Im Ernstfall „wären längst alle tot“: Großübung zu ICE-Brand endet in Desaster


Stand: 10.08.2026, 18:23 Uhr

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Ein brennender ICE steht mitten in einem Tunnel. Diesen Ernstfall probten Einsatzkräfte jüngst. Die Übung verlief jedoch alles andere als reibungslos.

Arnstadt – In einem Notfall muss Hilfe so schnell wie möglich kommen. Um das in jeder Situation sicherzustellen, üben Einsatzkräft den Ernstfall immer wieder. So auch jüngst in Thüringen. Das Ergebnis der Übung war jedoch alles andere als zufriedenstellend.

Großübung mit ICE im Tunnel

Feuerwehren und Rettungskräfte trainieren im Eisenbahntunnel Sandberg bei Traßdorf einen simulierten ICE-Brand. (Symbolbild) © Heiko Rebsch/dpa

Im 1320 Meter langen Sandbergtunnel nahe Stadtilm wurde am Samstag (8. August) ein brennender Zug simuliert. Rund 100 Komparsen spielten verletzte Fahrgäste, mehr als 250 Einsatzkräfte sollten die Rettung übernehmen. Doch die ersten Kräfte erreichten den Tunnel erst nach zwei Stunden und sieben Minuten – deutlich später als vorgesehen.

Brand-Übung scheitert an „Endgegner“ – Retter treffen erst nach Stunden ein

Die Übung bildete ein besonders schwieriges Szenario ab: Ein ICE steht nach einem Brand im Tunnel, Menschen sind verletzt und können sich nicht selbst in Sicherheit bringen. Der Lokführer setzte den Notruf um 10.15 Uhr ab. Eigentlich sollten die Rettungskräfte innerhalb von zehn bis 25 Minuten am Tunnel eintreffen. „Der Endgegner im Tunnel ist die Zeit“, sagte Marc Stielow, Branddirektor im Thüringer Innenministerium, laut Focus.

Nach ersten Erkenntnissen geriet die Alarmierungskette ins Stocken. Wie die BILD berichtet, soll die Bahnleitstelle die zuständige Rettungsleitstelle erst rund 30 Minuten nach dem Notruf informiert haben. Weitere 30 Minuten seien vergangen, bevor die Feuerwehren alarmiert worden seien. Focus berichtet ebenfalls von einem deutlich verspäteten Eintreffen mehrerer Tunnelbasiseinheiten. Ein Feuerwehrexperte zog gegenüber insuedthueringen.de eine drastische Bilanz: Wäre der Brand real gewesen, wären die Menschen im Zug vermutlich längst tot gewesen.

Innenminister war bei ICE-Brand-Übung anwesend

Das Debakel spielte sich unter den Augen von Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) und Ilm-Kreis-Landrätin Petra Enders ab. Enders soll die Übung schließlich verlassen haben, um sich in der Rettungsleitstelle selbst ein Bild von den Abläufen zu machen. Auch die Warnung der Bevölkerung über die Apps Nina und Katwarn funktionierte offenbar nicht vollständig.

Warum die Rettungskette versagte, soll nun untersucht werden. Das Innenministerium bestätigte gegenüber der BILD, dass bei der Alarmierung etwas schiefgelaufen sei. Zuständig für Organisation und Auswertung der Übung sei der Ilm-Kreis. Eine Übung habe schließlich den Zweck, Fehler aufzudecken – bevor sie im Ernstfall Menschenleben kosten. (Quellen: Focus, BILD) (sp)