„Königin der Wüste“: 100. Todestag von Gertrude Bell


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Sie war Historikerin, Forschungsreisende, Schriftstellerin, Archäologin und als politische Beraterin hatte sie entscheidenden Anteil an der Gründung des Irak: Vor genau 100 Jahren starb die Britin Gertrude Bell, die oft als weibliches Pendant zu Lawrence von Arabien gesehen wird.

Gertrude Bell

Die aus einer reichen Familie stammende Bell studierte Geschichte in Oxford. Gelangweilt vom Leben in der Heimat und dem Heiratsmarkt zog es sie in den Nahen Osten, den sie als Archäologin und Autorin durchstreifte. Auf zahlreichen Reisen durch die Region – für eine Frau damals eine Sensation – sammelte sie Informationen über die Geografie, die für die Briten später im Ersten Weltkrieg wertvoll wurden.

Entscheidende Rolle bei Gründung des Irak

Als profunde Kennerin der Region und mit ihren Sprachkenntnissen des Persischen und Arabischen arbeitete sie ab 1915 für den britischen militärischen Geheimdienst, ab 1917 war sie in Bagdad stationiert. Bei den Pariser Friedensverhandlungen 1919 war sie als Beraterin dabei, sie spielte eine entscheidende Rolle bei der Grenzziehung des neuen Staates Irak.

Gertrude Bell beim Picknick mit König Faisal von Irak (1922)

Die Gründung des Staates unter britischer Kontrolle wurde beschlossen, weil sich London von den erdrückenden Kosten der Besatzung befreien wollte, ohne den Einfluss auf die immensen Ölressourcen zu verlieren.

Verfilmung mit Nicole Kidman

In ihren letzten Lebensjahren spielte sie als Beraterin von König Faisal eine wichtige Rolle in der irakischen Politik, sie gründete 1925 auch das Irakische Nationalmuseum. Ein Jahr darauf starb sie 57-jährig an einer Überdosis Schlaftabletten.

Anders als bei Thomas Edward Lawrence alias Lawrence von Arabien, dessen Wirken durch den gleichnamigen Film von 1962 in aller Welt berühmt wurde, blieben die Verdienste Bells der großen Öffentlichkeit eher verborgen. 2015 versuchte Regisseur Werner Herzog Bell mit dem Streifen „Königin der Wüste“ mit Nicole Kidman in der Hauptrolle ein Denkmal zu setzen, der Film wurde allerdings kein ganz großer Erfolg.