Heiße Temperaturen und Zuckertüte: Schulanfang in Ostdeutschland
Der kleine Noah war der erste seiner Klasse, der strahlend seine heiß ersehnte Zuckertüte in Empfang nahm. Er besucht ab Montag die Klasse 1c der Plauener Karl-Marx-Grundschule, mit knapp 380 Schülern eine der größten Grundschulen im Freistaat Sachsen. Die Besonderheit: Schulleiterin Undine Schneider hat vor Jahren die Tradition begründet, dass die Zuckertüten in dieser Bildungsstätte von der Plauener Berufsfeuerwehr gebracht werden.
„Ich freue mich sehr und bin echt dankbar, dass die Feuerwehrleute das auch in diesem Jahr eingerichtet haben - schließlich sind die seit Tagen im Großeinsatz wegen des Waldbrandes im ‚Schwarzen Holz'. Umso schöner ist es, dass wir diesen schönen Brauch trotzdem beibehalten konnten“, dankte sie den beiden Berufsfeuerwehrleuten, die mit dem großen Drehleiter-Fahrzeug auf den Hof der Grundschule gefahren waren.
Schulleiterin Undine Schneider hatte vor der Übergabe der Zuckertüten an die Kinder in der Turnhalle zur festlichen Schulanfangsfeier eingeladen, mit einem Programm der künftigen Klasse 3.
© Ingo Eckardt
Und so leuchteten die Augen der Kinder, als sie die prall gefüllten spitzen Tüten von ihren Lehrerinnen entgegennehmen konnten. Die umstehenden Eltern kamen gar nicht nach, Handybilder ihrer eingeschulten Sprösslinge zu machen. Zuvor gab es eine Schulanfangsfeier in der Turnhalle der Schule, bei der die Schulleiterin den Eltern ins Gewissen redete, in dieser Zeit der Veränderung ihren Kindern nicht nur eine volle Zuckertüte, sondern auch viel Zeit zu schenken. Etwa die Hälfte der aufgenommenen Erstklässler hat dieses Jahr einen Migrationshintergrund.
Weniger Schüler, mehr Lehrer: So startet das Schuljahr
Für rund 37.700 Erstklässler – und damit für etwa 700 weniger als vor einem Jahr – wird in Sachsen heuer der „Ernst des Lebens“ beginnen. In Sachsen-Anhalt rechnet man mit etwa 17.800 Kindern (minus 1.100) und in Thüringen mit knapp 17.000 ABC-Schützen (minus 800), die ab Montag in die erste Klasse gehen werden. Damit setzt sich die negative Entwicklung der Kinderzahlen nun auch in den Grundschulen fort.
Das neue Schuljahr gehen im Freistaat Sachsen über alle Schulformen hinweg etwa 527.300 Schülerinnen und Schüler an. In Vorbereitung auf das kommende Schuljahr seien insgesamt 905 Lehrkräfte eingestellt worden, heißt es aus dem Kulturministerium. Darunter seien 157 sogenannte Seiteneinsteiger, die zum neuen Schuljahr vor der Klasse stehen.
Kultusminister Conrad Clemens (CDU) versprach, man werde den Unterrichtsausfall im neuen Schuljahr weiter senken. „Die größte Herausforderung bleibt die gerechte Verteilung der zur Verfügung stehenden Lehrerinnen und Lehrer auf ganz Sachsen. Ein Teil der jungen Lehrkräfte möchte ausschließlich in Leipzig arbeiten. Gleichzeitig sind wir verpflichtet, eine gute Unterrichtsversorgung im ganzen Freistaat zu gewährleisten. Das gelingt nur, wenn wir gemeinsam umdenken.“
Conrad Clemens (CDU), Kultusminister in Sachsen, sieht vor allem in der regionalen Verteilung von Lehrkräften eine große Herausforderung.
© Jan Woitas/dpa
Viele neue Lehrer in Sachsen-Anhalt und Thüringen
259.000 Schüler besuchen die Schulen in Sachsen-Anhalt. Zwar habe man mehr als 1200 Lehrer zum neuen Schuljahr eingestellt, dem stehen allerdings auch über 1000 Abgänge aus der Lehrerschaft der sachsen-anhaltinischen Schulen gegenüber. Noch mehr Neueinstellungen gab es sogar in Thüringen, wo das Kultusministerium von über 1350 neuen Lehrern berichtete, denen gut 930 Abgänge gegenüberstünden.
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen starten ebenso wie Schleswig-Holstein ab Montag ins neue Schuljahr, in Bremen und Niedersachsen läuft Schule bereits seit Donnerstag wieder. Die ersten Schüler, deren Ferien endeten, waren die Kinder und Jugendlichen im Saarland, in Rheinland-Pfalz und Hessen, die schon seit Montag wieder die Schulbank drücken. In Hamburg startet der Unterricht am kommenden Donnerstag wieder und in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern startet der Schulalltag wieder am 24. August.
Schulstart
Eine Schultüte macht noch keine Bildung – was von der POS hätte bleiben können
Polizei Sachsen startet Verkehrssicherheitskampagne
In den ersten Tagen des neuen Schuljahres werden verstärkt Verkehrskontrotten an Schulwegen und im Bereich von ÖPNV-Haltestellen durchgeführt.
© Daniel Bockwoldt/dpa
Am Montag, 17. August, startet mit Schuljahresbeginn auch dieses Jahr wieder die dreiwöchige Verkehrssicherheitsaktion „Die Schule hat begonnen“ in Sachsen. Bis 6. September wird es deshalb verstärkte Verkehrskontrollen vor Schulen, insbesondere vor Grundschulen, geben.
Neben Geschwindigkeitskontrollen im Bereich der Schulwege werde auch das korrekte Anschnallen der Kinder in den Fokus genommen, meldet die sächsische Polizei. Eine stärkere Verkehrsüberwachung ist auch an Haltestellen von Schulbussen und des ÖPNV geplant, vornehmlich würden die Bürgerpolizistinnen und Bürgerpolizisten der Polizeireviere hier die Kontrollen durchführen und Hinweise an Fahrzeugführer, aber auch an Schulkinder geben.
Lesen Sie mehr zum Thema