Hautpilz, Klimawandel und Co.: So soll der Feuersalamander in Deutschland vor dem Aussterben bewahrt werden


Stand: 13.07.2026, 14:23 Uhr

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Auch die Larven von „Lurchi“ werden von der sächsischen Forschungsallianz unter die Lupe genommen.

Auch die Larven von „Lurchi“ werden von der sächsischen Forschungsallianz unter die Lupe genommen. © Senckenberg

Der Feuersalamander in Deutschland ist vom Aussterben bedroht: Der Klimawandel, ein Hautpilz und natürlich der Mensch machen ihm zu schaffen. Ein Projekt der Senckenberg Gesellschaft in der Sächsischen Schweiz will die Art bewahren.

Frankfurt – Der Feuersalamander ist ein typischer Bewohner der feuchten Laub- und Mischwälder und zeigt sich nur selten. In Hessen findet man die schwarz-gelben Amphibien vor allem im Vogelsberg oder im Kellerwald-Edersee-Gebiet. Die nachtaktiven Tiere bevorzugen Bachufer, schattige Quellen und moosbedeckte Senken, wo ihre Larven in klarem Wasser aufwachsen und geschützt gedeihen. Berühmt geworden ist der Feuersalamander auch durch die Werbefigur „Lurchi“, die Generationen von Kindern in die geheimnisvolle Welt der Salamander und anderer Lurche einführte.

Ein Feuersalamander-Jungtier aus der Sächsischen Schweiz.

Ein Feuersalamander-Jungtier aus der Sächsischen Schweiz. © Senckenberg

„Doch hinter der liebenswerten Fantasiefigur steckt eine echte Art, deren Schutz in Deutschlands Wäldern weiterhin höchste Priorität hat“, erklärt PD Dr. Raffael Ernst von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden. „Neben dem Verlust seiner Lebensräume setzt dem Feuersalamander zunehmend der Klimawandel zu: Lange Trockenperioden lassen Gewässer austrocknen, während Starkregen die jungen Larven wegspült. Hinzu kommt ein gefährlicher Hautpilz, die sogenannte ,Salamanderpest‘ (Batrachochytrium salamandrivorans, kurz BSal), der sich von Westen nach Deutschland ausbreitet, ganze Populationen auslöschen kann und das empfindliche ökologische Gleichgewicht in den Wäldern stört.“

Zu den Autoren

PD Dr. Raffael Ernst ist Herpetologe bei Senckenberg in Dresden. Er forscht seit vielen Jahren zu Reptilien und Amphibien und deren Schutz. Dabei verbindet er wissenschaftliche Expertise mit praxisnahen Naturschutzprojekten.

Judith Jördens leitet die Pressestelle und den Bereich Social Media der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung mit Hauptsitz in Frankfurt.

Gemeinsam für den Feuersalamander

Deutschland trägt beim Schutz der Tiere eine besondere Verantwortung: Ein großer Teil der weltweiten Population lebt hierzulande. In Sachsen konzentriert sich der Schwerpunkt auf die Sächsische Schweiz. „Bundesweit steht der Feuersalamander auf der Vorwarnliste, in Sachsen gilt er bereits als stark gefährdet“, erklärt Ernst. „Die entscheidende Frage lautet daher: Wie kann der Feuersalamander nachhaltig geschützt werden?“

Eine sächsische Forschungsallianz von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, der Universität Leipzig sowie von Senckenberg hat es sich zum Ziel gesetzt, zur Erhaltung der Art beizutragen. Hierfür dokumentieren die Forscher Vorkommen, schließen Erfassungslücken und erstellen statistische Verbreitungsmodelle. Um die historische Verbreitung in Sachsen zu rekonstruieren und in Modelle einfließen zu lassen, nutzen sie hierbei auch die Senckenberg Forschungssammlungen und alte Handkataloge. Die so generierten Modelle liefern Hinweise zum Auffinden bisher nicht dokumentierter Populationen und auf Gebiete, die durch gezielte Maßnahmen als Lebensraum aufgewertet werden können, oder die sich, im Falle von erloschenen Populationen, gar als Wiederansiedlungsgebiete eignen. Gemeinsam mit Naturschutzbehörden wurde zudem ein Notfallplan für einen potenziellen Ausbruch der „Salamanderpest“ entwickelt und bestehende Schutzmaßnahmen wurden intensiviert.

Fotos machen Hoffnung

Im Bürgerwissenschaftsprojekt „Feuersalamander, wo bist Du?“ können alle Bewohner Deutschlands ihre Sichtungen aus der Sächsischen Schweiz ganz einfach melden, entweder direkt vor Ort mit dem Smartphone oder bequem von zu Hause am Computer. Bereits über 200 Fotomeldungen sind im Rahmen des von der Forschungsallianz initiierten Projekts eingegangen. „Um den Feuersalamander besser erforschen und somit schützen zu können, sind diese Daten unverzichtbar. Jeder Feuersalamander trägt sein eigenes Muster aus Flecken, Streifen und Schecken – so einzigartig wie ein menschlicher Fingerabdruck. Ein einmal fotografiertes Tier lässt sich deshalb zuverlässig wiedererkennen“, erklärt Ernst. „Und was uns besonders freut: In der Nationalparkregion konnte bislang kein Nachweis des tödlichen Hautpilzes erbracht werden – die Fotos zeigen gesunde Feuersalamander. Auch die im Projekt gesammelten umfangreichen Hautabstrichproben waren bislang ausnahmslos negativ auf den tödlichen Salamanderfresserpilz.“

Die Sporen des für den Salamander gefährlichen Hautpilzes können direkt von Tier zu Tier oder passiv durch Menschen, andere Tiere oder kontaminierte Gegenstände wie Wanderstiefel und Ausrüstung verbreitet werden. „Um die Ausbreitung zu verhindern, raten wir, speziell innerhalb von BSal-Endemiegebieten oder wenn man zuvor ein solches besucht hat, dringend davon ab, Gewässer zu betreten oder Hunde ins Wasser zu lassen. Idealerweise sollten Schuhe und Ausrüstung vor einer geplanten Wandertour gewechselt oder desinfiziert werden. Auch sollten Feuersalamander nicht angefasst werden, um eine Übertragung des Erregers zu vermeiden“, gibt der Dresdner Herpetologe praktische Hinweise.

Wer die schwarz-gelben Waldbewohner beobachtet und ihre Lebensräume schützt, sorgt dafür, dass der Feuersalamander auch künftige Generationen fasziniert – und das nicht nur im Comic „Lurchi“.