Kinderkaries ohne Bohren stoppen? Eine US-Studie zeigt, wie eine Silberlösung Milchzähne schützen kann


Große US-Studie: Preiswerte Flüssigkeit stoppt Kinderkaries ohne Bohren

Stand: 03.08.2026, 13:39 Uhr

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Illustration - Zahnvorsorge

Sachsen beginnt mit seiner „Landzahnarztquote“ zur Sicherung der Versorgung in ländlichen Regionen des Freistaates. (Symbolbild) © Julian Stratenschulte/dpa

Eine lokale Behandlung mit einer silberbasierten Lösung auf Milchzähnen reichte aus, um das Fortschreiten von Karies aufzuhalten, wie eine Studie aus den USA zeigt.

Washington – Eine umfangreiche klinische US-Studie hat gezeigt, dass das Auftragen einer 38-prozentigen Silberdiaminfluorid-Lösung (SDF) auf kariöse Milchzähne das Fortschreiten von Karies deutlich und sicher mehr als ein Placebo hemmt, berichtet News1Fc. Während des Studienzeitraums waren weder Bohren, Füllungen, Injektionen noch Anästhesie erforderlich.

Die randomisierte Studie, veröffentlicht in JAMA Pediatrics, ergab, dass sechs Monate nach der Behandlung bei 54 Prozent der behandelten Zähne kein weiteres Karieswachstum zu verzeichnen war – im Vergleich zu 22,5 Prozent in der Kontrollgruppe. Den Forschenden zufolge wurde dieses Ergebnis durch eine schnelle, nichtinvasive Anwendung erzielt, die lediglich wenige Sekunden dauert, so News1Fc.

Geeignet für sehr junge Kinder

Die Untersuchenden beschrieben das Verfahren als besonders geeignet für sehr junge Patientinnen und Patienten. Die Behandlung sei sogar bei einjährigen Kindern anwendbar. Die Ergebnisse untermauern die Argumente für die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Therapie, die die pädiatrische Versorgung nachhaltig verändern könnte, berichtet das Men's Journal.

Schwerer frühkindlicher Karies

Die Forschenden nahmen 830 Kinder im Alter von zwölf bis 71 Monaten auf, die alle an schwerer frühkindlicher Karies mit aktiven Läsionen bis in das Dentin litten. Die Teilnehmenden wurden über Zahnkliniken, pädiatrische Arztpraxen, Vorschulen sowie Head-Start-Programme in Michigan, New York und Iowa rekrutiert, wie News1Fc berichtete.

Die Kinder wurden nach dem Zufallsprinzip zugeteilt: Sie erhielten entweder Silberdiaminfluorid oder eine Placebo-Lösung aus blau gefärbtem, destilliertem Wasser. Die Produkte wurden zu Beginn der Studie und erneut nach sechs Monaten aufgetragen. Zahnärztliche Untersuchungen fanden nach drei, sechs und acht Monaten statt. Dabei wurde bewertet, ob zuvor weiches, kariöses Gewebe verhärtet war, was auf einen Stopp der Krankheitsaktivität hinweist, statt nur eine Farbveränderung, so News1Fc.

Unterschiedliche Stillstandsquoten

Nach drei Monaten waren 57,5 % der Läsionen bei den mit Silberdiaminfluorid behandelten Kindern zum Stillstand gekommen, im Vergleich zu 18,8 % in der Placebogruppe. Nach acht Monaten, also nach der zweiten Anwendung, betrug der Anteil der behandelten Läsionen ohne Fortschreiten 50,2 %, während er in der Kontrollgruppe 17,4 % erreichte. Im untersuchten Zeitraum zeigte die zweite Anwendung keinen zusätzlichen Nutzen. Kürzere Behandlungsintervalle könnten für Kinder mit besonders hohem Risiko vorteilhaft sein, so News1Fc.

Die Studienleiterinnen und -leiter gaben an, dass das Behandlungsschema bei sehr jungen Patientinnen und Patienten sicher sei. Es könne wiederholt angewendet werden, um Milchzähne zu erhalten, bis diese sich auf natürliche Weise lockern und ausfallen. Erwachsene können das Verfahren als fortlaufendes Kariesmanagement oder als vorübergehenden Schutz vor restaurativen Maßnahmen nutzen, so das Men’s Journal.

Kein 100-prozentiger Schutz

Im Verlauf der Studie traten vier schwere Ereignisse auf. Die Veröffentlichung identifizierte jedoch keinen eindeutigen Sicherheitsunterschied zwischen den Gruppen, so News1Fc. Nach sechs oder acht Monaten zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bei den Schmerzen zwischen beiden Gruppen. Die Forschenden führten dies darauf zurück, dass viele Läsionen weiterhin fortschritten. Dies verdeutlicht, dass das Stilllegen von Karies in einem Zahn nicht garantiert, dass ein Kind künftig keine Füllungen, Extraktionen oder andere Behandlungen benötigt. Jeder Zahn erfordert eine fortlaufende Überwachung, erklärt News1Fc.

Etwa 70 % der Teilnehmenden schlossen die achtmonatige Nachbeobachtung ab, während rund 30 % diese nicht abschlossen. Die Untersuchenden stellten fest, dass diese Ausstiegsrate sowie die kurze Nachbeobachtungsdauer die Sicherheit darüber einschränken, wie lange stillgelegte Läsionen stabil bleiben und wie häufig über Jahre hinweg eine erneute Behandlung erforderlich ist, so News1Fc.

Ein bekannter Nachteil ist kosmetischer Natur. Gelingt die Therapie und verhärtet sich die Läsion, verfärbt sich der zuvor kariöse Bereich typischerweise dunkelbraun bis schwarz. Diese Verfärbung bleibt bestehen, bis der Zahn ausfällt oder eine restaurative Behandlung erfolgt.

Einfache Handhabung

Die Anwendung ist jedoch unkompliziert: Behandelnde trocknen den Bereich und tragen eine minimale Menge der Lösung auf. Dies macht die Behandlung besonders geeignet für Kleinkinder, Kinder mit Zahnbehandlungsangst, Patientinnen und Patienten mit Entwicklungs- oder körperlichen Beeinträchtigungen sowie für Personen, die Schwierigkeiten haben, eine konventionelle Behandlung durchzuhalten, so Men's Journal.

Der Ansatz eignet sich auch für Umgebungen mit begrenzter Infrastruktur, da weder Elektrizität noch Bohrgeräte oder eine komplexe klinische Ausstattung erforderlich sind. Das Produkt wird typischerweise in einer Konzentration von 38 % verwendet.

Zugang zur Versorgung

Forschende berichten, dass die Therapie den Zugang zur Versorgung für Bevölkerungsgruppen verbessern könnte, die konventionelle restaurative Eingriffe häufig nicht abschließen können. Die aktuellen Daten liefern die bislang stärksten Belege zur Unterstützung einer formalen Prüfung durch die US Food and Drug Administration für die Anwendung der Lösung als Kariesbehandlung. Dies könnte Versicherer ermutigen, die Therapie zu erstatten, und die Einführung in die Routinepraxis beschleunigen, so das Men’s Journal.

Die potenzielle Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit ist erheblich, da Karies weiterhin die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern in den USA ist und über 40 % der Kinder betrifft, so das Men’s Journal. Während die Studie Kinder mit Anzeichen von Infektionen, Abszessen, Schwellungen oder freiliegender Pulpa – Situationen, die eine andere Versorgung erfordern – ausschloss, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass viele Kariesläsionen in Milchzähnen mit der kostengünstigen topischen Anwendung sicher zum Stillstand gebracht werden können. (Redaktion)