Sammelband über Schwarze Champions: Wie schwer es ist, nicht rassistisch über Sport zu schreiben


Ein Sammelband erinnert an Schwarze Champions in der Sportgeschichte. Das ist verdienstvoll und doch nicht so ganz unproblematisch.

Lewis Hamilton protestiert gegen Rassismus
Formel-1-Star mit Haltung: Lewis Hamilton solidarisiert sich mit der Black-Lives-Matter-Bewegung, 2020

Foto: Imago/HochZwei

Martin Krauss

Das gibt es, und das ist so ein Buch: Eines, das ich loben möchte, weil ich das Anliegen sympathisch finde und Herausgeber und Autoren schätze. Einerseits. Es geht um Schwarze Champions im Sport, lauter Porträts von meist sehr bekannten, teils in Vergessenheit geratenen Spitzensportlern und -sportlerinnen. Sie alle haben auf ihrem Gebiet, dem Sport, Anteil daran, Rassismus zu bekämpfen. An sie zu erinnern, ist gut und wertvoll.

Aber es gibt ein Andererseits, das mich bei der Lektüre vor allem der einleitenden Texte nicht losgelassen hat. Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, behauptet in seinem Vorwort, Hautfarbe spiele „in der Sportfamilie keine Rolle“, eine Seite später erwähnt er aber, dass es dort sehr wohl Rassismus gibt, nämlich „alltäglicher, struktureller oder auch unabsichtlicher“ – und schon stellt sich mir die Frage, ob hier wirklich Leute ein Thema verhandeln, von dem sie Ahnung haben.

Herausgeber Hartmut Scherzer, ein Sportjournalist mit großen Meriten, bekennt in seinem Prolog, er habe eine „Affinität zu schwarzen Menschen“, die noch aus der Zeit rühre, als Schwarze GIs ihm kurz nach 1945 Kaugummis schenkten. Das zu kritisieren, fällt mir schwer, weil es sympathisch persönlich ist, aber es zu loben, fällt mir noch schwerer, denn mir scheint, dass eine Überhöhung stattfindet, eine Konstruktion von Schwarzen Menschen als etwas Exotisches. Und das fällt dann doch auf das Konzept des Buches zurück: Porträts von Champions. Als hätte die rassistische Realität dieser Welt vor allem Schwarze Sieger produziert.

Cover: Hartmut Scherzer. Die ersten schwarzen Champions

Foto: Arete-Verlag

Hartmut Scherzer

Hartmut Scherzer (Hg.): Die ersten schwarzen Champions. Von Jack Johnson bis Malaika Mihambo. 125 Jahre Rassismus im Sport. Hildesheim 2025, Arete Verlag, 240 Seiten, 26 Euro.

Eine Rezension, ohne diese Gedanken vorab zu formulieren, wäre mir unehrlich vorgekommen, aber gleichwohl gilt es die Beiträge vorzustellen, denn ich habe sie ja auch mit Interesse und nicht selten mit Gewinn gelesen. Es beginnt mit einem kundigen Porträt des Formel-1-Fahrers Lewis Hamilton, verfasst von FAZ-Sportchef Anno Hecker. Ihm gelingt es, die Story des Briten als einen Erfolg gegen Rassismus zu erzählen. Nicht jeder der folgenden Beiträge hält dieses hohe Niveau, und doch sind die Porträts von Jackie Robinson, Jack Johnson, Tiger Woods, Althea Gibson und Arthur Ashe, Alice Coachman und Wilma Rudolph, Malaika Mihambo, Dennis Schröder, Erwin Kostedde und Steffi Jones – meine Aufzählung ist unvollständig – allesamt wertvoll. Und nicht zuletzt das Porträt Jimmy Winkfields, des vermutlich besten Jockeys der Galoppgeschichte, das Jürgen Kalwa aufgeschrieben hat, ist berührend. Er war der letzte Schwarze Sieger des Kentucky Derbys, nach ihm wurden keine Schwarzen mehr zugelassen.

Und nicht zuletzt ist das Porträt Jimmy Winkfields berührend. Er war der vermutlich beste Jockey der Galoppgeschichte

Auf jeden Fall war es eine gute Idee, den Epilog von jemand schreiben zu lassen, der aus der Profession Scherzers und seiner Autoren (und auch aus meiner) stammt: Kwawena Odum, ein TV-Sportreporter, dessen Eltern aus Ghana stammen, erzählt etwas aus seinem Berufsalltag im Stadion: „Alle Kollegen gehen an Ordnern vorbei. Man erkennt an ihren Ausweisen, dass sie berechtigt sind. Nur bei mir schauen sie dreimal drauf, ob alles mit rechten Dingen zugeht, obwohl ich den gleichen Ausweis habe. Ein Schwarzer – und dann so einen Job.“

Die im Sammelband vorgenommene Beschränkung auf Champions ist schwierig, weil sie den rassistischen Ausschluss, der den Sportalltag bis heute prägt, als zu leicht überwindbar darstellt. Aber die in diesem Band versammelten Porträts erzählen viel von dem, was Sport bis heute ist.

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