Halb aufgegessene Mahlzeiten: Globus Saarlouis gegen Lebensmittelverschwendung – was mit den Resten passiert


Halb aufgegessene Mahlzeiten Globus Saarlouis gegen Lebensmittelverschwendung – was mit den Resten passiert

Saarlouis · Marktleiter Oliver Kirch erklärt, wie Globus Saarlouis nichts unversucht lässt, um Lebensmittel vor der Tonne zu retten. Auch im Restaurant ist Verschwendung ein großes Thema. Denn oft sind bei Gästen die Augen größer als der Bauch.

04.10.2026 , 13:21 Uhr

 Ein übliches Bild in der Globus Gastronomie in Saarlouis: Häufig kommen Mahlzeiten in die Küche zurück, die nicht ansatzweise aufgegessen wurden.

Ein übliches Bild in der Globus Gastronomie in Saarlouis: Häufig kommen Mahlzeiten in die Küche zurück, die nicht ansatzweise aufgegessen wurden.

Foto: Nils Straßel

Lebensmittelverschwendung sichtbar machen und zeigen, dass auch Zutaten, die nicht mehr ganz makellos aussehen, noch verwendet werden können: Darum ging es kürzlich bei einem Aktionstag im Globus in Saarlouis. Schülerinnen und Schüler des Kaufmännischen Berufsbildungszentrums besuchten den Markt, bekamen eine Tour durch die Lagerräume und erfuhren, wie dort mit Lebensmitteln umgegangen wird, die zwar noch haltbar, aber nicht mehr „verkaufsfähig“ sind – zum Beispiel, weil sie nicht mehr so toll aussehen.

Globus Saarlouis sensibilisiert Schüler zum Thema Lebensmittelverschwendung

Einige dieser Zutaten wurden anschließend in der Erlebnisküche des Globus-Marktes verarbeitet. Gemeinsam zauberten Schüler und Aktionsleiter daraus etwas Leckeres. So wurde praktisch vermittelt, dass Lebensmittel nicht automatisch wertlos sind, nur weil sie nicht mehr aussehen wie frisch aus der Auslage. Zum vierten Mal in Folge hat Globus im Rahmen der Internationalen Woche gegen Lebensmittelverschwendung einen solchen Aktionstag organisiert.

 Schüler des KBBZ Saarlouis konnten beim Aktionstag gegen Lebensmittelverschwendung im Globus Saarlouis in dessen Erlebnisküche Zutaten verwerten, die sonst vielleicht nicht mehr verkauft worden wären.

Schüler des KBBZ Saarlouis konnten beim Aktionstag gegen Lebensmittelverschwendung im Globus Saarlouis in dessen Erlebnisküche Zutaten verwerten, die sonst vielleicht nicht mehr verkauft worden wären.

Foto: Isabella Kettner / Globus GmbH

Wie wichtig das Thema für das Unternehmen ist, wurde in der Folge auch bei einem Gespräch unserer Zeitung mit Marktleiter Oliver Kirch deutlich. Lebensmittelverschwendung betrifft Globus jeden Tag – nicht nur in den Regalen des Marktes, sondern auch in der Gastronomie, in der täglich Hunderte Menschen aus der Region essen.

Halbvolle Teller auf dem Abräumband sorgen für Frust

Besonders auffällig – und „frustrierend“ – sei für das Küchenteam dort, wie häufig Tabletts mit fast vollen Tellern auf dem Abräumband landen und zurück in die Küche gehen, erzählt Kirch. Über die Größe der Tages- und Wochengerichte könne man sicherlich diskutieren, sagt der Marktleiter. Häufig gehe es aber um Speisen, die sich die Kunden an den Selbstbedienungsbereichen selbst auf den Teller gelegt hätten: Schnitzel mit Pommes oder Asia-Nudeln mit Fleisch. Erst werde der Teller bis zum Rand gefüllt und dann gehe die Hälfte wieder zurück. „Das finden wir dann schon traurig und schade“, klagt Kirch.

Was einmal auf dem Teller lag und zurückgegeben wird, kann nicht mehr weiterverwertet werden und wird entsorgt. Trotz dieser Problematik will Globus nicht auf die Selbstbedienungsbereiche verzichten. Denn eigentlich sollen sie gerade das Gegenteil erreichen – und helfen, Verschwendung zu vermeiden: Jeder Kunde kann sich dort die Menge nehmen, die er tatsächlich essen möchte. Gerade für viele ältere Menschen, die bei einer Mahlzeit nicht mehr so viel schaffen, sei diese Möglichkeit sehr wichtig, betont Kirch.

Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren, spielt im Markt selbst aber sogar noch eine größere Rolle. Denn dort stehen Tausende Regale mit frischen Waren und stetig näher rückenden Mindesthaltbarkeitsdaten. Dass möglichst viel davon tatsächlich gekauft und gegessen wird, sei für Globus nicht nur eine moralische, sondern auch eine wirtschaftliche Frage, erklärt Kirch. Die Entsorgung von Lebensmitteln sei extrem teuer. Deshalb versuche der Markt, die Waren mit allen verfügbaren Mitteln noch an die Kunden oder andere Abnehmer zu bringen.

Clevere Logistik soll Entsorgung auf Minimum begrenzen

Die wichtigste Maßnahme beginnt laut Kirch schon vor dem Einräumen der Regale: eine intelligente Bevorratung und Mengensteuerung. Wer weiß, was die Kundschaft kauft, kann entsprechend bestellen und Überbestände vermeiden. Nähert sich ein Produkt seinem Mindesthaltbarkeitsdatum, wird es zunächst mit einem Rabatt angeboten. In besonders deutlicher Form zeigt sich das bei den speziellen Last-Minute-Tüten, die Globus Saarlouis verkauft. Darin befinden sich unter anderem Milchprodukte, die noch haltbar sind, aber nicht mehr allzu lange. Die unterschiedlich zusammengestellten Tüten werden deutlich reduziert angeboten, um doch noch Abnehmer zu finden – und um Menschen anzusprechen, die nicht viel Geld zur Verfügung haben.

 In den speziellen Last-Minute-Tüten im Globus Saarlouis werden frische Produkte, die in die Nähe ihres Mindesthaltbarkeitsdatums kommen, mit starker Reduzierung verkauft.

In den speziellen Last-Minute-Tüten im Globus Saarlouis werden frische Produkte, die in die Nähe ihres Mindesthaltbarkeitsdatums kommen, mit starker Reduzierung verkauft.

Foto: Nils Straßel

Wie Globus Saarlouis Reste im Markt weiterverarbeitet

Ist ein Produkt wegen seines Aussehens, einer beschädigten Verpackung oder eines zu großen Bestands nicht mehr verkäuflich, prüft Globus nach Angaben des Marktleiters, ob es intern weiterverarbeitet werden kann. Die Gastronomie bedient sich dann beispielsweise aus den Beständen des Marktes. Ein Beispiel: Hat die Fischabteilung zu viel von einer Sorte vorrätig und es ist absehbar, dass die Ware nicht rechtzeitig verkauft wird, kann kurzfristig die Wochenkarte geändert und ein Fischgericht angeboten werden. „So flexibel sind wir“, sagt Kirch. Auch innerhalb der einzelnen Fachbereiche werde ständig nach Lösungen gesucht. Fleisch, das schon länger liegt, könne möglicherweise noch zu Wurst verarbeitet werden. Aus harten Brötchen würden mitunter Croutons hergestellt, die anschließend wieder verkauft werden.

Globus spendet an Tafeln, Zoos und Landwirte

Die Möglichkeiten des Marktes reichen allerdings nicht aus, um alle Überschüsse selbst zu verwerten. Mehrfach pro Woche füllen deshalb zum Beispiel die Tafeln in Saarlouis und Dillingen ihre Vorräte im Saarlouiser Markt auf. Deren Mitarbeiter holen verpackte Waren, Obst und Gemüse sowie Backwaren ab. Häufig handelt es sich um Produkte mit beschädigten oder zerknitterten Verpackungen.

Was passiert, wenn nur noch die Entsorgung bleibt

Weitere Lebensmittel gehen an Zoos, Tierheime und Landwirte, wo sie als Tierfutter verwendet werden können. Vor Feiertagen und langen Wochenenden stellt Globus gelegentlich auch Körbe für die eigenen Mitarbeiter zusammen, die sie dann kostenlos mit nach Hause nehmen dürfen. Erst wenn alle Register gezogen sind und sich keine weitere Verwendung findet, bleibt dem Unternehmen nur noch die Entsorgung. Wie viel genau das ist, verrät Globus auf SZ-Nachfrage nicht. Nach Angaben von Oliver Kirch werden die Lebensmittel dann in eine Biogasanlage im nordrhein-westfälischen Zülpich gebracht. Was nicht mehr auf den Tellern landen kann, soll somit zumindest noch Energie liefern. (nic)