Zuhause Flop, auswärts Top: Mainz 05 zaubert Auswärtsrekord aus dem Hut
Fünfter Auswärtssieg in Folge – Mainz stellt neuen Vereinsrekord auf
Stand: 18.10.2026, 12:20 Uhr
Mit dem 1:0 bei Schalke 04 erlebt Mainz 05 den neunten Auswärtssieg ohne Niederlage nacheinander. Wann gibt es aber wieder einen Dreier zuhause?
Hinter der Arena auf der grünen Wiese in Mainz hat der Verein vor einigen Jahren ein großes Zelt aufgebaut. Die Fans haben es in einer Abstimmung „Schobbeschachtel“ genannt. Es steht direkt neben der Kneipe „Hasekaste“. Egal. Jedenfalls hat Mittelstürmer Phillip Tietz nach dem 1:0-Sieg bei Schalke 04 gesagt, dass er es befürworten würde, wenn die eigenen Anhänger in der „Schobbeschachtel“ mal wieder einen Heimsieg feiern könnten.

Ganz so, wie es 6000 Anhänger am Samstagabend in Gelsenkirchen-Buer saisonübergreifend bereits zum fünften Mal in Folge auswärts tun durften. Vereinsrekord! Seit nunmehr neun Auswärtsspielen haben die Rheinhessen nicht mehr verloren. Einstellung des Vereinsrekords! Darauf könnte sogar der FC Bayern einigermaßen stolz sein.
Mainz 05 wird zur Auswärtsmacht
Dreimal daheim und dreimal in der Fremde haben die Nullfünfer inzwischen in diesem Spieljahr anzutreten gehabt. Sonderbare Ausbeute: neun Punkte auswärts, ein lumpiges Zählerchen zu Hause; aggressive Grundhaltung auswärts, Neigung zu bräsiger Nachlässigkeit zu Hause. Das soll Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen Werder Bremen ein Ende haben.
In der atmosphärisch eindrucksvollen Schalke-Arena zeigten die Rheinhessen alles, was sie ausmacht: Bissigkeit, Zweikampfstärke und ‑härte, Tempo – und bereits das fünfte Saisontor von Mittelstürmer Tietz. So kommt es nächste Woche zum Clash der Giganten: Phillip Tietz kontra Niclas Füllkrug, den mit sechs Treffern Führenden der Torjägerliste.
Bei den überforderten Aufsteigern in Königsblau hätten die Mainzer gut und gerne vier oder fünf Treffer erzielen können. Bereits nach 60 Sekunden war Sheraldo Becker zweimal vor dem Ex-Mainzer Loris Karius aufgetaucht, und zwar jeweils mit Ball am Fuß und dank seines Speeds sogar allein. Aber Karius, mit Abstand bester Schalker, wehrte jeweils heldenhaft ab. Irgendwann, genau in der 24. Minute, kam er beim schlauen Abschluss von Tietz dann nicht mehr ran an den Ball.
Hinterher hörte sich der Schalker Trainer Miron Muslic verdächtig ähnlich an, wie sein Mainzer Kollege Urs Fischer sich zuletzt nach ungenügenden Auftritten im eigenen Stadion angehört hatte: „Wenn du in einem Bundesligaspiel die ersten 45 Minuten gefühlt keinen Zweikampf gewinnst, obwohl vorher klar war, dass es ein Spiel der Duelle und Zweikämpfe wird, dann hast du etwas falsch gemacht.“
Fischer baut Abwehr erfolgreich um
Fischer seinerseits hatte Konsequenzen aus zuletzt viel zu vielen Gegentoren gezogen und die 05-Abwehr personell und statisch neu formiert. Der Ex-Frankfurter Routinier Danny da Costa rückte von der Bank in die Startelf, aus der Neuzugang Fabio Gruber rausrotierte. Der österreichische Nationalspieler Stefan Posch ging von rechts in die Abwehrzentrale auf den Platz von Gruber.
Das 18-jährige Toptalent Kacper Potulski bekam trotz zuvor wankelmütiger Vorträge weiter das Vertrauen des Trainers. Der junge Pole übererfüllte die Erwartungen in weiterer Abwesenheit des bis Jahresende verletzten Dominik Kohr mit einer astreinen Performance. Die allermeisten Fachleute sind sich einig, dass Mainz 05 über den besten Kader seit den von Thomas Tuchel angeleiteten „Bruchwegboys“ um André Schürrle, Lewis Holtby und Adam Szalai verfügt.
Das ist 16 Jahre her. Damals gewannen die Mainzer auswärts zehnmal und daheim „nur“ achtmal und wurden Fünfte. Die qualitative Kapazität für einen ähnlichen Saisonverlauf dürfte vorhanden sein. Daheim sollte das Selbstbewusstsein nur nicht allzu oft in Überheblichkeit münden. Sondern in unbarmherziger Jagd auf die Gegner. Wie Samstag auf Schalke.