Hazel Brugger: "Ich mache einfach gern Quatsch" - DWDL.de
Hazel Brugger, so als alte „LOL“-Häsin – was hat in fünf Einsätzen mehr Spaß gemacht – viermal als Kandidatin vorm Buzzer herumzuhampeln oder ihn jetzt selbst drücken zu dürfen?
Nicht lachen zu dürfen, ist für mich eine der größten Qualen überhaupt. Unterbewusst muss mir zwar auch das irgendwie Spaß machen, sonst wäre ich ja nicht viermal dabei gewesen. Aber Getriebene seiner Gesichtsmuskulatur zu sein, ist eher anstrengend als lustig. In meiner neuen Rolle bei „LOL Next“ bin ich jetzt dagegen so ein bisschen wie Gott. Schon auch geil. Aber Leute zu eliminieren, denen ich in der Sendung eigentlich gern weiter zugesehen hätte, empfand ich als erstaunlich unlustig.
„LOL“ ist also nur fürs Publikum wirklich ein Spaß?
Kann man so sagen.
Was ist denn dann als Protagonistin beider Seiten herausfordernder: Andere Comedians zum Lachen zu bringen oder selbst nicht über sie zu lachen?
Nicht lachen ist wirklich schwierig, das tut ungelogen körperlich weh.
Was machen die Content-Creator genannten Internet-Comedians der Next-Staffel, die ja oftmals Autodidakten ohne Bühnenpraxis sind, anders als die analogen Profis der ersten neun Staffeln?
Viele von ihnen sind das Auftreten vor Leuten spürbar nicht gewohnt. Die machen halt vieles allein zuhause mit sich und dem Smartphone. Deshalb war es aber auch krass zu sehen, dass sie zugleich als Regisseure, Kameraleute, Lichttechniker agieren, die genau wissen, wie man sich perfekt inszeniert. Content-Creator denken von Beginn an szenisch, nicht programmatisch. Das ist für dieses Format perfekt. Wenn du für ein Handy performst, lacht es ja auch nicht. Für Bühnenkomiker dagegen ist es zutiefst verstörend, wenn das Publikum schweigt.
Wer das allerdings sogar noch besser beherrscht als alle Komiker, war…
… Susanne Daubner.
Die hier eine „Tagesschau“ nur mit Jugendsprache präsentiert.
Wahnsinn, oder? Als sie sich in einer anderen „Chaya“ nannte, ist das Internet explodiert vor Lachen. Gut, dass ich das ungehindert tun durfte, als sie jetzt bei „LOL“ aufgetreten ist. Ich fand aber auch die anderen sehr witzig und widerstandsfähig. Man muss bedenken: viele davon haben sich nicht auf der Ochsentour über winzige Bühnen die Hornhaut echter Comedians angeeignet.
Wie reagieren Sie denn auf Stille im Publikum?
Indem ich mich darüber amüsiere, wie leid ich mir in dem Moment tue. Das kann ich mir lustig imaginieren. Scheitern gehört dazu. Man sollte sich zu jedem Zeitpunkt des Lebens offen dafür zeigen, ein Niemand zu sein. Etwas gesunder Selbsthass gehört auf jede Comedybühne. Auch auf die von "LOL".
Das ist offenbar ein richtiges Familienevent geworden. Darin sehe ich eine riesige Chance des Formats.
Was ist dessen Erfolgsgeheimnis – die explizite Harmlosigkeit der Witze, in denen es anders als beim politischen Kabarett niemals um Politik, Krisen, Trump oder Merz geht?
Das kann schon sein. Ich werde jedenfalls oft von Kindern zwischen acht und zwölf auf "LOL" angesprochen. Das ist offenbar ein richtiges Familienevent geworden. Darin sehe ich eine riesige Chance des Formats. Nicht nur für Amazon, sondern auch für die Teilnehmenden, wieder mal alle anzusprechen, von jung bis alt.
Also schon auch eskapistisch?
Eher allgemeinverständlich und zeitlos, würde ich sagen. Du kannst "LOL" geschnitten oder am Stück gucken, eine Folge heute, die andere 2027. Wenn man nicht ständig auf aktuelle Ereignisse eingeht, ist das Format fast so ein bisschen für die Ewigkeit.
Sie selbst machen ja auch eher alltägliche als politische Comedy, oder liest man da einfach nicht sorgfältig genug zwischen den Zeilen?
Humor ist halt genauso politisch wie das Leben an sich. Politik ist nichts, was oben über der Gesellschaft steht, sondern mittendrin ist. Dennoch würde ich mich natürlich nicht als politische Kabarettistin betrachten und finde es wirklich erfreulich, mit meiner subjektiv erlebten Alltäglichkeit so viele Menschen unabhängig voneinander zu erreichen.
Für „Die Anstalt“ reicht es aber trotzdem ab und zu. Könnten Sie noch politischer sein, wenn Sie wollten?
Interessant, die Frage hab‘ ich mir bislang noch gar nicht gestellt. Da plädiere ich für Arbeitsteilung. Andere können besser politisches Kabarett, ich mache einfach gern Quatsch.
Ist das die beste humoristische Exit-Option in einer Zeit, die gerade mit vollem Ernst auf katastrophale Kipp-Punkte zusteuert?
Ein nicht zu vernachlässigend großer Teil der Gesellschaft fühlt sich von ihr abgehängt oder möchte unbedingt andere abhängen. Da würde es mir jedenfalls zusehends schwerfallen, darauf mit Humor, also Spaß, zu blicken.
Ich möchte mir meine Insel der unterhaltsamen Freiheit einfach von niemandem kaputt machen lassen.
Wenn alles noch drastischer würde, mit AfD-Regierungen zum Beispiel: Würden Sie dann erst recht alltägliche Comedy machen oder doch irgendwann politischere?
Ich hoffe so sehr, mir diese Frage nicht irgendwann auch selbst stellen zu müssen. Aber wenn es so käme, könnte ich meine Arbeit splitten – also einerseits bei unpolitischer Comedy bleiben, andererseits journalistisch arbeiten. Allerdings strikt getrennt voneinander. Ich möchte mir meine Insel der unterhaltsamen Freiheit einfach von niemandem kaputt machen lassen.
Dann machen wir an dieser Stelle doch noch ein bisschen Gossip, okay?
Oh ja, bitte. Hau raus!
Sie sind mit einem Poetry-Slammer verheiratet. War das für Sie als Poetry-Slammerin die einzige Option, um zusammenleben und gemeinsame Kinder haben zu können?
Das impliziert fast so einen Poetry-Slam-Zucht-Gedanken (lacht). Ich glaube einfach nicht daran, dass sich Gegensätze anziehen und bin deshalb lieber mit jemandem zusammen, der mich nicht nur versteht, sondern physisch nachfühlen kann. Wichtig ist nur, dass man sich dabei genügend Raum zur eigenen Entfaltung gibt. Und dass bei ähnlichem Beruf kein Konkurrenzdenken entsteht.
Lachen Sie Probleme mitunter gemeinsam weg, anstatt sie zu lösen?
Im Gegenteil: Weil wir beide wissen, Probleme gegebenenfalls einfach weglachen zu können, diskutieren wir zuhause meist sehr kontrovers und sachlich. Mein Mann ist aber definitiv besser darin, Dinge beim Namen zu nennen und Klartext zu reden. Was uns aber beide eint: Wir nehmen Humor sehr ernst.
"LOL Next" läuft bei Prime Video