GEW mahnt zum Schulstart: 400 Lehrerstellen gestrichen


Stand: 05.08.2026, 14:08 Uhr

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Schultueten und Rucksaecke im Lassners Ranzen Fachgeschaeft in Frankfurt am Main (Foto vom 08.08.2022). Eltern von angehenden Erstklaesslern machen sich ueber viele Dinge Gedanken, zum Beispiel, was alles in eine Schultuete gehoert. Die Leiterin des Bayerischen Schulmuseums, Johanna Haug, empfiehlt: lieber kleine Sachen. (Siehe epd-Bericht vom 13.07.2026)

Am Montag geht’s los. Dann werden sie gebraucht, die Schultüten und Ranzen, wie sie hier in einem Frankfurter Fachgeschäft stehen. © Tim Wegner/epd

Am Montag beginnt das neue Schuljahr in Hessen mit 5.000 bis 10.000 mehr Schülern. Gleichzeitig hat das Kultusministerium knapp 1.000 Stellen an Brennpunktschulen und Intensivklassen gestrichen. Und dann ist da auch noch die Hitze.

Mehr Hitzeschutz und Trinkwasserspender an allen Schulen wünscht sich die Landesschülervertretung. Der Landeselternbeirat fürchtet um die digitale Bildung der Kinder und Jugendlichen. Und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht dem Schulstart am nächsten Montag mit großer Sorge entgegen. Vor allem, weil es ihrer Einschätzung nach an ausgebildeten Lehrkräften fehlen wird.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Frankfurt haben GEW, Schüler- und Elternvertreter am Mittwoch ihre Sorgen und Erwartungen angesichts des nun beginnenden neuen Schuljahrs mitgeteilt. Es sei dies ein „ganz besonderes Schuljahr“, sagte GEW-Landesvorsitzender Thilo Hartmann. Zum einen starte der Rechtsanspruch auf Nachmittagsbetreuung für alle Kinder der ersten Klasse. Zum anderen gebe es nach den Sommerferien zwar mehr Schüler und Schülerinnen in Hessen, doch sinke erstmals seit langem die Zahl der Lehrerstellen.

1000 Stellen weg

„Wir haben zwar wachsende Aufgaben an den Schulen, doch das Personal wird weniger“, kritisierte Hartmann. Berechnungen der GEW zufolge wächst die Zahl der Schüler und Schülerinnen um 5.000 bis 10.000 auf dann rund 870.000 an. Darin enthalten sind auch rund 50.000 Kinder und Jugendliche, die Privatschulen besuchen.

Daraus ergebe sich ein Bedarf von rund 600 zusätzlichen Lehrerstellen, die geschaffen werden müssten. Hartmann geht davon aus, dass dies auch geschieht, weil es rechtlich bindende Vorgaben zur Lehrerversorgung gibt. Gleichzeitig aber habe das Kultusministerium knapp 1000 Lehrerstellen gestrichen, und zwar an Brennpunkt- und Integrierten Gesamtschulen sowie bei den Intensivklassen für Schüler und Schülerinnen mit geringen Deutschkenntnissen. Insgesamt kommt die GEW damit auf ein Minus von 400 Stellen.

Schon jetzt arbeiteten Hessens Lehrkräfte „an der Belastungsgrenze“, so Hartmann. Jährlich würden rund drei Millionen Stunden Mehrarbeit geleistet, die nicht ausgeglichen würden. Da das Land die Arbeitszeit seiner Lehrer und Lehrerinnen aber nicht erfasse, bringt die GEW eine eigene Arbeitszeit-App an den Start. Diese wurde mit einer Frankfurter Firma entwickelt und wird in Hessen als erstem Bundesland, das eine solche App bietet, eingesetzt. Mitglieder der GEW können diese nutzen, um zu dokumentieren, wie viel Zeit sie im Unterricht, aber auch mit Elterngesprächen, Korrekturen oder Konferenzen verbringen. In zwei Wochen soll dann ein vergleichbares Angebot in Berlin starten.

Sorgen um die Unterrichtsqualität macht sich auch die Landesschülervertretung. Allerdings nicht ausdrücklich wegen der Lehrerversorgung, sondern wegen der anhaltend hohen Temperaturen. „Wir werden Hitzeperioden wie die aktuelle immer häufiger erleben“, sagte Landesschulsprecher Laurenz Spieß. Deshalb müssten die Schulgebäude mehr Hitzeschutz erhalten, etwa durch zusätzliche Dämmung, Verschattung oder Lüftungsmöglichkeiten. Für besonders belastete Räume dürfe auch eine Klimatisierung kein Tabu sein, so Spieß.

Er forderte, an den Schulen Trinkwasserspender einzurichten und Trinkpausen im Unterricht einzuplanen. Die Bundesjugendspiele sollten zudem nicht im Hochsommer, sondern im Frühjahr oder Herbst stattfinden, so Spieß weiter. Auch hätten nicht alle Schulen ein Hitzeschutzkonzept, ergänzte Thomas Obeth, stellvertretender Vorsitzender des Landeselternbeirats.

Mit Start des neuen Schuljahres ist das Fach Digitale Welt nicht mehr Bestandteil des verpflichtenden Stundenplans, sondern kann von den Schulen im freiwilligen Nachmittagsprogramm angeboten werden. Dies sei das „falsche Signal“, so Obeth. Es würde nur ein kleiner Teil der Schülerschaft erreicht. Digitale Bildung und Medienkunde seien jedoch Grundvoraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe und politische Urteilsfähigkeit. Deshalb müsse das Fach allen Schülern und Schülerinnen verbindlich angeboten werden.