OpenAI veröffentlicht Gegendarstellung zu Apples Spionagevorwürfen


Zwei Icons von OpenAI und Apple mit einer Kluft dazwischen

Apple hat den Druck auf OpenAI erhöht: Das Unternehmen beantragte bei einem Bundesrichter eine einstweilige Verfügung gegen das KI-Unternehmen und zwei ehemalige Mitarbeiter, Chang Liu und Tang Tan. Im Kern geht es um den Vorwurf, vertrauliche Produktinformationen an OpenAI weitergegeben zu haben. Apple warnt vor „nicht wieder gutzumachendem Schaden“, falls die angeblich gestohlenen Daten weitergenutzt oder veröffentlicht werden. Der Antrag zielt darauf ab, den Zugang zu den Informationen sofort zu blockieren, verbunden mit einem Antrag auf beschleunigte Beweisaufnahme. Das berichtet Reuters.

Noch am selben Tag legte OpenAI mit einer öffentlichen Gegendarstellung nach, die es in sich hat. In einem Blogbeitrag mit dem Titel „Apple liegt hier falsch“ bezeichnet das Unternehmen die Klage als „unüberlegt, aggressiv und seltsam persönlich“. Besonders pikanter Vorwurf: Apples externer Anwalt soll im Februar eine E-Mail an die falsche Person geschickt haben, nachdem er zwei asiatische Nachnamen verwechselt habe. OpenAI veröffentlichte die Korrespondenz inklusive Entschuldigung des Apple-Juristen und betont, monatelang keine konkreten Vorwürfe erhalten zu haben, bis die Klage am 10. Juli eingereicht wurde.

OpenAI geht in die Offensive und veröffentlicht iMessage-Nachrichten, die eine ungewöhnliche Dynamik offenbaren: Demnach bat Apple-Mitarbeiter Liu *nach* seinem Ausscheiden am 22. Januar wiederholt um Unterstützung bei der Suche nach Dateien und technischen Infos. In einem Chat soll ein Kollege sogar angewiesen worden sein, Dateien von Lius iCloud-Konto per AirDrop zu senden. Noch am 5. März habe ein Apple-Mitarbeiter nach internen Unterlagen gefragt – ein anderer Chat-Teilnehmer nannte dies „äußerst unüblich“. OpenAI nutzt die Nachrichten, um Apples Darstellung der Ereignisse zu widerlegen.

Tang Tan: Großer Vorwurf nach 24 Jahren bei Apple

Ein Apple-Angestellter soll Geschäftsgeheimnisse an OpenAI verraten haben.

Ein zentraler Akteur in dem Streit ist Tang Tan, ehemaliger Designleiter bei Apple und Mitgründer des Hardware-Start-ups io Products, das im Juli 2025 mit OpenAI fusionierte. Tan, der fast ein Vierteljahrhundert für Apple arbeitete, wird von OpenAI in Schutz genommen: „Er hat dem Team stets klargemacht, dass wir keine vertraulichen Informationen anderer Unternehmen nutzen dürfen“, heißt es in der Stellungnahme. Apple wirft dem Duo vor, systematisch Daten abgezogen zu haben, OpenAI jedoch bestreitet jede Form von Fehlverhalten.

Die Klage offenbart zugleich auch eine bemerkenswerte Personalie: Laut Apple arbeiten mittlerweile mehr als 400 ehemalige Angestellte des Konzerns bei OpenAI. Ob dies Teil einer gezielten Abwerbestrategie war oder schlicht die Attraktivität des KI-Unternehmens widerspiegelt, bleibt unklar. Fest steht jedoch, dass der Fall Präzedenzcharakter haben könnte, und das nicht nur für OpenAI, sondern für die gesamte Tech-Branche, in der der Wechsel von Talenten zwischen Konzernen an der Tagesordnung ist.

Während beide Seiten ihre Positionen mit internen Dokumenten und öffentlichen Statements untermauern, steht ein entscheidender Termin noch aus. Das Gericht muss über Apples Antrag auf einstweilige Verfügung entscheiden. Bis dahin bleibt der Streit ein Hin und Her zwischen zwei großen Tech-Unternehmen und der Frage, wer hier eigentlich wen ausspioniert haben soll.