Verlängerung bis Januar?: Weihnachtsmarkt Trier: Das sind die Regeln für den Neustart 2027


Verlängerung bis Januar? Weihnachtsmarkt Trier: Das sind die Regeln für den Neustart 2027

Trier · Holzhütten und traditionelle Optik sollen bleiben, bei Örtlichkeit, Datum und Kosten sind Änderungen geplant. Außerdem will Trier künftig am Gewinn des Weihnachtsmarkts beteiligt sein.

14.08.2026 , 07:26 Uhr

Der Trierer Weihnachtsmarkt zählt zu den schönsten Deutschlands. 2027 wechselt der Veranstalter – was bleibt, was geht?

Foto: Foto: Werner Hardt

Ende einer Ära: Nach mehr als 45 Jahren organisiert die Schaustellerfamilie Bruch aus Andernach bei Koblenz 2026 zum letzten Mal den Trierer Weihnachtsmarkt. Trier muss nun nach einem neuen Ausrichter suchen. Was bleibt? Was ändert sich? Die Stadt hat dafür erste Kriterien festgelegt.

Schließlich ist der Weihnachtsmarkt eine der ältesten und traditionsreichsten Veranstaltungen der Stadt. Der Markt bedeutet nicht nur den Trierern viel – wer hat dort nicht schon schöne Stunden mit Freunden und Familie verbracht? Er zieht Zehntausende Touristen und Besucher an, die auch in Restaurants, Hotels und Geschäften ihr Geld ausgeben und Trier als Reiseziel kennenlernen.

Hauptmarkt und Domfreihof bleiben – Brunnenhof kommt dazu

Dass der Markt erfolgreich weitergeführt werden muss, darüber herrscht daher größte Einigkeit. Wie das gelingen soll, hat die Stadt nun in einem Grundlagenpapier festgelegt. Entwickelt werden soll daraus eine öffentliche Ausschreibung, auf die Veranstalter sich dann bewerben können.

Hier die wichtigsten Aspekte daraus:

Örtlichkeit Auch ab 2027 soll der Trierer Weihnachtsmarkt auf Hauptmarkt und Domfreihof stattfinden – „gegebenenfalls“ allerdings auch im Brunnenhof an der Porta Nigra, heißt es in dem Grundlagenpapier aus dem Rathaus. Eine grundsätzliche Ausweitung zum Beispiel auf Simeon- oder Fleischstraße – wie es schon mal angedacht war – soll es also offenbar nicht geben. Im Brunnenhof hatte in den vergangenen Jahren der Sterntaler-Weihnachtsmarkt des Kunst- und Kulturvereins Kulturkarawane stattgefunden, allerdings immer nur ein Wochenende lang.

Falls der neue Betreiber des großen Trierer Weihnachtsmarkts den Brunnenhof ebenfalls bespielen will, müsse sich das dortige Angebot „markant vom klassischen Weihnachtsmarkt auf Hauptmarkt und Domfreihof unterscheiden“, heißt es im Grundlagenpapier. Das wäre eine echte Neuerung.

Trierer Weihnachtsmarkt ab 2027 möglicherweise bis Januar

Dauer Beim Startdatum 22. November soll es dagegen auch künftig für den Weihnachtsmarkt bleiben. Neues gibt es allerdings trotzdem: Die Stadtverwaltung wünscht eine Verlängerung, zumindest auf dem Domfreihof, und – sofern dort ein neues Konzept umgesetzt wird – auch für den Brunnenhof. Und zwar möglichst bis einschließlich 6. Januar (außer am 1. Weihnachtstag). Auf dem Hauptmarkt müssen dagegen weiterhin am 23. Dezember alle Buden abgebaut und der Platz geräumt sein – „dieser Platz muss uneingeschränkt für den Silvesterlauf zur Verfügung stehen“, schreibt die Stadtverwaltung.

Gestaltung In Sachen Optik soll es bei einem „klassischen und traditionellen Weihnachtsmarkt in rustikaler einheitlicher Holzgestaltung“ bleiben. Gewünscht sind also weiterhin möglichst gleich aussehende Holzhütten. Bislang gab’s davon alljährlich mehr als 90. Muss der neue Betreiber diese Verkaufsstände alle selbst anschaffen, wäre das eine erhebliche Investition. Die Holzstände vom bisherigen Veranstalter zu übernehmen, könnte zwar möglich sein. Nach Volksfreund-Informationen sind diese alten Hütten allerdings mittlerweile ziemlich abgenutzt – um sie instand zu setzen, müsste man also ebenfalls wohl viel Geld in die Hand nehmen.

Dekoration Die Illumination des Marktes und der Stände „muss ausschließlich mit atmosphärischem, weißem Licht erfolgen“ und aus energiesparenden LEDs bestehen, legt die Stadt fest. Lauf- und Blinklichter, digitale Werbetafeln sowie farbliche oder grelle Beleuchtungskörper sind weiterhin nicht erlaubt. „Zwingend“ ist außerdem eine „üppige und ansprechende weihnachtliche Dekoration“.

Gastronomisch bleibt’s bei Bratwurst, Glühwein, Reibekuchen

Fahrgeschäfte Autoscooter oder bunte Losbuden wird es auch weiterhin nicht geben. „Es sind ausschließlich nostalgische Karussells oder solche, die für Kinder nutzbar sind, erlaubt.“

Kulinarik Für eine erfolgreiche Bewerbung um die Ausrichtung des Trierer Weihnachtsmarkts empfiehlt die Stadt, das kulinarische Angebot auf „weihnachtsmarkttypische Speisen und Getränke“ auszurichten. „Zum Beispiel Glühwein, Bratwurst, Reibekuchen.“ Die Speisen sollten zudem vor Ort gegessen werden können und sich vom Angebot der angrenzenden gastronomischen Betriebe abgrenzen.

Grundsätzlich sollen Essen und Getränke in „Mehrwegbehältnissen“ angeboten werden und mit Holz-Besteck. Sollten Mehrwegverpackungen nicht möglich sein, müssen umweltfreundliche Alternativen verwendet werden.

Wo immer es möglich ist, sollen regionale Waren und Produkte angeboten werden – wobei Regionalität ein Umkreis von 100 Kilometern rund um Trier bedeute.

Branchenmix Konkrete Festlegungen gibt es in Sachen Angebotsstruktur noch nicht. Im Grundlagenpapier zur Ausschreibung heißt es bislang lediglich, dass das Angebot „vielfältig“ und von „weihnachtlichen, kunsthandwerklichen und künstlerischen Produkten“ geprägt sein soll. Bewerbungen, die „lokale und regionale Anbieter“ berücksichtigen, hätten einen Vorteil. Auch im verpflichtenden Rahmenprogramm sollen „lokale und regionale Musiker/innen und Künstler/innen oder lokale Institutionen“ einbezogen werden.

So hoch ist die Gebühr für die Nutzung von Domfreihof und Hauptmarkt

Kosten Für die Nutzung von Hauptmarkt, Domfreihof und gegebenenfalls auch vom Brunnenhof muss der künftige Veranstalter pro Jahr 80.000 Euro als Gebühr für die Nutzung des öffentlichen Raums zahlen. Nicht bekannt ist, wie hoch diese Gebühr zuletzt war. 2013 hatte die Stadt im Zusammenhang mit einer Rechtsfrage zur Vergabe der Weihnachtsmarkt-Organisation eine Gebühr in Höhe von 31.500 Euro genannt. Ob diese Summe in den vergangenen Jahren angehoben wurde, ist ebenfalls unbekannt.

Neu ist eine zusätzliche Abgabe: Die Stadt will vom künftigen Betreiber am „wirtschaftlichen Erfolg des Weihnachtsmarktes beteiligt“ werden. Wie sich diese Beteiligung berechnet, soll vorab allerdings offenbar nicht festgelegt werden. „Es obliegt dem/der Bewerber/in, die Höhe dieser Summe in seiner Bewerbung festzulegen und diese der Stadt Trier anzubieten“, heißt es im Grundlagenpapier.

Die Höhe dieser Abgabe werde dann bei der Auswahl der Bewerbungen ein Zehntel der Bewertungsmatrix ausmachen (Gestaltung und Konzept: 45 Prozent, Sicherheitskonzept: 10 Prozent, Hygiene-, Sauberkeits-, Müllkonzept: 10 Prozent, Rahmenprogramm: 10 Prozent, Branchenmix sowie Kommunikationskonzept: je 5 Prozent, Deko und Illumination: zusammen 5 Prozent).

Stadt will am Gewinn des Weihnachtsmarkts beteiligt sein

Aus einer Hand Der neue Veranstalter muss sich verpflichten, den Markt quasi komplett in Eigenregie zu organisieren, auf eigene Kosten, eigenes Risiko, vom Aufbau über die Auswahl der Marktbeschicker, Mülltrennung, Sauberkeitskonzept, Sicherheitsdienst, Toiletten, Haftpflichtversicherung und Verkehrsbeschilderung.

Voraussetzungen Wer sich um die Ausrichtung des Trierer Weihnachtsmarkts bewerben will, muss entsprechende Erfahrung und Kompetenz nachweisen. Die Stadt verlangt außerdem Einblick über den Gesamtumsatz des Unternehmens in den vergangenen vier Jahren. Die Veranstaltung des Weihnachtsmarkts soll zunächst für fünf Jahre (ab 2027) vergeben werden, mit Verlängerungsoption um zwei Jahre. Bewerbungsschluss soll am 13. November sein. Schon am 1. Dezember soll dann – zumindest laut aktuellem Zeitplan der Stadtverwaltung – der Zuschlag an den neuen Veranstalter des Trierer Weihnachtsmarkts erteilt werden.

Über das Grundlagenpapier aus der Stadtverwaltung samt Details und Umsetzung in einer Ausschreibung diskutiert der städtische Kulturausschuss in seiner Sitzung am Mittwoch, 19. August. Der Stadtrat soll dann am Donnerstag, 10. September, einen entsprechenden Beschluss fassen. Ob der neue Weihnachtsmarkt eine Kopie der bisherigen, fraglos erfolgreichen Version der Familie Bruch wird, oder die Chance für Veränderungen – womöglich sogar Verbesserungen – genutzt wird, zeigt sich in Gänze dann vermutlich erst bei der konkreten Umsetzung 2027.