UN stimmt über radikale Änderung der Weltkarte ab: Das könnte sich bald ändern
Größe von Afrika verzerrt: UN stimmen über die Annahme einer neuen Weltkarte ab
Stand: 04.09.2026, 19:20 Uhr
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UN stimmt über Weltkarten-Reform ab: Warum Afrika auf Mercator-Karten kleiner wirkt als Grönland – und was Equal Earth daran ändert.
New York – Eine Weltkarte, die Generationen von Schülern vertraut ist, könnte im Zuge einer von Afrika geführten Initiative an Bedeutung verlieren, die zum Ziel hat, Länder und Kontinente in ihren korrekten Größenverhältnissen darzustellen. Die Befürworter sehen darin einen Schritt hin zu einer gerechteren Wahrnehmung der Welt, in der insbesondere Staaten in Äquatornähe nicht länger verkleinert erscheinen.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com.
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen soll am Freitag (4. September) über eine Resolution abstimmen, die die Weltkartenprojektion Equal Earth und andere flächentreue Weltkarten fördert, welche die relative Fläche der Länder erhalten. Mit der Abstimmung würde die UN erstmals offiziell eine Alternative zu traditionellen Projektionen wie Mercator unterstützen, ohne diese jedoch vollständig zu verdrängen oder zu verbieten.

Das Vorhaben fügt sich in breitere Diskussionen über globale Machtverhältnisse und Repräsentation ein, in denen visuelle Darstellungen eine größere Rolle spielen, als vielen bewusst ist. Karten werden dabei nicht nur als neutrale Hilfsmittel, sondern als politische Symbole verstanden, die Einfluss auf Selbstbilder und internationale Beziehungen nehmen können.
Afrikanische Initiative fordert neue Darstellungen der Weltkarte
Togo brachte die Maßnahme mit Unterstützung der Afrikanischen Union ein, die im August 2025 die breitere #CorrectTheMap-Kampagne billigte. Diese Kampagne fordert eine Korrektur der verbreiteten Verzerrungen in Weltkarten, die insbesondere Afrika und andere Regionen des Globalen Südens betreffen. Befürworter argumentieren, dass solche Verzerrungen historisch gewachsene Ungleichheiten in der Wahrnehmung verstärken.
Unterstützer führen an, dass die Mercator-Projektion Afrika und andere äquatornahe Regionen zu klein erscheinen lässt, während nördliche Landmassen vergrößert werden. Diese Darstellung lasse Europa, Russland, Grönland und Nordamerika mächtiger und dominanter wirken, als es ihren tatsächlichen Flächenanteilen entspreche.
Der Vorschlag würde Regierungen, Schulen, internationale Organisationen und Technologieunternehmen dazu ermutigen, dort, wo der Maßstab eine Rolle spielt, flächentreue Karten zu verwenden. Dabei sollen genaue Flächenverhältnisse in Lehrbüchern, Datenvisualisierungen und digitalen Anwendungen stärker berücksichtigt werden. Mercator würde in dem Resolutionsentwurf jedoch nicht verboten, sondern bliebe für bestimmte Zwecke, etwa die Navigation, weiterhin zulässig.
Gegenüberstellung von Mercator und Equal Earth soll kommen
Die Equal-Earth-Projektion bewahrt die relative Fläche von Ländern und Kontinenten. Dadurch erscheinen Regionen wie Afrika, Lateinamerika oder Südasien näher an ihrer tatsächlichen Größe, während bisher überbetonte Flächen im hohen Norden verkleinert werden. Das soll ein ausgewogeneres Bild des Planeten schaffen, insbesondere in Kontexten, in denen Flächenvergleiche entscheidend sind.
Die Mercator-Projektion vergrößert Landmassen zu den Polen hin. Flächen in hohen Breitengraden wirken dadurch unverhältnismäßig groß, während äquatornahe Gebiete geschrumpft erscheinen. Obwohl beide Projektionen dieselbe Erde darstellen, vermitteln sie sehr unterschiedliche Eindrücke von der relativen Bedeutung einzelner Regionen.
Alle flachen Weltkarten beinhalten Verzerrungen, doch verschiedene Projektionen erhalten unterschiedliche Eigenschaften. Manche geben Richtungen möglichst genau wieder, andere Formen oder Entfernungen und wieder andere die Flächenverhältnisse. Die Debatte dreht sich daher weniger um richtig oder falsch, sondern darum, welche Eigenschaften in welchem Kontext Priorität haben sollten.
Warum die Darstellung von Flächen wichtig ist
Mercator wurde für die Navigation entworfen, doch seine Verzerrung nimmt zu den Polen hin zu und lässt Europa, Russland, Grönland und Nordamerika im Verhältnis zu äquatornahen Regionen größer erscheinen. Für Seefahrer war dies historisch nützlich, für Bildungszwecke oder politische Analysen jedoch aus heutiger Sicht problematisch. Kritiker betonen, dass viele Menschen ihre grundlegende Vorstellung von Weltgeografie aus Schulatlanten beziehen, die oft auf Mercator basieren.
Kampagnenvertreter sagen, dieses visuelle Ungleichgewicht habe insbesondere die Wahrnehmung Afrikas beeinflusst, das 14-mal größer ist als Grönland, obwohl die beiden auf Mercator-Karten oft vergleichbar groß wirken. Diese Verzerrung könne dazu beitragen, Afrikas wirtschaftliches, politisches und kulturelles Gewicht systematisch zu unterschätzen. Befürworter flächentreuer Karten sehen darin daher auch eine Frage von Respekt und symbolischer Gleichbehandlung.
Warum Weltkarten so unterschiedlich aussehen
Jede flache Karte ist ein Kompromiss, weil sich die gekrümmte Oberfläche der Erde nicht perfekt auf ein Rechteck übertragen lässt. Kartografen müssen entscheiden, welche Eigenschaften einer Projektion Vorrang haben, denn Winkel, Flächen, Formen und Entfernungen lassen sich nicht gleichzeitig vollständig korrekt darstellen. Daraus ist über Jahrhunderte eine Vielzahl von Projektionen entstanden.
Unterschiedliche Projektionen erhalten verschiedene Qualitäten, etwa Richtung, Form, Distanz oder Fläche. Für die Schifffahrt waren genaue Winkel entscheidend, während in der Klimaforschung oder in der Entwicklungszusammenarbeit korrekte Flächenverhältnisse wichtiger sein können. Lehrpläne und Kartenhersteller stehen deshalb vor der Frage, welche Projektionen welchem Zweck am besten entsprechen.
Mercator-Projektion erleichterte Seeleuten die Navigation
Die im 16. Jahrhundert eingeführte Mercator-Projektion wurde entwickelt, um Seeleuten die Navigation zu erleichtern. Linien konstanter Peilung erscheinen gerade, was das Planen von Kursen vereinfachte und die Mercator-Karte über Jahrhunderte zum Standard für den Seehandel machte. Dieser historische Erfolg erklärt, warum sie bis heute so präsent ist.
Linien konstanter Kompassrichtung verlaufen zwar gerade, doch Landmassen werden mit zunehmender Entfernung vom Äquator immer stärker vergrößert. Dadurch verzerren sich nicht nur Flächen, sondern indirekt auch Vorstellungen von der Verteilung von Land und Meer.
Entstehung und Ziele von Equal Earth
Equal Earth wurde 2018 von den Kartografen Bojan Šavrič von Esri, Tom Patterson vom U.S. National Park Service und Bernhard Jenny von der Monash University entwickelt. Equal Earth soll zugleich wissenschaftlichen Ansprüchen genügen und für ein breites Publikum intuitiv lesbar sein. So soll die Karte sowohl in Schulbüchern als auch in Medienberichten eingesetzt werden können, ohne Nutzer zu überfordern.
Equal Earth hat gebogene Außenränder, die die kugelförmige Gestalt des Planeten suggerieren sollen, während ihre geraden Breitenkreise es den Betrachtern ermöglichen, zu vergleichen, wie weit Orte nördlich oder südlich des Äquators liegen. Diese Kombination soll Orientierung erleichtern und dennoch visuell ansprechend bleiben. Befürworter sehen darin einen Kompromiss aus Ästhetik und wissenschaftlicher Genauigkeit.
Ihr Gesamtumriss erinnert an die weitverbreitete Robinson-Projektion, obwohl Robinson die relative Fläche nicht erhält. Equal Earth knüpft bewusst an diese vertraute Silhouette an, um den Übergang für Nutzer zu erleichtern, die Robinson-Karten aus Atlanten oder Klassenzimmern kennen. Gleichzeitig korrigiert sie jedoch zentrale flächenbezogene Verzerrungen.
Auch die Gall-Peters-Projektion bildet Flächen proportional ab, dehnt jedoch die Formen vieler Länder. Kritiker finden sie daher ungewohnt und schwer zu lesen, obwohl sie ein wichtiges Gegengewicht zu Mercator geschaffen hat. Equal Earth wurde als visuell vertrautere Alternative entwickelt, mit Kontinentkonturen, die denjenigen ähneln sollen, die man auf einem Globus sieht. Dadurch soll die Akzeptanz in der breiten Öffentlichkeit steigen, ohne auf die Vorteile einer flächentreuen Darstellung zu verzichten. Die Entwickler hoffen, dass diese Ausgewogenheit den internationalen Einsatz erleichtert.
Warum Togo die Initiative anführt
Der togolesische Außenminister Robert Dussey sagte bei einer Unterrichtung der Afrikanischen Gruppe, die Debatte gehe über reine Kartografie hinaus, berichtete The Independent. Aus seiner Sicht spiegeln Karten gesellschaftliche Machtverhältnisse wider und beeinflussen, wie Bevölkerungen sich und andere einordnen. Deshalb sei es wichtig, dass Afrika nicht in verkleinerter Form dargestellt werde.
„Eine Karte ist niemals neutral“, sagte Dussey. „Sie prägt Wahrnehmungen, beeinflusst, wie der Platz von Völkern und Kontinenten in der Welt verstanden wird, und kann manchmal schon in den frühesten Schuljahren Darstellungen verfestigen, die nicht der geografischen Realität entsprechen.“ Damit knüpfte er an Argumente von Bildungs- und Entwicklungsexperten an, die seit Jahren vor den Folgen verzerrter Karten warnen. „Afrika fordert keine bevorzugte Behandlung“, fügte er hinzu. „Afrika verlangt, dass seiner Realität, seinen Bestrebungen und seinem Beitrag zum internationalen System gebührend Rechnung getragen wird.“ Diese Forderung versteht die togolesische Regierung als Teil einer breiteren Agenda zur Stärkung der afrikanischen Stimme in globalen Institutionen.
Dussey rief die afrikanischen Delegationen dazu auf, vor der Abstimmung Unterstützung zu mobilisieren, während Togo am Vorabend der Entscheidung Vertreter von Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen empfing. In diesen Gesprächen warb die Regierung für eine breite Zustimmung und versuchte, mögliche Bedenken auszuräumen. Diplomaten berichten von intensiven, aber überwiegend konstruktiven Verhandlungen.
Petition sammelte über 11.000 Unterschriften für Equal Earth
Die diplomatische Initiative baut auf der #CorrectTheMap-Kampagne auf, deren Change.org-Petition vor der Abstimmung mehr als 11.000 Unterschriften gesammelt hatte. Die Kampagne nutzt soziale Medien, Veranstaltungen und Kooperationen mit Bildungsakteuren, um Aufmerksamkeit für die Thematik zu gewinnen. Ihre Organisatoren sehen die UN-Abstimmung als wichtigen Prüfstein.
Ihre Organisatoren rufen Institutionen, darunter die Vereinten Nationen und internationale Medienorganisationen, dazu auf, Equal Earth in Berichten, Daten und anderen Materialien mit Weltkarten zu verwenden. Sie argumentieren, dass gerade einflussreiche Akteure Vorbilder setzen und damit den Wandel beschleunigen könnten.
Aktivisten stellen die Frage als eine der Wahrnehmung ebenso wie der Messung dar. Es gehe nicht nur um technische Genauigkeit, sondern um die Bilder im Kopf, die Karten hinterlassen. Je realistischer Flächenverhältnisse abgebildet würden, desto eher könnten stereotype Vorstellungen über den Globalen Süden aufgebrochen werden.
Initiatoren hoffen auf offenere Diskurse über Entwicklung, Handel und Sicherheit
Correct The Map sagt, Mercators Behandlung des Globalen Südens beeinflusse, wie Zuschauer Afrikas geografisches, wirtschaftliches und politisches Gewicht verstehen, und beschreibt die Initiative als Versuch, „zu verändern, wie die Welt Afrika sieht“. Die Organisatoren hoffen, dass eine neue kartografische Norm langfristig auch Diskurse über Entwicklung, Handel und Sicherheit prägt. Für sie ist Equal Earth daher Teil eines größeren Projekts symbolischer Neubewertung.
Newsweek kontaktierte die Correct-The-Map-Kampagne am Freitagmorgen über ihre Website für eine Stellungnahme. Eine Antwort stand zunächst noch aus, könnte aber die Debatte über die Erwartungen der Aktivisten an die UN-Entscheidung weiter schärfen. Beobachter rechnen mit weiteren Reaktionen aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft.
Mögliche nächste Schritte nach der Abstimmung
Sollte die Maßnahme angenommen werden, plant Togo, im ersten Quartal 2027 eine Veranstaltung in Lomé mit der UNESCO, der Afrikanischen Union und Technologieunternehmen einschließlich Google Maps abzuhalten, um die Umsetzung zu erörtern. Dort sollen Leitlinien für den Einsatz flächentreuer Karten in digitalen Diensten, Schulmaterialien und offiziellen UN-Dokumenten diskutiert werden. Auch Fragen der technischen Integration in bestehende Systeme stehen auf der Agenda.
Die Abstimmung könnte daher eher den Beginn eines längerfristigen institutionellen Wandels markieren als eine über Nacht erfolgende Neuerzeichnung der Welt. Kartenhersteller, Schulbehörden und Softwareentwickler müssten ihre Produkte schrittweise anpassen, was Zeit und Ressourcen erfordert. Befürworter sehen dennoch in der UN-Resolution ein wichtiges politisches Signal.