„Geht gar nicht“: Preis für Siebtklässler-Klassenfahrt löst Diskussionen aus


Stand: 30.08.2026, 05:56 Uhr

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„Mallorca all inclusive?“: In einer Eltern-Whatsapp-Gruppe entbrennt Streit über eine Klassenfahrt, die immer teurer wird, weil Eltern abspringen.

Frankfurt – Die TikTok-Nutzerin Cindy schildert in einem Video eine Situation, die viele Eltern kennen dürften. Die Klasse ihres Kindes plane eine fünftägige Klassenfahrt – ursprünglich für rund 400 Euro. Doch weil einige Eltern abgesprungen seien, würden die Kosten nun auf weniger Familien verteilt. Das Ergebnis: knapp 600 Euro pro Kind. Cindy, alleinerziehend und in Teilzeit beschäftigt, habe sich dennoch dazu entschieden, ihren Sohn mitfahren zu lassen. Dafür wurde sie von einer anderen Mutter angegangen. „Mich hat gerade eine andere Mutter total blöd angemacht“, erzählt Cindy in dem TikTok-Video.

Schulkinder auf

Schäbige Jugendherberge oder Hotel auf Mallorca: Wie teuer dürfen Klassenfahrten sein? (Symbolbild) © Monika Skolimowska/Dpa

Cindy selbst findet die Kosten ebenfalls übertrieben. „Das findet keiner okay und da ist auch in der Eltern-WhatsApp-Gruppe eine Diskussion entstanden“, sagt sie. Gleichzeitig appelliert sie an andere Eltern, früher zu kommunizieren, wenn sie sich eine Fahrt nicht leisten können. „Ich verstehe das, wenn man sich das nicht leisten kann, weil das ist viel Geld, da brauchen wir gar nicht drüber reden“, sagt die Mutter des Siebtklässlers. „Aber ich kann am Ende des Tages nichts dafür.“ Sie weist darauf hin, dass es finanzielle Hilfen gebe, die beantragt werden könnten. Einfach abzuspringen sei keine Lösung: Dann könnten nicht nur einzelne Kinder nicht teilnehmen – es werde auch für alle anderen teurer, im schlimmsten Fall finde die Klassenfahrt gar nicht statt.

„Wohin geht‘s – Mallorca all inclusive?“: Wenn Klassenfahrten zum Luxus werden

Unter Cindys TikTok-Video diskutieren Eltern kontrovers. Manche stellen sich auf ihre Seite: „Wer keine 600 Euro Rücklagen als Erwachsener aufbauen kann, sollte keine Kinder bekommen“, schreibt ein User. Andere reagieren mit klarer Ablehnung: „600 Euro für eine Klassenfahrt sind zu viel. Punkt. Schluss. Aus!“ Dass andere Eltern die Kosten für weitere Kinder übernehmen sollen, „geht gar nicht“, schreibt eine weitere Person. Eine Mutter berichtet aus ihrer eigenen Erfahrung: „Bei uns ist das gedeckelt auf 120 Euro, damit auch sozial schwache Kinder die Chance haben.“

Katja Kipping, Geschäftsführerin beim Paritätischen Gesamtverband, ordnet das Problem gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media ein. „Klar ist: Wenn die Kosten für eine Klassenfahrt eine gewisse Höhe erreichen, produziert dies Ausschlüsse“, sagt Kipping. Das Problem sei vielschichtig: „Zum einen, weil nicht alle, die Anspruch auf Förderung nach Bildungs- und Teilhabegesetz für Klassenfahrten hätten, diese beantragen oder bewilligt bekommen. Zum anderen, weil auch für Menschen knapp über der Anspruchsgrenze die Kosten eine Belastung darstellen.“ Viele Familien, die laut Gesetzeslage Anspruch auf Förderung hätten, würden diese nicht in Anspruch nehmen. Dieses Phänomen bezeichnet Kipping als „verdeckte, ja verschämte Armut“.

Die Gründe dafür reichten von „Nicht-Wissen über Scham bis hin zur Angst vor Sanktionen und Strafen, falls man bei der Antragstellung einen Fehler macht.“ Wenn Familien aus all diesen Gründen keine Förderung beantragen und ihre Kinder deshalb nicht zu Schulausflügen mitschicken, sei das problematisch. Denn „Klassenfahrten dienen auch zur Stärkung von Verbindungen und dem Teamgeist innerhalb einer Schulklasse. Wer nicht mitfahren kann, ist von diesem Gemeinschaftsgefühl ausgeschlossen“, so Kipping. Deshalb schätze der Paritätische Angebote von Schullandheimen und Jugendherbergen, „die gemeinnützig wirken und die verhältnismäßig bezahlbare Angebote liefern.“

Klassenfahrten in Deutschland – es braucht Lösungen für mehr Gerechtigkeit

Kipping sieht mehrere Ansatzpunkte für Verbesserungen bei Klassenfahrten. Zunächst brauche es „eine Sensibilisierung der Lehrkräfte und Klassen dafür, dass es unterschiedliche Einkommensverhältnisse gibt und hohe Preise Barrieren sein können“, sagt sie der Frankfurter Rundschau. Im Unterricht könnten verschiedene Formen von Barrieren besprochen werden: „Wenn es etwa eine Mitschülerin im Rollstuhl gibt, sollte es selbstverständlich sein, dass barrierefreie Varianten gefunden werden und genauso sollte es Sensibilität für materielle Barrieren geben.“

Darüber hinaus fordert die Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbands „eine unbürokratische Förderung von Klassenfahrten für alle, die im Hinblick auf Leistungen des Bildungs- und Teilhabegesetzes anspruchsberechtigt sind.“ Zusätzlich brauche es „eine institutionelle Förderung von Schullandheimen, Jugendherbergen und anderen gemeinnützigen Anbietern für preiswerte Ferienfreizeiten und Klassenfahrten.“ (Quellen: eigene Recherche, TikTok)