Grüne wollen Untere Bahnhofstraße in Germering neu gestalten lassen
Stand: 14.09.2026, 14:00 Uhr
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Die Fraktion beantragt, drei Varianten für den Abschnitt zwischen Kleinem Stachus und Landsberger Straße zu simulieren. Pro Szenario kostet die Simulation bis zu 1200 Euro.
Germering – Auf der Unteren Bahnhofstraße ist der Platz knapp. Autos und Busse fahren auf der Straße, daneben verlaufen Rad- und Fußweg. Dazu kommen Parkplätze, Geschäfte und Lokale. Für Außengastronomie oder andere Nutzungen bleibt wenig Raum. „Die Leute wünschen sich irgendwie ein bisschen mehr Aufenthaltsqualität an dieser Stelle“, sagt Grünen-Stadtrat Gerhard Blahusch. Auch der Einzelhandel könne davon profitieren, wenn mehr Menschen stehen blieben.

Die Parklets, für die einzelne Autostellplätze umgestaltet wurden, sind für Blahusch nur eine kleine Verbesserung. „Das hat schon ein bisschen was bewirkt“, sagt er. Für eine lebendige Innenstadt, in der Menschen auch länger bleiben, reiche das aber kaum. Wie begrenzt die Möglichkeiten sind, habe sich im vergangenen Sommer gezeigt, als die Buchhandlung Lesezeichen zeitweise mehr Fläche für Tische nutzen wollte. Das sei aufwendig gewesen und habe für Verwirrung gesorgt. In diesem Jahr stehen dort nur einige Tische eng an der Wand.
Ich glaube, dass alle Leidtragende sind.
Wie es grundsätzlich anders gehen könnte, wollen die Grünen nun untersuchen lassen. Die Fraktion beantragt, drei Gestaltungsvarianten für den Abschnitt zwischen Kleinem Stachus und Landsberger Straße entwickeln und mit dem neuen Germeringer Verkehrsmodell simulieren zu lassen. Die Szenarien sollen unterschiedliche Schwerpunkte bei Einzelhandel, Aufenthaltsqualität und Mobilität setzen.
Dass der Vorstoß gerade jetzt kommt, hängt mit diesem Verkehrsmodell zusammen. Seit Juli steht damit ein Werkzeug zur Verfügung, mit dem sich verschiedene Szenarien und mögliche Verkehrsverlagerungen durchspielen lassen. Nach den rund 150.000 Euro, die investiert wurden, sei es an der Zeit, damit „auch mal einen Output zu erzeugen“.
Blahusch selbst kennt die Situation vor allem als Radfahrer. Dass eine Verkehrsart besonders darunter leidet, sieht er allerdings nicht. Fußgänger müssten mit vorbeifahrenden Rädern zurechtkommen, Busse stünden im Stau – und auch für Autofahrer sei die Situation nicht angenehm. „Ich glaube, dass alle Leidtragende sind.“
Ein fertiges Rezept für die Straße haben die Grünen nicht. Eine gewisse Verkehrsberuhigung hält Blahusch allerdings für notwendig. Ohne sie könne er sich mehr Aufenthaltsqualität kaum vorstellen. Gleichzeitig sagt er: „Irgendwohin muss der Verkehr ja. Ganz verschwinden würde er deswegen nicht.“ Deshalb müssten auch die Folgen für Geschäfte, Kunden, Lieferverkehr und andere Straßen betrachtet und mit den Betroffenen diskutiert werden.
Blahusch ist ein „großer Freund von Shared Space“ – also davon, den Straßenraum stärker gemeinsam zu nutzen, statt die Verkehrsarten strikt voneinander zu trennen. Ganz ohne Veränderungen bei den Parkplätzen werde es dabei vermutlich nicht gehen. Andere denkbare Varianten sind eine Einbahnregelung oder sogenannte Modalfilter, die bestimmte Verkehrsarten durchlassen und andere ausschließen. Blahusch könnte sich etwa vorstellen, an der Bahnunterführung nur noch Busse und Taxis passieren zu lassen. Welche Folgen solche Lösungen für den übrigen Verkehr hätten, soll das Verkehrsmodell zeigen.
Sollte sich eine Variante als vielversprechend erweisen, würde Blahusch nicht gleich die ganze Straße umbauen. Er plädiert dafür, Veränderungen zunächst auszuprobieren: Eine Einbahnregelung ließe sich mit Schildern testen, Tempo 20 mit einer vorübergehenden Beschilderung und Halteverboten. „Wenn man feststellt, es geht in die richtige Richtung, dann aus dem Temporären was Fixes machen.“ Funktioniere eine Idee nicht, könne man sie wieder zurücknehmen. Ein kompletter Umbau sei angesichts der Haushaltslage ohnehin „schwer vermittelbar“.
Auch die Untersuchung soll finanziell überschaubar bleiben. Laut Antrag kostet die Simulation eines Szenarios voraussichtlich 800 bis 1200 Euro. Für drei Varianten einschließlich Gestaltung, Aufbereitung und Reserve veranschlagen die Grünen insgesamt 5000 Euro. Die Vorschläge sollen noch bis Ende des Jahres in den zuständigen Ausschüssen oder im Stadtrat vorberaten werden.