Vuelta: Gall schreibt erneut Radsportgeschichte
Vuelta
Felix Gall hat erneut ein großes Stück österreichischer Radsportgeschichte geschrieben. Nach Platz zwei beim Giro d’Italia beendete der 28-jährige Osttiroler auch die Vuelta a Espana am Sonntag als erster Österreicher als Gesamtdritter auf dem Podest. Die Schlussetappe wurde für Gall bei seiner letzten Grand Tour für das Decathlon-Team gemeinsam mit Lokalmatador und Gesamtsieger Enric Mas (Movistar) und dem zweitplatzierten Slowenen Primoz Roglic (Red Bull) zu einer Ehrenrunde. Nächstes mögliches Ziel: das WM-Straßenrennen in Montreal.
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Letztlich beendete Gall, der zu Saisonbeginn bewusst auf die Tour de France verzichtet hatte, um sich den Traum vom ersten Grand-Tour-Podest zu erfüllen, die Spanien-Rundfahrt 2:44 Minuten hinter Mas und nur 29 Sekunden hinter Roglic, der am Vortag bei Galls Attacke am Ende der Königsetappe den Schaden begrenzen konnte, aber mehr als eine Minute auf den Österreicher verlor – das reichte gerade noch für den zweiten Gesamtrang.
Die Schlussetappe über 112 Kilometern mit Ziel in Granada gewann der Norweger Tobias Halland Johannesen (Uno X) im spannenden Sprint der Spitzengruppe vor dem Italiener Alessandro Romele vom Astana-Team und dem Belgier Ramses Debruyne (Alpecin). Gall und alle Klassementfahrer rollten mit knapp zwei Minuten Rückstand entspannt ins Ziel. Nach mehr als 3.000 Kilometern und großer Hitze war die Quälerei zu Ende.
Historischer Vuelta-Podestplatz
Felix Gall gelang bei der Vuelta eine historische Leistung: Als erster Österreicher fuhr der 28-Jährige unter die Top drei bei der Spanien-Rundfahrt. Auch die hohen Temperaturen und kritische Momente konnten den Osttiroler nicht stoppen.
Mit den Plätzen zwei und drei bei Giro und Vuelta darf Gall mehr als zufrieden bilanzieren. Überhaupt ist er der einzige Fahrer, der es in dieser Saison bei zwei Grands Tours auf das Gesamtpodest schaffte. Geschuldet war das den Stürzen von Tour-Sieger Tadej Pogacar (SLO) als Führender bei der Vuelta und dem sturzbedingten Aus von Giro-Gewinner Jonas Vingegaard (DEN) bei der Tour de France.
Konstanz in den Bergen
Galls Leistung schmälert das freilich nicht. Mit unglaublicher Konstanz in den Bergen als teilweise bester Kletterer untermauerte er selbst nach der Aufgabe seines wichtigsten Helfers Gregor Mühlberger, der auf der 13. Etappe schwer gestürzt war, seine aktuelle Stellung als einer der besten Rundfahrer der Gegenwart. Ein Podestplatz bei einer Grand Tour war bisher nur Adolf Christian als Dritter der Tour de France 1957 gelungen.
Mühlberger „unglaublich stolz“
„Ich bin unglaublich stolz auf Felix und habe größten Respekt vor seiner Leistung – physisch sowie mental. Bis zu meinem Sturz lief alles nach Plan und wir haben gezeigt, dass wir ein eingespieltes Team sind. Leider konnte ich ihn nicht bis Granada bringen, aber wir hatten dennoch viel Kontakt und ich habe ihn von zu Hause aus unterstützt“, so Mühlberger, Sieger der Österreich-Rundfahrt 2026, auf ORF-Nachfrage.
Weiters sagte der Oberösterreicher, der unweit Galls in Salzburg lebt und sich auskuriert: „Ich denke, ein wichtiger und loyaler Freund für ihn zu sein. Auch abseits vom Radsport. Er ist es definitiv für mich, und ich kann es kaum erwarten, ihn wieder als sein wichtigster Mann bei zukünftigen Zielen zu unterstützen.“
Die Tour de France wird möglicherweise Galls nächstes großes Ziel mit Mühlberger und dem deutschen Lidl-Trek-Team in der kommenden Saison sein. 2023 war sein Stern in Frankreich mit dem Sieg auf der Königsetappe in Courchevel aufgegangen, 2025 beendete er die Frankreich-Rundfahrt auf dem fünften Gesamtplatz. Umso überraschender war die Ankündigung, in dieser Saison auf die Tour zu verzichten und sich lieber der Vuelta und dem Giro zu widmen. Der Erfolg sollte ihm recht geben.
Von Vuelta zur Weltmeisterschaft?
Ein einziger Podestplatz als Dritter der vierten Etappe reichte Gall in Spanien zum entscheidenden Vorstoß, Dominator Pogacar schied nach Sturz auf der achten Etappe aus. Seither trug Mas stellvertretend das Rote Trikot und brachte es souverän ins Ziel. Der 31-Jährige jubelte über seinen ersten Grand-Tour-Sieg, und das bei der Heimrundfahrt.
Gall dagegen vergab den möglichen zweiten Geamtplatz im Zeitfahren der 18. Etappe, als er zu viel Zeit auf Roglic, der mit seinem fünften Vuelta-Sieg zum alleinigen Rekordhalter avanciert wäre, verlor. Sein Angriff am Samstag im Rahmen der Königsetappe untermauerte seine Stärke, doch es reichte für Gall nicht mehr.
Trotzdem und zu Recht resümierte Gall hoch zufrieden. Nächstes Ziel des Osttirolers ist übrigens das WM-Straßenrennen am 27. September in Montreal (CAN), wo er laut aktuellem Stand starten will. Seine Form würde dafür sprechen. In Richmond (USA) war Gall vor elf Jahren Junioren-Weltmeister geworden.
Vuelta a Espana
2. Etappe
| Granada - Granada (112 km): | |||
| 1. | Tobias Halland Johannessen | NOR | 2:54:08 |
| 2. | Alessandro Romele | ESP | -"- |
| 3. | Ramses Debruyne | BEL | -"- |
| 4. | Matthew Brennan | GBR | -"- |
| 5. | Bastien Tronchon | FRA | -"- |
| 6. | Pello Bilbao | ESP | -"- |
| 7. | Finn Fisher-Black | NZL | -"- |
| 8. | Axel Laurance | FRA | -"- |
| 9. | Pau Marti | ESP | -"- |
| 10. | Marco Brenner | GER | -"- |
| 44. | Primoz Roglic | SLO | 1:49 |
| 46. | Felix Gall | AUT | -"- |
| 91. | Patrick Konrad | AUT | -"- |
| 109. | Enric Mas | ECU | -"- |
| 123. | Michael Gogl | AUT | 2:59 |
Gesamtwertung
| Endstand nach 21 Etappen: | |||
| 1. | Enric Mas | ESP | 73:52:55 |
| 2. | Primoz Roglic | SLO | + 2:15 |
| 3. | Felix Gall | AUT | 2:44 |
| 4. | Richard Carapaz | ECU | 6:54 |
| 5. | Sepp Kuss | USA | 8:45 |
| 6. | Oscar Onley | GBR | 9:28 |
| 7. | Jakob Omrzel | SLO | 10:38 |
| 8. | Clement Berthet | FRA | 11:41 |
| 9. | Cristian Rodriguez | ESP | 11:59 |
| 10. | Harold Tejada | COL | 14:40 |
| 40. | Patrick Konrad | AUT | 2:08:19 |
| 94. | Michael Gogl | AUT | 3:40:20 |