Schülerproteste in Frankreich: Mit einem Appell an die Eltern ist es nicht getan


Im Land der Revolution laufen Proteste schneller aus dem Ruder als östlich des Rheins. Das gehört zur politischen DNA Frankreichs. Der Gewaltausbruch an den Schulen stellt jedoch selbst für die robuste französische Konfliktkultur eine neue Eskalationsstufe dar. Dutzende verletzte Lehrer, mehr als 5000 Festnahmen, rund hundert schwer beschädigte Schulen: Das Wort „Schülerproteste“ ist hier fehl am Platze.

Zusätzliche Brisanz bekommen die Krawalle dadurch, dass offenbar nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden von außen nachgeholfen wurde. Wenn das stimmt und Anhänger, ja sogar Mandatsträger der Linkspartei LFI die Schüler aufgestachelt haben, wäre dies eine neue Dimension der destruktiven Politik von Jean-Luc Mélenchon und seinen Anhängern.

Der LFI-Präsidentschaftskandidat wies den Vorwurf zwar zurück. Aber sein Dementi war entlarvend genug. Statt die Gewalt unmissverständlich zu verurteilen, warf er der Regierung in Paris Repression vor. Statt an die Schüler zu appellieren, die Blockaden zu beenden, erklärte er es zum Ziel seiner Partei, „dass unsere Jugend erhobenen Hauptes aus dieser Episode herauskommt“. Mélenchon selbst hat sich damit den Weg verbaut, in einer solchen Haltung aus „dieser Episode“ herauszukommen.

Aber auch die talentiertesten linksradikalen Demagogen und die militantesten Krawallmacher wären wohl nicht in der Lage, Frankreichs Schulen ins Chaos stürzen, wenn deren Zustand nicht derart desolat wäre.  Und das ist ein Versagen der französischen Politik. Die Proteste begannen nicht zufällig in sozialen Brennpunkten mit hohem Einwanderungsanteil, dort, wo Lehrermangel und marode Schulgebäude den Alltag besonders stark prägen.

Die Benachteiligung der Schulen in der Banlieue ist seit vielen Jahren bekannt, ebenso wie der desolate Zustand der Schulen insgesamt. Aber bisher hat keine Regierung in Paris dauerhaft Abhilfe geschaffen. Mit dem Appell des französischen Bildungsministers an die Eltern, ihre Kinder von den Schulblockaden fernzuhalten, ist es jedenfalls nicht getan.