Schlankheitswahn: Warum dünne Körper wieder im Trend liegen
Publiziert14. August 2026, 07:24
Körperideale im Wandel«Heroin Chic» ist zurück – das steckt hinter dem Schlankheitswahn
Immer wieder werden wir online mit unterschiedlichen Körperidealen konfrontiert – ob schlank, muskulös oder besonders trainiert. Doch wer bestimmt eigentlich, welcher Körper als Ideal gilt? Und wie beeinflussen uns diese Vorstellungen?

Darum gehts
- Schlanke Körperideale gewinnen auf Social Media wieder an Sichtbarkeit – Begriffe wie «SkinnyTok» und «Heroin Chic» prägen die Debatte.
- Soziologin Monika Kritzmöller erklärt, Schlankheit gelte heute als Ausdruck von Kontrolle und Selbstdisziplin in einer Gesellschaft des Überflusses.
- Wer den eigenen Körper öffentlich zeige, begebe sich laut Kritzmöller in einen «Evaluationsraum», der das Selbstbild fragil machen könne.
Vor einigen Jahren war die Botschaft noch eine andere: Kurven zeigen, den eigenen Körper akzeptieren, sich nicht für seine Figur schämen. «Body Positivity» wurde zum Gegenentwurf zu einem Schönheitsideal, das jahrzehntelang vor allem eines verlangte: dünn zu sein.
Heute scheint sich der Blick erneut zu verschieben. Auf roten Teppichen, in sozialen Netzwerken und in der Influencer-Welt ist wieder eine Ästhetik präsent, die besonders schmale Körper idealisiert. Begriffe wie «Heroin Chic» und «SkinnyTok» tauchen auf, Abnehmmedikamente boomen und die Diskussion über Gewicht und Idealkörper verändert sich.
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Weltweit wird über schlanke Körperideale diskutiert
Besonders sichtbar wird die Entwicklung am aktuellen Beispiel von Ariana Grande. In ihrem Musikvideo «Petal» wird ein glamourös inszenierter, schlanker Körper gezeigt. Nutzerinnen und Nutzer diskutieren weltweit darüber, wie dünn die Sängerin aussieht und ob sie gesund sei.
Auch auf Tiktok und Instagram werden Vorher-Nachher-Bilder von Stars geteilt, Körper analysiert und teilweise problematisches Ess- und Abnehmverhalten normalisiert. Doch warum gewinnt ein schlanker Körper gerade wieder so stark an Sichtbarkeit? Und wer entscheidet, welcher Körper als «erstrebenswert» gilt?
Körper auf Social Media zeigen: wie eine «Infusion»
Inwiefern sich Körperideale verändern, hängt mit gesellschaftlichen Bedingungen zusammen, erklärt die Designsoziologin Prof. Dr. Monika Kritzmöller. Für sie greift die Diskussion über ein Comeback des Schlankheitsideals zu kurz. Sie unterscheidet zwischen dem jeweiligen Körperideal und der zunehmenden Bereitschaft, den eigenen Körper öffentlich zu zeigen und bewerten zu lassen.

«Wir werden automatisch zu Richtern», sagt Kritzmöller mit Blick auf Social Media. Wer seinen Körper öffentlich zeige, begebe sich in einen «Evaluationsraum», in dem andere liken, kommentieren und urteilen. «Menschen, die einen persönlich nicht einmal kennen, werden plötzlich wichtig für das eigene Selbstbild.» Kritzmöller vergleicht mit einer «Infusion»: «Man lässt sich die eigene Identität von aussen bestätigen. Das macht das Selbstbild enorm fragil.»
Schlankheitswahn als Antwort auf Überkonsum
Körperideale seien ein Ergebnis der jeweiligen gesellschaftlichen Situation. Im Barock habe ein wohlgenährter Körper Wohlstand und die Überwindung von Knappheit symbolisiert. «Heute leben wir in einer Gesellschaft des Überflusses.» Schlankheit könne deshalb als Ausdruck von Kontrolle verstanden werden: «Abwählen können – das wird gelobt und gefeiert.»
Für Kritzmöller ist deshalb klar: «Das Thema ist viel komplexer.» Es gehe darum, zu fragen: «Warum gilt dieser bestimmte Körper in dieser bestimmten Zeit als besonders erstrebenswert?» Zudem werde Body Positivity oftmals missverstanden: «Sie bedeutet eine wertschätzend anerkennende Haltung gegenüber der Individualität des eigenen Körpers – ob Nasenform, Augenfarbe oder Proportionen – nicht jedoch eine Legitimation von ebenfalls schädlichem Übergewicht.»
Wie gehst du mit den vielen Körperbildern um, die dir auf Social Media begegnen?
Ich folge nur Accounts, die Vielfalt zeigen und ein positives Körpergefühl vermitteln.
Ich versuche, mich nicht vergleichen zu lassen, und scrolle oft weiter.
Manchmal löst es ein schlechtes Gefühl aus, wenn ich mich mit anderen vergleiche.
Ich finde es inspirierend, wenn Leute ihre Fitness-Erfolge teilen.
Ich nutze Social Media kaum oder achte nicht auf solche Inhalte.
Ich poste selbst gerne Bilder von mir, um andere zu inspirieren.
Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine Essstörung?
Hier findest du Hilfe:
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Selina Keller (sek) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Redaktorin im Ressort Community
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