Größte Sauerkrautfabrik Europas steht in Hessen – und boomt gerade gewaltig


Stand: 11.07.2026, 19:00 Uhr

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Die Dosen rattern im Sekundentakt über das Laufband: Eine Maschine befüllt sie mit Sauerkraut.

Die Dosen rattern in Fritzlar im Sekundentakt über das Laufband: Eine Maschine befüllt sie mit Sauerkraut. © -

In Fritzlar im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis produziert Hengstenberg das meiste Sauerkraut Europas – und der Hunger darauf wächst weltweit rasant.

Fritzlar – Wer hätte das gedacht: Sauerkraut ist plötzlich angesagt – und das Herz der europäischen Sauerkrautproduktion schlägt in Hessen. Im nordhessischen Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) betreibt der Lebensmittelhersteller Hengstenberg die größte Sauerkrautfabrik des gesamten Kontinents. Rund 160 Menschen arbeiten dort. Und derzeit haben sie alle Hände voll zu tun, wie der Hessische Rundfunk (HR) kürzlich berichtete.

Was lange als Omas Beilage belächelt wurde, gilt heute als Superfood. Der weltweite Boom um fermentierte Lebensmittel beschert dem Sauerkraut ein spektakuläres Comeback – befeuert auch durch die USA, wo zuletzt selbst Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Junior öffentlich seine Vorliebe für Fermentiertes bekundete. Die Folge: Beim Esslinger Unternehmen Hengstenberg, das seinen zentralen Produktionsstandort in Fritzlar hat, häufen sich die Anfragen aus Übersee.

Sauerkraut ist plötzlich Superfood – und das Herz der Weltproduktion schlägt in Hessen

In der Fabrik im Schwalm-Eder-Kreis werden Weißkohl, Rotkohl und Gurken verarbeitet. Der Kohl wird maschinell geerntet, fein gehobelt, mit Salz vermengt und in großen Silos eingelagert. Dort übernehmen Milchsäurebakterien die Arbeit: Sie wandeln den im Kohl enthaltenen Zucker in Milchsäure um – das klassische Fermentationsverfahren, das Sauerkraut haltbar und gesund macht. Laut Unternehmensangaben hat Hengstenberg am Standort Fritzlar zuletzt rund zehn Prozent mehr Weiß- und Rotkohl verarbeitet als im Vorjahr.

Hengstenberg-Chef Aymeric de La Fouchardière bestätigte dem HR die steigende internationale Nachfrage: Etwa 13 Prozent der Produktionsmenge gehen bereits in die USA – Tendenz steigend. Der globale Sauerkrautmarkt wachse seit 2025 um fünf bis 5,5 Prozent jährlich. Für den nächsten Export-Schub will das Unternehmen gezielt mit dem Wort „fermentiert“ auf der Verpackung werben – ein Begriff, der international zieht.

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Direkt vor den Toren der Fabrik profitieren auch hessische Landwirte vom Kohl-Boom – zumindest indirekt. Matthias Wicke aus Gudensberg (Schwalm-Eder) baut Kohl für Hengstenberg an und hat gemeinsam mit drei Kollegen für 260.000 Euro eine vollautomatische Pflanzmaschine angeschafft, mit der sich die tägliche Anbaumenge verdoppelt. Den großen wirtschaftlichen Schub durch den Sauerkraut-Trend spürt er aber bisher nicht: „Überhaupt nichts“, sagte Wicke im Bericht des Hessischen Rundfunks. Erst wenn Hengstenberg größere Anbaumengen festlege, werde der Hype auch bei den Bauern ankommen.

Sauerkraut-Boom aus den USA: Hessische Fabrik kämpft mit Anfragen aus Übersee

Der Hessische Bauernverband sieht die Entwicklung grundsätzlich positiv, mahnt aber zur Vorsicht: Einfach von klassischem Ackerbau auf Kohlanbau umzusatteln, lohne sich kaum. Die Pflanze stelle hohe Anforderungen an Boden, Bewässerung und Technik.

Die nächste große Produktion startet zwischen September und Dezember. Dann wird geerntet, vergoren und verpackt – und ein Teil davon macht sich auf den Weg in die USA. Für Landwirt Wicke steht fest: Wenn der Bedarf weiter steigt und amerikanische Produzenten nicht mithalten können, ist er bereit, seinen Anbau auszuweiten. Doch am Ende entscheide ohnehin nicht er, sagte Wicke gegenüber dem HR: „Der Konsument bestimmt am Ende der ganzen Kette den Absatz von uns Landwirten.“