Global Wealth Report: Deutschland holt beim Vermögen auf


Die globalen Kapitalmärkte meinen es seit vier Jahren gut mit den Anlegern. Wie der Versicherungskonzern Allianz in seinem aktuellen Global Wealth Report am Dienstag berichtet, stieg 2025 das globale Geldvermögen das dritte Jahr in Folge kräftig, und zwar um 8,6 Prozent auf 268 Billionen Euro. Für dieses Jahr werden sogar neun Prozent Wachstum erwartet. Stärkster Treiber sind Aktienkursgewinne, die im Jahr 2025 zu einem Anstieg der Geldvermögen in Wertpapieren um zwölf Prozent führten. Bankeinlagen wuchsen um sechs Prozent, Ansprüche bei Lebensversicherern und Pensionskassen um fünf Prozent.

In Deutschland wuchs das Geldvermögen um 4,9 Prozent auf 9,9 Billionen Euro. Der globale Anteil von 3,7 Prozent sinkt dennoch weiter. Aber: Innerhalb des Euroraums entwickelte sich Deutschland überdurchschnittlich gut. Erstmals seit Beginn der Datenreihe war in Deutschland mehr Geld in Wertpapieren angelegt, als auf Sparkonten lag. Die Neuanlagen in Wertpapieren erfolgten fast ausschließlich in ETF und Fonds und nur zu einem geringen Anteil direkt in Aktien und noch weniger in Anleihen.

Im Euroraum liegt Deutschland im Vermögen auf Rang drei. Knapp dahinter folgen Italien, Irland, Österreich, Frankreich. Auch Großbritannien und Japan liegen ein Stück hinter Deutschland. In China beträgt das Pro-Kopf-Nettovermögen etwa ein Fünftel des deutschen Werts.

ETF-Aufschwung trägt Früchte

Dieser vor allem ETF-getriebene Vermögensaufschwung trug mit dazu bei, dass Deutschland im globalen Vermögensranking besser dasteht als noch vor zwanzig Jahren. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Verschuldung der privaten Haushalte, die in Deutschland langsamer steigt als in anderen Ländern. „Insgesamt steht die Entwicklung im Kontrast zu den Staaten“, sagte die Studienverantwortliche Katharina Utermöhl. „Die privaten Haushalte haben ihre Bilanzen gestärkt.“ Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ging die Schuldenquote privater Haushalte in Deutschland von 53 auf 49 Prozent zurück.

In der Betrachtung der Nettogeldvermögen belegt Deutschland im globalen Ranking nun Rang zwölf mit im Schnitt gut 91.000 Euro Nettogeldvermögen je Einwohner. Vor zwanzig Jahren lag Deutschland nur auf Rang 17. Die Allianz weist als Faktor für die Verbesserung Deutschlands auf eine Höherbewertung der nicht-börsennotierten Beteiligungen durch die Bundesbank hin.

Im Ranking vorne stehen die Vereinigten Staaten mit knapp 300.000 Euro Nettogeldvermögen im Schnitt je Einwohner. Der Aktienanteil in der Bevölkerung ist weit höher als in allen anderen Regionen der Welt. Die Amerikaner profitieren damit besonders von den Kapitalgewinnen, die unter anderem durch den Aufschwung von KI an den Börsen zuletzt erzielt wurden. Weit vor Deutschland liegen im Vermögen zudem Schweiz, Dänemark, Singapur und Taiwan. Etwas geringer ist der Abstand zu Schweden, Kanada, Neuseeland, den Niederlanden, Belgien und Australien.

Aufholjagd der Schwellenländer ist vorbei

Die Aufholjagd von Schwellenländern wie China sei vor allem von 2005 bis 2015 beeindruckend gewesen, beschreibt die Allianz. In den vergangenen zehn Jahren habe indes kaum noch ein Aufholen stattgefunden. Was allerdings augenfällig ist: In China geht die Schere zwischen dem reichsten Zehntel und dem Rest der Bevölkerung immer weiter auseinander. Auch in der Schweiz, den USA, Schweden, Frankreich und Großbritannien hat sich das reichste Zehntel merklich vom Rest der Bevölkerung entfernt. In Deutschland sind die Relationen seit zwanzig Jahren weitgehend stabil, in Portugal und den Niederlanden ist die Vermögensverteilung sogar gleicher geworden.

In Ländern wie den USA, China und Schweden sind die Vermögen besonders ungleich verteilt, das reichste Zehntel besitzt 68 Prozent der Vermögen. Deutschland liegt mit knapp 59 Prozent knapp unter dem globalen Durchschnitt von gut 60 Prozent. Spanien kommt auf 53 Prozent, Griechenland ist mit einem Anteil von 47 Prozent eines der Länder mit der ausgeglichensten Geldvermögensverteilung.

Werden Immobilienvermögen hinzugezählt, ist die Schweiz das je Einwohner mit großem Vorsprung reichste Land. Deutschland klettert auf Rang zehn und überholt Schweden. Der deutsche Vermögenszuwachs generiert sich mittlerweile zu einem Drittel aus Wertpapiererträgen und zu zwei Dritteln aus Sparleistungen. Global ist das Verhältnis umgekehrt: Mit 80 Prozent kommt der Großteil der Vermögensgewinne vor allem aus Aktienkursgewinnen.

„Die Deutschen müssen immer noch stärker für ihre Ersparnisse arbeiten, als dass die Ersparnisse für sie arbeiten“, sagt Utermöhl. Mit Blick auf die von nächstem Jahr an stärkere staatliche Förderung von Wertpapiersparen in Deutschland im Rahmen des Altersvorsorgedepots könnte sich die Relation indes weiter zugunsten von Wertpapiererträgen verschieben.