Gen Z wird kauffreudiger: 52 Punkte Abstand zu den Babyboomern


Stand: 07.09.2026, 19:39 Uhr

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Die Konsumstimmung der Gen Z steigt über null. Babyboomer bleiben tief im Minus – mit Folgen für Handel und Marken.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Markt und Mittelstand.

Steigende Einkommenserwartungen und eine größere Anschaffungsneigung treiben die Stimmung der Jüngeren. Für Handel und Konsumgüterunternehmen bedeutet das: Alter wird bei Zielgruppenansprache, Sortiment und Werbung zu einem noch wichtigeren Faktor.

Person mit Einkaufskorb steht vor Kühlabteilung

Ein Einkauf, sechs Gerichte: Nach dem Urlaub sollte der Einkaufskorb clever gefüllt werden. © Marcus Brandt/dpa

Gen Z über der Nulllinie, Babyboomer tief im Minus

52,4 Punkte trennen im September 2026 die optimistischste von der pessimistischsten Generation Deutschlands. Der Konsumklimaindikator der Generation Z (Jahrgänge 1997–2012) liegt bei 6,3 Punkten – leicht über der Nulllinie und damit so hoch wie seit Beginn der Pandemie nicht mehr. Bei den Babyboomern (1946–1964) steht dagegen ein Minus von 46,1 Punkten. Insgesamt legte der bundesweite Konsumklimaindikator laut NIM Konsumklima um 2,8 Punkte auf minus 26,6 Zähler zu.

Wachsende Einkommenserwartungen treiben den Optimismus

Mit einem Plus von 9,7 Punkten verzeichnet die Generation Z den stärksten Anstieg aller untersuchten Gruppen. Grundlage der Erhebung sind rund 2.000 Verbraucherinterviews aus dem Zeitraum 31. Juli bis 10. August 2026 im Auftrag der EU-Kommission.

Laut NIM stehen hinter dem Sprung vor allem steigende Einkommenserwartungen und eine zunehmende Anschaffungsneigung – junge Menschen rechnen also damit, künftig mehr Geld zur Verfügung zu haben, und sind eher bereit, es auch auszugeben. Auch die Generation X (1965–1980) legt deutlich zu: Ihr Indikator steigt um 11,9 Punkte, bleibt aber im Saldo negativ. Hier wirkt vor allem eine nachlassende Sparneigung als Treiber. Die Werte messen die subjektive Konsumstimmung, nicht die tatsächlichen Ausgaben. Ob aus größerer Zuversicht zusätzliche Käufe entstehen, hängt auch von Einkommen, Preisen, Liquidität und konkretem Bedarf ab.

52,4 Punkte Abstand: Die Generationenschere bleibt geöffnet

Die Babyboomer bewegen sich mit minus 46,1 Punkten weiterhin am pessimistischen Ende der Skala. Die Generationenschere hat sich laut NIM bereits während der Corona-Krise geöffnet und in der Hochinflationsphase 2022/23 noch einmal deutlich vergrößert. Seither fällt die Konsumlaune jüngerer Generationen spürbar optimistischer aus als die der älteren.

Der Handel muss seine Zielgruppen neu vermessen

Das Konsumklima gilt als Frühindikator für die tatsächliche Entwicklung des privaten Konsums in Deutschland. Für Handel und Konsumgüterbranche heißt das: Zielgruppenansprache dürfte künftig noch stärker nach Generationen differenzieren müssen, da sich Kauflaune und Ausgabebereitschaft je nach Alterskohorte deutlich unterscheiden. Zu beachten bleibt jedoch, dass der Einzelhandel je nach Abgrenzung nur rund 35 Prozent der gesamten privaten Konsumausgaben abdeckt. Für Unternehmen ist der Generationenabstand deshalb ein Stimmungssignal, aber noch kein Umsatzbeleg: Er zeigt, welche Altersgruppen eher zu Anschaffungen bereit sind, lässt jedoch keine direkten Rückschlüsse auf Kaufvolumen oder einzelne Produktgruppen zu.

Reformdebatten könnten die Stimmung weiter auseinandertreiben

Dr. Anja Bauer, Senior Researcher beim NIM, sieht einen möglichen Zusammenhang mit den Debatten über Gesundheit, Rente und Einkommensteuer: Die Reformen beträfen die Generationen unterschiedlich und könnten deshalb auch ihre Erwartungen weiter auseinandertreiben. Bis zur nächsten Erhebung im Oktober bleibt eine bemerkenswerte Diagnose: Deutschland hat nicht nur ein schwaches Konsumklima – sondern inzwischen mehrere, je nach Geburtsjahr.

Warum die Reformdebatte die Generationen so unterschiedlich trifft

Unabhängige Ökonomen sehen bei den laufenden Rentenplänen eine ungleiche Lastenverteilung zulasten der Jüngeren. Der Rentenforscher Axel Börsch-Supan kritisiert die geplante Haltelinie beim Rentenniveau scharf: Sie hebele den Nachhaltigkeitsfaktor aus und verlagere die Kosten der alternden Gesellschaft nach seiner Einschätzung vor allem auf die junge Generation.

Auch der Sachverständigenrat warnt, starre Garantien wie ein festgeschriebenes Rentenniveau wirkten wie ein Verschiebemechanismus – was heute politisch bequem stabil gehalten werde, erhöhe den Anpassungsdruck für kommende Generationen.  Die Bundesregierung argumentiert dagegen, dass die parallel geplante Einkommensteuerreform gezielt Familien sowie Menschen mit mittlerem und geringem Einkommen entlasten soll, etwa durch einen höheren Grundfreibetrag und mehr Kindergeld ab 2027. Die Reformdebatten zeigen damit zwar, wie unterschiedlich politische Entscheidungen die Generationen finanziell treffen. Die aktuelle Konsumkluft erklären sie jedoch nicht eindeutig: Ausgerechnet die jüngere Generation, die langfristig stärker belastet werden könnte, blickt derzeit optimistischer auf Einkommen und Anschaffungen.  (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Markt und Mittelstand)

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