Angst vor AfD-Überläufern bei der CDU: MDR fragt – Abgeordneter Zimmer antwortet nicht
Stand: 11.09.2026, 18:28 Uhr
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Die AfD in Sachsen-Anhalt hat ihr Ziel der absoluten Mehrheit nicht erreicht. Ein CDU‑Abgeordneter fiel schon früher durch AfD-Nähe auf.
Magdeburg – Im Vorfeld gab sich die AfD siegessicher und feierte Ulrich Siegmund bereits als Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Doch Siegmund, der im Wahlkampf betonte, nur mit absoluter Mehrheit regieren zu wollen, schaffte mit 43,8 Prozent sein Ziel nicht. Er benötigt Schützenhilfe – entweder durch das BSW oder durch Abweichler von der CDU. Allerdings wiesen sowohl der bisherige Ministerpräsident Sven Schulze als auch Sepp Müller, der sich zur CDU-Spitze Ende November wählen lassen will, diese Variante weit von sich.

Doch nun dürfte eine Meldung für ein kollektives Schaudern bei der CDU sorgen. MDR Investigativ hat nämlich alle 15 gewählten Abgeordneten gefragt, ob für sie eine potenzielle Unterstützung der AfD infrage kämen: „1. Können Sie einen Wechsel zur AfD für sich ausschließen? 2. Können Sie sich vorstellen, dass andere neu gewählte CDU-Kandidatinnen oder -Kandidaten zur AfD wechseln würden? 3. Wie würden Sie einen solchen Wechsel bewerten?“
CDU-Politiker Zimmer in Sachsen-Anhalt fiel in der Vergangenheit durch Denkschrift auf
Von den 15 Befragten lehnten 14 den „Seitenwechsel“ entschieden ab. „Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, kann einen solchen Wechsel für sich ausschließen. Auch wird die gesamte CDU-Fraktion geschlossen und ohne Abweichler in die Opposition gehen“, ließ Schulze auf Anfrage des öffentlich-rechtlichen Senders vermelden. Auch der Abgeordnete Ulrich Thomas zeigte sich sicher: „Es wird keinen Überläufer geben! Dies gilt natürlich auch für meine Person.“
Tatsächlich hat niemand die erste Frage mit „Nein“ beantwortet; ein Abgeordneter antwortete jedoch auf mehrmaliges Nachfragen gar nicht: Lars-Jörn Zimmer. Zimmer erregte Aufsehen, als er 2019 gemeinsam mit dem damaligen stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden Ulrich Thomas ein Papier zur Europawahl verfasste. Darin hieß es, dass die Wähler von CDU und AfD ähnliche Ziele hätten und die CDU „multikulturellen Strömungen linker Parteien und Gruppen“ nicht ausreichend entgegengetreten sei. Damit die CDU wieder stärker werde, müsse es „gelingen, das Soziale mit dem Nationalen zu versöhnen“.
Und 2020, während der Regierungskrise in Thüringen, verursacht durch den FDP-Politiker Thomas Kemmerich, der mit AfD-Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, formulierte Zimmer im ZDF, eine von der AfD tolerierte CDU-Minderheitsregierung sei für ihn denkbar. Inwieweit er sich dies auch im umgekehrten Fall vorstellen kann, darüber kann nun spekuliert werden.
Ein CDU-Abweichler würde für die AfD Sachsen-Anhalt nicht reichen
Sollte Zimmer auf die Fragen nicht geantwortet haben, weil er die AfD unterstützt, würde das nicht reichen – denn die hat 39 Mandate, weshalb ihr für eine absolute Mehrheit drei Stimmen fehlen. Allerdings hat das BSW bereits Gespräche mit dem rechtsextrem eingestuften Landesverband angekündigt. Sahra Wagenknecht formulierte es auf X am Mittwochabend: „Die Mehrheit der Menschen in Sachsen-Anhalt wünscht sich Veränderung. Wir nehmen diesen Auftrag ernst. Deshalb werden wir mit der AfD über Anträge zu Themen sprechen, für die uns die Bürger gewählt haben und die BSW und AfD ähnlich sehen.“ (Quellen: MDR, eigene Recherche) (ktho)