinnen der Frühen Hilfen Wien.
Doris Schmidauer, Ehefrau von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, hat sich kürzlich bei einem persönlichen Besuch über die Arbeit der Frühen Hilfen informiert: „Kinder entwickeln sich am besten in einem Umfeld, das Sicherheit und Stabilität bietet. Deshalb ist es entscheidend, Eltern in herausfordernden Situationen so früh wie möglich zu unterstützen.“
kurier.at, em | 01.08.2026, 5:45