Hammer Olympia-Held Ludger Weeke rechnet ab: „Schmutzfinken haben uns Bronze geraubt"
Stand: 28.07.2026, 18:00 Uhr
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Ludger Weeke führte 1976 in Montreal mit der deutschen Wasserball-Nationalmannschaft gegen Italien mit 3:1. Dann verwies ein sowjetischer Schiedsrichter drei deutsche Spieler vom Feld – darunter das Rote Erde-Gesicht selbst.
Hamm – In seinem persönlichen, fein eingerichteten Archiv fallen die glänzenden Medaillen sofort ins Auge. Ludger Weeke hat schließlich nach seiner aktiven Zeit als einer der erfolgreichsten Wasserballer der Stadt die Badekappe nicht zur Seite gelegt. Der 77-Jährige fährt seit 2000 mit den Mastern zu den Deutschen Meisterschaften, von denen er jüngst aus Hamburg mit dem Düsseldorfer SC einen weiteren Titel in der Altersklasse 70 mit nach Hause brachte. Selbst Europa- und Weltmeisterschaften gehören bis heute fest zu seinem Terminplan. Etliche Auszeichnungen in goldener, silberner oder bronzener Ausführung reihen sich an der Wand auf. Aber so stolz der Meisterspieler des SC Rote Erde auf seine Sammlung auch ist, noch heute sieht er ein Kapitel seiner Karriere unvollendet – und schiebt das den Schiedsrichtern in die Schuhe. Anders als seine Sportkameraden beziffert Weeke nicht einen Gegenspieler als größten Rivalen – er sieht den Unparteiischen, der eigentlich im Wasser für Gerechtigkeit sorgen und unparteiisch auftreten soll, als ärgsten Gegner. „Das waren ziemlich böse Buben, die uns zum Teil richtig verpfiffen haben“, sagt der viermalige deutsche Wasserballmeister.
Wasserball-Ass Ludger Weeke fehlt die Olympia-Medaille
Mit 16 Jahren gab Weeke, der zuvor schon äußerst erfolgreich im Schwimmen und da sogar Teil der Junioren-Nationalmannschaft gewesen war, sein Debüt in der ersten Mannschaft von Rote Erde. Mit Benno Strasser, Lajos Nagy, Heinrich Kleimeier, Charly Berg, Anton Hoffmeister und Dieter Buchbinder hatte er gleich mehrere Olympioniken als Teamkollegen, die er anfangs teilweise noch siezen musste. Doch das änderte sich schnell, als Weeke im Wasser zeigte, was er draufhatte. „Ich war ein äußerst wendiger und schneller Spieler“, folgte für ihn schnell das erste von insgesamt 180 Länderspielen und schließlich 1968 die erste von drei Olympia-Teilnahmen an den Sommerspielen in Mexiko-Stadt. Ein Jahr später gewann Weeke, der früher aufgrund seiner langen und verfilzten Haare den Spitznamen „Filz“ verpasst bekam, im Jahnbad vor 3000 Zuschauern Meisterschaftstitel Nummer eins mit Rote Erde.
Die Serie
In unserer Serie „Der härteste Gegner“ treffen Kontrahenten aus dem Amateursport aufeinander. Es geht um Leidenschaft, alte Geschichten, Respekt und Rivalität, die über den Wettkampf hinausgeht.
Teil 1: Manfred Kalippke
Teil 2: Lucas Karschau
Teil 3:Martin Köchling
Teil 4:Marcel Kirsch
Teil 5: Tim Neumann
Teil 6:Jochen Lang
Teil 7:Ludger Weeke
So erfolgreich es für den Hammer auf nationaler Ebene lief, bei den insgesamt drei olympischen Teilnahmen war ihm nie ein Platz unter den ersten drei Teams der Welt vergönnt. 1972 ließ Weeke mit der Nationalmannschaft beim Heimspiel in München die Wasserballmächte Italien und Jugoslawien hinter sich, musste sich aber am Ende mit dem vierten Platz begnügen. „Die Chance war da, wir waren nah dran“, ärgert sich Weeke noch heute. Vier Jahre später, im kanadischen Montreal, wollte die Bundesrepublik Deutschland (BRD) zurückschlagen. „Wir waren erheblich besser als 1972, aber wir sind schön vorgeführt worden“, zielt Weeke nicht auf den Kontrahenten aus Italien ab, gegen den das Team in der Endrunde mit 3:1 in Führung lag, sondern auf den Schiedsrichter aus der Sowjetunion, der nach zwei Vierteln bereits drei deutsche Leistungsträger des Feldes verwiesen hatte – inklusive Weeke. „Ein Italiener schlug mir über Wasser auf der Zwei-Meter-Linie mit der Faust ins Gesicht, eroberte den Ball und warf. Im Konter habe ich ihm dann einen verpasst, das hat der Schiedsrichter allerdings gesehen“, musste Weeke vom Beckenrand tatenlos mitansehen, wie die dezimierte deutsche Truppe den Vorsprung aus der Hand gab und die Begegnung mit 3:4 verlor. Aus der Traum.
Das Studium muss für den Sport pausieren
Die Italiener freuten sich später über Silber, die BRD wurde Sechster. „Wir Studenten haben ein Semester ausgesetzt, unheimlich viel investiert, und dann kommen diese Schmutzfinken und pfeifen uns raus“, hadert Weeke, der seit 1961 Mitglied des SC Rote Erde ist. „Wir waren da wirklich richtig gut. Bronze war drin.“

Jahre später glaubt Weeke, eine Erklärung gefunden zu haben, wieso die Referees ihn sich so häufig benachteiligt fühlen ließen. „Bei den Schiedsrichtern muss man eine Anerkennung haben“, meint er. „Das hatten die Italiener, die Ungarn, die Russen, die Jugoslawen. Die ganze Fina-Spitze (Anm. d. Red.: bis 2022 Fédération Internationale de Natation, jetzt World Aquatics) bestand aus diesen Leuten, da war kein Deutscher dabei. Wir hatten nie diese Lobby.“
Mittlerweile kann Weeke, der noch immer vier- bis fünfmal in der Woche 1500 Meter im Freibad schwimmt und zweimal ins Fitnessstudio geht, gefasst über die damalige Zeit sprechen – doch die Olympia-Medaille fehlt in seiner Sammlung. Bis heute.