Diese Reformen sind bei Steuern, Rente und Pflege im kommenden Jahr geplan
Große Reformpakete im Anflug: Was sich bei Steuern, Rente und Pflege ändern soll
Stand: 11.09.2026, 18:28 Uhr
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Im kommenden Jahr 2027 plant die Regierung, eine Reihe großer Reformprojekte umzusetzen. Viele dieser Reformen sind noch nicht verabschiedet – so ist der aktuelle Stand der Dinge.
Berlin – In der deutschen Bundespolitik kündigen sich tiefgreifende Reformvorhaben an, die den Geldbeutel von Millionen Bürgern direkt beeinflussen werden. Die Bundesregierung treibt derzeit drei massive Reformprojekte voran – bei der Einkommensteuer, der gesetzlichen Rente und der Pflegeversicherung. Während einige Maßnahmen bereits ab 2027 spürbare Entlastungen bringen sollen, bedeuten andere Vorhaben vor allem für Gutverdiener und jüngere Generationen erhebliche Mehrbelastungen.

Entlastung der Mitte bei der Einkommensteuer
Den konkretesten Zeitplan gibt es bei der Einkommensteuer. Ein entsprechender Entwurf wurde am 2. September vom Bundeskabinett beschlossen, um pünktlich zum 1. Januar in Kraft zu treten. Kern des Pakets ist der Inflationsausgleich, bei dem der steuerliche Grundfreibetrag von 12.348 Euro auf 12.564 Euro angehoben wird und der Arbeitnehmer-Pauschbetrag um 200 Euro auf künftig 1.430 Euro steigen soll. Familien profitieren zusätzlich von einem höheren Kindergeld, das auf 267 Euro pro Monat angehoben werden soll.
Laut Berechnungen des Focus sparen Alleinstehende durch diese Anpassungen je nach Einkommen jährlich zwischen 75 und 125 Euro. Bei Familien beläuft sich die Entlastung auf bis zu 600 Euro. Finanziert wird dies auch über stärkere Belastungen an der Spitze – ab einem zu versteuernden Einkommen von 250.000 Euro greift eine neue Einkommensteuerstufe von 45 Prozent, ab 280.000 Euro werden sogar 47 Prozent fällig.
Länger arbeiten und verpflichtende Kapitalrente
Deutlich mehr Konfliktpotenzial birgt die geplante Rentenreform, zu der das Kabinett allerdings noch keinen finalen Entwurf vorgelegt hat. Um das Rentenniveau angesichts des demografischen Wandels stabil zu halten, soll das Renteneintrittsalter ab dem Jahr 2032 fest an die statistische Lebenserwartung gekoppelt werden. Das bedeutet für jüngere Jahrgänge eine längere Lebensarbeitszeit über das 67. Lebensjahr hinaus. Zudem steht das Privileg der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren vor dem Aus.
Ein echter Systemwechsel zeichnet sich durch die schrittweise Einführung einer verpflichtenden Kapitalrente bis 2030 ab, bei der zwei Prozent des Bruttolohns – paritätisch finanziert von Arbeitgeber und Arbeitnehmer – am Kapitalmarkt angelegt werden. Begleitende Analysen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) stützen diesen Kurs und betonen seit Langem, dass eine reine Umlagerente ohne ergänzende Aktienkomponente langfristig zu untragbaren Beitragssprüngen führen würde. Zur Verbreiterung der Beitragsbasis sollen zudem neue Selbstständige sowie Abgeordnete pflichtversichert werden.
Höhere Hürden und Kosten in der Pflege
Die vorgeschlagene Pflegereform zielt primär auf die Konsolidierung der defizitären Pflegekassen ab. Ein bereits im Juni vorgelegter Entwurf sieht vor, die Beitragsbemessungsgrenze für Gutverdiener deutlich anzuheben und den Beitragszuschlag für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte hochzuschrauben. Für Familien fällt die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern weg, sofern diese nicht durch Kindererziehung oder Pflege befreit sind. Gleichzeitig drohen Leistungskürzungen – bei Pflegegrad 1 wird der Entlastungsbetrag von 131 Euro komplett gestrichen. Auch die Hürden für die Einstufung in die Pflegegrade 1 bis 3 werden generell erhöht. Für neue Heimbewohner steigen die Eigenanteile, da staatliche Zuschüsse langsamer gestaffelt fließen als bisher. Ein positiver Aspekt ist laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) die ab 2028 geplante automatische Kopplung der Pflegeleistungen an die Inflationsrate.
Werden die geplanten Reformen so umgesetzt, bringen sie zwar punktuelle Entlastungen für Familien und Geringverdiener, bitten die Mittelschicht sowie Gutverdiener jedoch über höhere Sozialabgaben und längere Arbeitszeiten kräftig zur Kasse. (Quellen: Focus, IW, BMG) (sts)