Grausame Argentinier: Schlimmste Schwalbe der WM-Geschichte zerfetzt Schweizer Herzen
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12.07.2026 | 07:18 Uhr
Die Schweiz steht im WM-Viertelfinale kurz vor der Sensation gegen Argentinien, aber dann hebt Breel Embolo so peinlich ab, dass selbst Andy Möller nur staunen kann. Tief in der Verlängerung sticht das Tor der WM die Eidgenossen mitten ins Herz.
Tief in der Verlängerung. Es steht 1:1 und nur noch acht Minuten sind zu spielen. Auf einmal beginnt für Argentinien das große Zittern. Fingernägelkauen statt Freudentänzen bei den fast 70.000 Fans in Himmelblau-Weiß im Stadion von Kansas City. Damit hat nach den ersten 45 Minuten kaum jemand gerechnet, aber plötzlich droht dem amtierenden Weltmeister das Aus im Viertelfinale gegen den krassen Underdog (der Schweizer Trainer wurde vom Stadionansager vor der Partie gar als "Murat Yakun" angesagt). Gegen die Schweiz, die seit Mitte der zweiten Halbzeit nur noch zehn Mann auf dem Feld hat.
Trotzdem steht die Nati auch nach der regulären Spielzeit stabil, lässt keine Hochkaräter zu und haut alles rein. Gibt es hier die große Überraschung? Kann die Schweiz wie gegen Kolumbien im Elfmeterschießen bestehen und die großen Argentinier rauswerfen? Alles scheint möglich bis zur 112. Minute, denn Lionel Messi und Co. fällt zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel ein. Aber dann folgt der große Moment. Dann kommt Julian Alvarez. Und sein perfekter Schuss ins Glück - der für die Eidgenossen ein grausamer Stich ins Herz ist.
Alvarez bekommt die Kugel am rechten Strafraumeck, nachdem Torhüter Gregor Kobel einen Schuss von Messi aus der Ecke fischt. Zärtlich legt sie sich der Stürmer vor - um dann einen so gewaltvollen wie gefühlvollen Zirkelschuss in genau in den rechten Winkel abzufeuern (113.). Kobel streckt sich, wie es nur geht. Aber vergeblich. Es ist der perfekte Schuss ins Glück. Vielleicht das Tor des Turniers. Poesie wie von Jorge Luis Borges. Am Ende siegt Argentinien in einer dramatischen Partie mit 3:1 (1:0, 1:1) und macht das Traum-Halbfinale gegen England klar.
Nach diesem Traumtor fällt auch Messi eine Last ab

Embolo leistet sich unerklärlichen Aussetzer
Die gesamte argentinische Bank rennt aufs Spielfeld, die Ekstase im Stadion kennt bei den frenetischen Fans keine Grenzen mehr. "Wir haben bis zum Schluss alles gegeben, es wurde schwierig, obwohl wir während der gesamten Verlängerung einen Mann mehr auf dem Platz hatten", sagt Alvarez später, "aber wir wussten: Wenn wir weiter gemeinsam kämpfen, wird das Tor fallen." Diesmal ist nicht Messi der Held, aber das Singen und Tanzen ist zurück, das über lange Strecken der Partie verstummt war. Weil die erste Hälfte zwar die Führung der Albiceleste, aber auch viel Langeweile bietet, und weil es ab den zweiten 45 Minuten richtig brenzlig wird für die Südamerikaner. Bedanken können sie sich am Ende jedoch nicht nur bei Alvarez und seinem Sonntagsschuss, sondern auch bei einem Schweizer.
Denn dass die Beine der Eidgenossen am Ende zu schwer sind, um das Traumtor zu verhindern, liegt an einer Szene in der 69. Minute. Leandro Paredes erhält Gelb, weil er Breel Embolo auf den Fuß steigt. Anscheinend. Doch Schiedsrichter Joao Pinheiro überprüft den Vorfall am Bildschirm, weil er sich wohl beim Spieler geirrt hat. Dabei wird allerdings aufgedeckt: Embolo hebt in absolut stümperhafter Manier von selbst ab. Vielleicht will er einen Kontakt vermeiden, aber er springt auch dafür viel zu früh in die Luft.
Argentinien - Schweiz 3:1 (1:1, 1:0) n.V.
Tore: 1:0 Mac Allister (10.), 1:1 Ndoye (67.), 2:1 Alvarez (110.), 3:1 La. Martinez (120.+1)
Argentinien: E. Martínez - Molina (85. La. Martinez), Romero (106. Otamendi), Li. Martinez, Tagliafico (78. Gonzalez)- de Paul - Paredes (110. Lopez), Mac Allister - Messi, Fernandez (91. Almada) - Alvarez. - Trainer: Scaloni
Schweiz: Kobel - Zakaria (96. Jashari), Akanji, Elvedi, R. Rodríguez (90.+5 Cömert) - Freuler (115. Vargas), Xhaka - Rieder (86. Muheim), Sow (86. Widmer), Ndoye (86. Amdouni) - Embolo. - Trainer: Yakin
Schiedsrichter: Joao Pedro Silva Pinheiro (Portugal)
Gelb-Rote Karte: Embolo (72., wegen Unsportlichkeit)
Gelbe Karten: Almada, La. Martinez
Zuschauer: 69.045 in Kansas City
Eine peinliche Schwalbe. Grandioser, als Andy Möller sie sich jemals in seinen süßesten Schutzschwalben-Träumen hätte ausmalen können. Und unglaublich unnötig, denn die Szene spielt sich völlig ungefährlich an der Seitenlinie ab und damit ist dies die wohl dümmste Schwalbe der WM-Geschichte. Embolo ist nicht Messi und deshalb ist es nicht der Hüpfer Gottes, sondern der zweite Karton für den Eidgenossen. Er fliegt zurecht mit Gelb-Rot vom Platz und erweist seiner Mannschaft einen Bärendienst.
"Wir wussten, dass es ein schwieriger Gegner war, und sie haben uns wirklich in Bedrängnis gebracht", sagt Argentinien-Coach Lionel Scaloni nach dem Erfolg. "Die Wahrheit ist, dass das Glück heute auf unserer Seite war, das ist die Realität, denn bei ihnen wurde ein Spieler vom Platz gestellt, und genau dann hat die Mannschaft nach vorne gedrängt." Die Schweizer meckern natürlich gewaltig: "Wenn du dafür Embolo Gelb gibst, musst du sie mehrere Male schon vorher geben bei einigen Treffern gegen Breel", schimpft Trainer Murat Yakin über die erste Gelbe seines Stürmers. "Ich bin eigentlich keiner, der über den Schiedsrichter schimpft", meint Manuel Akanji. "Aber heute wurde jede Kleinigkeit für sie gepfiffen. Ich habe noch nie eine Partie gespielt, in der es so einseitig war wie heute. Keine Schwalbe von ihnen wurde geahndet."
Argentinien diktiert das Spiel
Kurz zuvor stellen die Schweizer das Spiel auf den Kopf, rennen an und schocken das gesamte Stadion mit dem Ausgleich. Mit dem Beginn der zweiten Halbzeit, Argentinien führt mit 1:0, hagelt es Nati-Chancen. Nach einem Embolo-Kopfball darf Torwart Emiliano Martinez zunächst nach einem dankbaren Kopfball hechten und sich vom Publikum feiern lassen (60). Fünf Minuten lenkt die Stirn von Dan Ndoye die Kugel schon weitaus gefährlicher auf den Kasten, der argentinische Keeper lenkt gerade noch zur Seite. 60 Sekunden später prüft ihn Granit Xhaka mit einem Strahl aus der zweiten Reihe.
Dann setzt es den Stich ins Herz von Messi und Co., als Ndoye einen schönen Doppelpass am linken Strafraumeck mit Ricardo Rodriguez spielt und eiskalt durch die Hosenträger von Martinez zum Ausgleich einschiebt (67.). Wie gegen Kap Verde und Ägypten leistet sich Argentinien unerklärliche Schwächephasen. Ein WM-Topfavorit muss das Spiel besser kontrollieren gegen in der ersten Hälfte komplett ungefährliche Eidgenossen.
Vor dem Pausentee scheint die Partie bereits gegessen. Und das liegt an vier kleinen, aber magischen Ballberührungen. Nachdem Argentinien den Underdog in den ersten acht Minuten tiefstehend kommen lässt und Messi nicht einmal am Ball ist, sondern vollkommen unbeeindruckt und beinahe desinteressiert er an der rechten Außenlinie klebt, folgen Messi Ballkontakte in rapider Abfolge, die die Männer von Murat Yakin erstmals bestrafen. Mehr braucht ein Fußballgott eben nicht.
Messis magische Kontakte
Nach genau 8 Minuten ist es soweit. "La tocó Messi", schreibt die argentinische Zeitung "Clarin": Messi hat ihn berührt, den Ball! Sofort brandet riesiger Applaus auf - und direkt landet die Kugel ein erstes Mal im Strafraum der Nati. Mit der zweiten Ballberührung, da sind acht Minuten und 30 Sekunden gespielt, legt der Superstar auf für den ersten argentinischen Torschuss, der zu einer Ecke führt. Diese führt natürlich Argentiniens Nummer 10 aus, Ballkontakt Nummer drei.
Die erste Ecke führt zu einer nächsten von der anderen Seite. Nun sind neun Minuten rum. Messi schlurft von rechts nach links, legt sich die Pille zurecht, nimmt zwei Minischritte Anlauf - und schlägt mit Ballberührung Nummer vier eine Hereingabe, die perfekt auf den Schädel von Alexis Mac Allister segelt. Dieser darf in aller Seelenruhe einköpfen, weil Djibril Sow unter dem Ball hindurch springt (10.).
So simpel, so phänomenal. Messis Magie in vier kleinen Touches. Auf der Ersatzbank klopften sowohl Lionel Scaloni als auch viele der Ersatzspieler Walter Samuel, auch bekannt als "Muro", also Mauer, auf den Kopf. Der ehemalige Innenverteidiger der Albiceleste ist für die Standardsituationen zuständig. Ein Tor direkt aus der letzten Trainingseinheit.
Anschließend kann die Albiceleste ganz in Ruhe ihren Stiefel herunterspielen und das Tempo diktieren, dabei hatten viele hier mit einem langen Anrennen gegen die top geordnete Defensive von Yakins Mannschaft gerechnet. Viele denken zu diesem Zeitpunkt: Ist je jemand einfacher in ein WM-Halbfinale eingezogen? Argentinien tut nur das Nötigste und die Schweiz hat nicht mehr im Köcher. Schon bald führt Argentinien hier länger als in der gesamten Partie gegen Ägypten. Dann ist Halbzeit.
Kobel pariert überragend - dann folgt das Drama
Zum Glück für alle Fans wird das Spiel rund um den Ausgleich der Schweizer doch noch eines WM-Viertelfinals würdig. Was wäre passiert, wäre Embolo nicht in die zweite Etage des Arrowhead-Stadiums abgehoben? Niemand wird es je herausfinden, die tapfer kämpfenden Schweizer müssen mit gebrochenen Herzen die Heimreise antreten.
Vorher verteidigen sie auch in der regulären Spielzeit noch großartig. Messi nimmt einen langen Ball von Paredes im Strafraum technisch hochwertig mit der Brust mit, taucht allein vor Torhüter Gregor Kobel auf. Dieser bleibt lange stehen und Messis Heber landet in den Armen des BVB-Keeper (85.). Es wird zwar auf Abseits entschieden, aber der VAR hätte da wohl eingegriffen. Vier Minuten darauf grätscht Nicolas Gonzales an der Auslinie einen verloren geglaubten Ball herausragend als Flanke in den Fünfmeterraum, wo Mac Allister nur knapp über das Tor köpft. Als nächstes vollführt Messi an der Strafraumkante ein Tänzchen, schlägt einen Haken und zieht mit den schwächeren Rechten ab. Kobel kann nur hinterherschauen, wie der Ball Zentimeter am rechten Pfosten vorbeisegelt (90.+2).
Dann joggt der Superstar zur letzten Ecke. Alles und jeder steht auf - und beinahe haut Lisandro Martinez die Pille akrobatisch per Seitfallzieher tatsächlich noch ins Netz. Aber wieder reagiert Kobel glänzend. Aber als die Verlängerung läuft, nimmt das Drama seinen Lauf - und sein brutales Ende für die Eidgenossen. Als die Schweizer nach dem 1:2 aufmachen, darf Lautaro Martinez bei einem Konter mit einem Nachschuss noch den Endstand herstellen.
Wieder überleben Messi und seine Argentinier, deren Spiele am Ende stets alles außer langweilig sind. Emotionen und Drama sind quasi programmiert, so auch im Halbfinale gegen England. Die Albiceleste tanzt lange vor der Fankurve, schwenkt weiße Handtücher wild durch die Luft und feiert 15 Minuten nach dem Schlusspfiff immer noch wie kleine Kinder auf dem Rasen.
Der Anhänger in Himmelblau-Weiß singen noch eine Stunde nach Abpfiff:
Vamos Argentina,
sabes que yo te quiero,
hoy hay que ganar
y ser primeros!
Esta hinchada loca,
deja todo por la copa,
la que tiene a Messi
y Maradona.
Auf geht's, Argentinien, du weißt, dass ich dich liebe - heute müssen wir gewinnen und Erster werden! Diese verrückten Fans geben alles für den Pokal, den Messi und Maradona gewonnen haben.
Ob noch ein zweiter Titel für Messi hinzukommt, entscheidet sich in den zwei folgenden Partien nach diesem dramatischen Sieg gegen die Schweiz. Wegen des Traumtores von Alvarez - und der schlimmen Schwalbe von Embolo.
Verwendete Quelle: ntv.de