Haushalt 2026 verabschiedet: „Katastrophe„ oder „Augenmaß“? Neuer Haushalt spaltet Stadtrat Saarlouis
Haushalt 2026 verabschiedet „Katastrophe" oder „Augenmaß"? Neuer Haushalt spaltet Stadtrat Saarlouis
Saarlouis · Der Stadtrat von Saarlouis hat dem neuen Haushalt für 2026 mehrheitlich grünes Licht gegeben. Über den Entwurf der Verwaltung gab es jedoch zuvor kontroverse Ansichten. Wie darüber abgestimmt wurde und für was die Fraktionen trotzdem Lob übrig hatten.
24.09.2026 , 13:53 Uhr
Der Stadtrat Saarlouis hatte am Mittwochabend den Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 zu beschließen.
Foto: Nicole Bastong
„Einen soliden Haushalt, trotz der sehr schwierigen Herausforderungen“ konnte der Saarlouiser Finanzbürgermeister Carsten Quirin am Mittwochabend im Saarlouiser Stadtrat vorstellen. Der Entwurf der Satzung für 2026 ist trotz des fortgeschrittenen Jahres ausdrücklich „der Soll-Zustand – wie es am Ende wirklich aussieht, sehen wir dann“, erläuterte Quirin. So habe die Stadt im Vorjahr „viel Glück gehabt“ mit einer unerwartet hohen Gewerbesteuer, die eine dicke Nachzahlung von Ford enthielt. So endete das Jahr 2025 überraschend mit einem Überschuss von rund 7,85 Millionen Euro statt mit einem Defizit von rund 17,79 Millionen Euro (die SZ berichtete).
Das passiert so natürlich nicht jedes Jahr. Aber der unverhoffte Überschuss hilft, das sehr dicke Minus in diesem Jahr abzufedern. Ein Defizit von 37,2 Millionen Euro weist der Ergebnishaushalt 2026 auf, das nur gedeckt werden kann, indem die Rücklagen aufgebraucht werden.
Saarlouis kann investieren trotz dickem Minus im Haushalt
Gut 55,4 Millionen Euro will Saarlouis dennoch investieren, der große Teil davon steht schon länger im Investitionsplan und ist noch nicht umgesetzt worden. Positiv sei es, dass man so viel investieren könne, vieles komme den Vereinen zu Gute, hob Quirin hervor. „In anderen Kommunen gibt es Diskussionen über Schließungen, da sind wir hier anders unterwegs“, meinte Quirin zufrieden, Saarlouis investiere „zielgerichtet in die Zukunft“.
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Foto: AP Photo/Heather Khalifa/Heather Khalifa
„Zustimmungswürdig“ nannte Johannes Falk, Grüne, die vorgelegte Haushaltssatzung. Auch der Stellenplan sei „nachvollziehbar“, Falk regte aber für die kommenden Jahre ein „nachhaltiges Personalkonzept“ an. Er erwarte außerdem, dass im nächsten Haushalt 2027, der hoffentlich auch früher im Jahr vorliege, mehr Maßnahmen zum Hitzeschutz umgesetzt würden.
Maßnahmen für Feuerwehr und Vereine geplant
„Wir sehen, dass es in Saarlouis trotz schwieriger Rahmenbedingungen vorangeht!“, erklärte Raphael Schäfer, CDU-Fraktionsvorsitzender, zum Haushalt 2026. Mit der „schlechten wirtschaftlichen Gesamtsituation“ müsse man zurechtkommen. Dennoch könne man ein Investitionsvolumen von insgesamt 55 Millionen Euro vorweisen. Dabei hob Schäfer einige Maßnahmen hervor: Beim Neubau der Feuerwache Lisdorf „lohnt sich jeder Euro“; sehr viel Geld fließe in Krippen und Kitas. Die Sanierung der Kulturhalle Roden und anderer Sportstätten zeige, „dass wir das Thema Sportstadt Saarlouis sehr ernst nehmen“. Mit Dorfgemeinschaftshäusern wie in Lisdorf und perspektivisch in Beaumarais entstünden zudem neue Treffpunkte für Vereine. „Wir haben genügend Mittel, um zu bauen, jetzt müssen wir es auch umsetzen“, forderte Schäfer.
Die hohen Investitionen in die Feuerwehr und in Schulen, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzender Andreas Julien, „zeigen, dass wir als Rat ganz deutlich unterstützen“. Auch die Investitionen in Sport sowie Kinder und Jugend setzten „ein klares Zeichen“. Zum Stellenplan erklärte Julien: „Ja, es ist eine gravierende Steigerung des Etats, aber diese ist zu sehr großen Teilen auf externe Faktoren zurückzuführen, etwa Tarifsteigerungen.“ Man müsse dennoch „Stellen schaffen, die notwendig sind“, als Beispiel nannte er die neue Ehrenamtsbeauftragte der Stadt. In Anbetracht der „angespannten Finanzlage“ forderte Julien, in 2027 „weiterhin sparsam, verantwortungsbewusst und mit Augenmaß zu handeln“.
Unterschiedliche Meinungen zum Haushaltsentwurf
„Ein Minus von 37 Millionen Euro – wie geht das denn?“, fragte Altomaro Locurcio (FWG) hingegen, „völlig verblüfft“ habe er zudem feststellen müssen, dass Saarlouis Zuschüsse und Förderung verloren gegangen sei, weil Projekte nicht umgesetzt worden seien. Angesichts eines steigenden prognostizierten Defizits erklärte er, bei deutlicher Überziehung seiner Redezeit: „Dieser Haushalt ist eine Offenbarung, eine Katastrophe!“ Seine „pauschale Kritik“ ärgerte wiederum Tim Flasche, CDU: „Sie haben nicht eine einzige Änderung am Haushalt vorgeschlagen!“
Der Stellenplan, die Haushaltssatzung für 2026 und die Fortschreibung des Investitionsprogrammes 2025 bis 2029 wurden mehrheitlich beschlossen, bei einer Gegenstimme der FWG und vier (wortlosen) Enthaltungen der AfD. (pte)