„Hätten wir vor einem Jahr tun sollen“: Australien impft Tausende Zwergpinguine
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Es ist eine wahre logistische Herausforderung: Diese Woche haben Wildtier-Ranger damit begonnen, im australischen Bundesstaat Victoria mehr als 5000 Zwergpinguine gegen das hochgefährliche Vogelgrippevirus H5N1 zu impfen. Betroffen sind die Pinguinkolonien auf Phillip Island, südöstlich von Melbourne, sowie im Stadtvorort St. Kilda – insgesamt wird die Population auf rund 40.000 Tiere geschätzt. Nach Angaben der Regierung des Bundesstaates handelt es sich um das bislang umfangreichste Impfprogramm für Wildvögel.

Bereits wenige Tage vor dem geplanten Impfstart mussten die Verantwortlichen jedoch einen herben Rückschlag verkraften: Ein Zwergpinguin auf Phillip Island war nachweislich an der Vogelgrippe verstorben – allerdings auf der anderen Seite der Insel und nicht am Ort der bekannten abendlichen „Pinguin-Parade“, bei der jedes Jahr mehr als 700.000 Besucherinnen und Besucher zusehen können, wie die Tiere vom Ozean zu ihren Erdhöhlen watscheln.
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Die winzigen Zwergpinguine (Eudyptula minor) sind mit etwa 30 Zentimetern Körpergröße und einem Gewicht von bis zu 1,5 Kilogramm die kleinste Pinguinart der Welt. Sie bevölkern die Südküsten Australiens sowie Tasmanien und Neuseeland. „Da viele Pinguine auf engem Raum in Kolonien zusammenleben, kann ihnen das hoch ansteckende Virus große Probleme bereiten“, schreibt Julie Old, außerordentliche Professorin für Biologie, Zoologie und Tierwissenschaften an der Western Sydney University, auf der Wissenschaftsplattform „The Conversation“.
Eine Modellierung der Regierung vom Mai 2025 warnte, dass in einem Worst-Case-Szenario zwischen 8000 und 16.000 Tiere der Kolonie auf Phillip Island sterben könnten – und davor, dass eine Impfung nach dem ersten Virusnachweis auf der Insel möglicherweise zu spät kommen könnte.
James Todd, Chief Biodiversity Officer von Victoria, verteidigte den Zeitplan gegenüber dem australischen Sender ABC trotzdem: Man halte sich an die Empfehlungen von Experten und wolle „so schnell und sicher wie möglich“ vorgehen. Kritischer sah das Jack Gough vom Invasive Species Council: Phillip Island sei zwar „wahrscheinlich der bestvorbereitete Ort in ganz Australien“, doch in seinen Augen hätten die Behörden noch mal schneller auf die Ankunft von H5N1 reagieren können. Das Virus habe ja schließlich weltweit bereits erhebliche Schäden bei Wildtierbeständen angerichtet. „Eigentlich ist das etwas, das wir schon vor einem Jahr hätten tun sollen“, sagte er.
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Pinguine brauchen sogar noch Auffrischungsimpfung
Wildtiere zum Impfen einzufangen, gilt üblicherweise als wenig praktikabel – vor allem deshalb, weil die meisten Impfstoffe zwei Dosen im Abstand von mehreren Wochen brauchen und die Tiere deshalb zweimal eingefangen werden müssen. Zwergpinguine stellen nach Aussage von Julie Old jedoch eine Ausnahme dar: Sie sind flugunfähig, leben in stabilen Kolonien und kehren nachts zuverlässig in dieselbe Erdhöhle zurück.
Hinzu kommt, dass die Tiere der Pinguin-Parade an Menschen gewöhnt sind und nach vorhersehbaren Mustern unterwegs sind, was das Einfangen vereinfacht. Im Fall der Zwergpinguine auf Phillip Island leiten die Behörden die Vögel abends, wenn sie aus dem Meer kommen, in einen bestimmten Bereich, impfen sie dort und versehen sie mit einem Chip, bevor sie dann zu ihrer Höhle weiterwatscheln dürfen.
Die Antwort darauf, warum es eine zweite Impfung braucht, liegt im Immunsystem selbst: Beim ersten Impftermin lernt der Körper, das Virus zu identifizieren, und bildet sogenannte B-Gedächtniszellen aus. Wenn dann wenige Wochen später die Auffrischung kommt, werden diese Zellen wieder aktiviert und die Produktion von Antikörpern hochgefahren – das wiederum macht es wahrscheinlicher, dass eine Ansteckung bereits in frühen Stadien bekämpft wird, wie Julie Old in ihrer Analyse bei „The Conversation“ erklärt.
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Landesweit ist die Situation angespannt: Seit H5N1 im Juni erstmals auf dem australischen Festland entdeckt wurde, ist das Virus mittlerweile in sämtlichen Bundesstaaten nachgewiesen worden, in Victoria, New South Wales, Westaustralien, Queensland, Südaustralien und Tasmanien.
Laut einer gemeinsamen Auswertung von Regierung, Charles Darwin University und BirdLife Australia ist inzwischen etwa jede fünfte der über 2000 untersuchten heimischen Arten auf der Liste der extrem, sehr hoch oder hoch gefährdeten Spezies. Neben Vögeln können auch Säugetiere an der Vogelgrippe verenden, darunter Seelöwen, Beutelmarder und der Tasmanische Teufel.
Neuseeland impft mittlerweile auch bedrohte Vögel in Gefangenschaft wie den Kakapo, während australische Zoos damit beispielsweise den Warzenhonigfresser schützen wollen. Julie Old warnt aber davor, Impfstoffe als Patentlösung zu sehen: Nicht alle Tiere lassen sich erreichen, und das Virus wird sich weiterentwickeln – ähnlich wie damals bei Covid‑19. Deshalb brauche es parallel dazu weitere Maßnahmen, um die Tiere vor zusätzlichen Gefahren zu bewahren, wie etwa vor invasiven Raubtieren.