(+) Plötzlich Flucht: Hamburger Familie verliert ihr zweites Zuhause und startet einen Aufruf


Hamburg

Hamburger Mutter im Waldbrandgebiet: „In den Augen der Kleinen habe ich Panik gesehen“

Einen solchen Himmel hat Jessica H. noch nie gesehen, wie sie der MOPO erzählt.
privat

Jessica H. und ihre drei Kinder waren campen in Frankreich. Dann färbte sich der Himmel rot und sie mussten evakuiert werden.

Nur 30 Minuten haben die Hamburgerin Jessica H. und ihre drei Kinder Zeit, ihre Sachen zu packen, dann sitzen sie in ihrem Bulli und verlassen den Campingplatz, auf dem sie fast jeden Sommer verbracht haben. Eigentlich hätte der Urlaub in La Grigne – rund 50 Kilometer westlich von Bordeaux – drei Wochen dauern sollen, erzählt Jessica H. der MOPO. Doch nach eineinhalb Wochen war Schluss.

Die Feuer, die im Süden Frankreichs wüten, kamen zu nah. Die Flammen konnte sie über einen See hinweg bereits beobachten. Rund 3500 Menschen mussten vom Campingplatz evakuiert werden.

Auch auf der Internetseite des Platzes steht: „Aufgrund des Feuers ist der Campingplatz als Vorsichtsmaßnahme vorübergehend geschlossen.“ Die betroffenen Urlauber wurden zu anderen Plätzen umgeleitet, erzählt Jessica H. Die erste Nacht verbrachte die Eimsbüttlerin mit ihren drei Kindern (14, 10, 8) und einer anderen Familie auf dem Parkplatz eines Supermarktes.

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Waldbrände in Frankreich: Mutter aus Hamburg und ihre Kinder mittendrin

Der 14-Jährige habe die Evakuierung zunächst für einen Witz gehalten. „Aber in den Augen der beiden Kleinen habe ich Panik gesehen“, sagt Jessica H. Die Kinder hätten den Ernst der Lage schnell verstanden. „Ich glaube, meine Stimme hat deutlich gemacht, dass wir uns beeilen müssen.“

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Drei Tage später verließ die Familie Frankreich. „Für uns ist der Platz wie ein zweites Zuhause, das meine Kinder jetzt verloren haben. Ich habe selbst meine Kindheit häufig dort verbracht. Wir fahren jedes Jahr dorthin.“ Teilweise seien sie direkt auf das Feuer und den Rauch zugefahren, ein unbeschreibliches Gefühl, sagt die Mutter.

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Waldbrände: Hamburgerin ruft zu Spenden auf

Nicht alle persönlichen Gegenstände konnte die Familie mitnehmen. „Es geht mir gar nicht um den materiellen Wert“, sagt Jessica H., „sondern um den emotionalen. Das Weihnachtsgeschenk meines Sohnes, die Hängematte, in der ich meine Tochter schon als Baby gewiegt habe, das ist alles da geblieben.“ Hoffnung, dass sie die Sachen wiederbekomme, habe sie kaum, obwohl das Feuer den Platz nicht erreicht hat und aktuell in eine andere Richtung zieht.

Doch der Hamburger Lehrerin geht es weniger um ihr eigenes Schicksal. Sie ruft zu Spenden für die Region auf. Nachdem sie selbst bereits an die Hilfsorganisation „Secours populaire français“ gespendet hat, ruft sie jetzt Bekannte und Kollegen dazu auf.

„Nach meiner Erfahrung sind die Urlauber auf La Gringe  zu 70 bis 80 Prozent Deutsche. Jahrelang haben wir hier die Infrastruktur genutzt, dann sollten wir jetzt der Region etwas zurückgeben“, sagt sie.

Während der drei Tage, die sie nach der Evakuierung noch in Frankreich ausgeharrt hat, habe sie eine einheimische Familie getroffen, die in den Flammen alles verloren habe. „Das Dach ihres Autos war komplett rußig“, erzählt sie. Wenn die Feuerwehr durch die Ortschaft gefahren seien, hätten die Leute geklatscht. „Das hat mich zu Tränen gerührt. Die Einsatzkräfte riskieren dort ihr Leben für die Region.“

Die Feuer im südlichen Frankreich haben zuletzt mehr als 42.000 Hektar zerstört, 220.000 Menschen mussten fliehen. Präsident Macron sprach von dem größten Brand seit dem Zweiten Weltkrieg.