König-Gruppe insolvent: Deutschlands größter Renault-Händler in Krise
Autohaus König: Einer der größten Renault-Händler Deutschlands meldet Insolvenz an
Der Autohändler mit über 1200 Beschäftigten steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Dabei kaufte die Gruppe noch Anfang des Jahres zu.
Autohaus Renault-König in der Kolonnenstraße in Berlin-Schöneberg Foto: Imago
Die Kerngesellschaften der Autohaus-Gruppe Gotthard König haben beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz angemeldet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Autohaus Gotthard König GmbH sowie der Autohaus König GmbH wurde Rechtsanwalt Rainer Eckert von der Kanzlei Eckert bestellt, geht aus Gerichtsveröffentlichungen hervor.
„Trotz intensiver Bemühungen aller Beteiligten, Geschäftsführung, Gesellschafterfamilie, Kreditgeber und Herstellerpartner, ließ sich eine Lösung außerhalb der Insolvenz zuletzt nicht mehr erreichen“, sagte Eckert in einer Mitteilung.
Gegründet 1966 als Auto-Werkstatt in Berlin, betreibt das Familienunternehmen nach Jahrzehnten des Wachstums heute nach eigenen Angaben über 80 Standorte mit über 1200 Mitarbeitern. Präsent ist der Autohändler vor allem im Osten Deutschlands. Die Gruppe handelt mit mehreren Auto- und Zweiradmarken, darunter Renault, Opel, Fiat, Dacia, Jeep, Suzuki, BYD und Kia. Laut eigenen Angaben ist das Unternehmen einer der größten Renault-Händler Deutschlands.
Dem Vernehmen nach war ein kurzfristiger Verkauf von Gesellschaftsanteilen geplant, wurde aber nicht umgesetzt. Die Finanzlage der Gruppe gilt schon seit geraumer Zeit als angespannt. Nach Informationen der „Welt“ hatte die Gruppe zum Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung mehr als 212 Millionen Euro fällige Verbindlichkeiten. Liquide Mittel waren demnach jedoch nur in Höhe von 1,3 Millionen Euro vorhanden, dazu nicht abgerufene Kreditdarlehen in Höhe von rund 250.000 Euro.

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Die Insolvenz trifft eine Branche, die seit einiger Zeit unter Druck steht: Schon im Jahr 2025 gab es dreimal so viele Großinsolvenzen bei Autohändlern wie im Vorjahr. Die Konsolidierung in der Branche schreitet voran, zudem verdienen viele Händler zunehmend weniger an den Fahrzeugen. Auch König begründet die eingetretene Zahlungsunfähigkeit unter anderem mit einem tiefgreifenden strukturellen Wandel im Autohandel: „Die Transformation vom Verbrenner zum Elektroantrieb, ein spürbar gewachsener Wettbewerbsdruck durch neue Marktteilnehmer sowie ein insgesamt stagnierendes Neuwagengeschäft belasten die gesamte Branche“, heißt es in der Mitteilung.
Dabei meldete das Unternehmen im vergangenen Jahr noch Rekordergebnisse: Im ersten Quartal 2025 verkaufte die Gruppe rund 11.600 Fahrzeuge, elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, und damit das stärkste erste Quartal seit Unternehmensgründung. Auch der Werkstattumsatz habe im März vergangenen Jahres mit 6,8 Millionen Euro noch einen Höchststand erreicht.
Doch nun der Schock. Auch für die Mitarbeiter. Deren Gehälter seien allerdings im Rahmen des vorläufigen Verfahrens gesetzlich abgesichert – für den Monat August würden die Löhne rückwirkend über das Insolvenzgeld nachgezahlt.
Ziel des Insolvenzverfahrens sei nun die nachhaltige Restrukturierung und Fortführung des Unternehmens. Renault und Stellantis als wichtige Herstellerpartner stehen demnach mit der Gruppe und dem vorläufigen Insolvenzverwalter in engem, konstruktivem Austausch zum weiteren Vorgehen. Für Kunden ändere sich zunächst nichts: Verkauf, Werkstätten, Ersatzteilversorgung und Serviceleistungen an allen Standorten sollen „im gewohnten Umfang“ fortgeführt werden. Laufende Aufträge, Reparaturen und Fahrzeugbestellungen würden planmäßig bearbeitet.
Zukäufe noch im Januar
Das Erstaunliche: Trotz der sich abzeichnenden Krise hatte König noch im Januar 2026 auf Expansion gesetzt. Damals übernahm die Gruppe das insolvente Autozentrum Treskow mit Standorten in Neuruppin und Zehdenick, um „seine Aktivitäten in Brandenburg zu stärken“, hieß es in einer Mitteilung.
Genauso trieb König im Januar noch das Werkstattgeschäft mit Zweirädern in Hamburg voran und übernahm einen KTM-Betrieb in der Hansestadt, um die „bisherige Vollauslastung der Werkstattkapazitäten“ der dortigen König-Standorte zu entzerren.

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