Hessens Abgeordnete antworten Bürgern überdurchschnittlich oft – nur AfD fällt ab
Stand: 20.07.2026, 07:00 Uhr
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Zwei Drittel der hessischen Bundestagsabgeordneten beantworteten auf abgeordnetenwatch.de jede Frage – anders als die AfD oder Bundeskanzler Friedrich Merz.
Wiesbaden/Berlin – Der Hanauer Bundestagsabgeordnete Pascal Reddig hatte in den vergangenen Monaten viel um die Ohren. Erst gehörte der CDU-Politiker zu jener jungen Gruppe der Unionsabgeordneten, die die Koalition mit ihrer Ablehnung des Rentenpakets im Herbst 2025 an den Rand des Zerwürfnisses brachten. Und zuletzt verhandelte Reddig den neuen Rentenkompromiss mit. Dem 31-Jährigen – oder seinem Team – blieb dennoch offenbar genug Zeit, um die Anfragen von Bürgern auf abgeordnetenwatch.de zu beantworten.
Mit 70 beantworteten Fragen im vergangenen Jahr steht Reddig im Antwortranking der unabhängigen Plattform, die sich für Transparenz und politische Beteiligung einsetzt, in Hessen auf Platz eins. Der CDU-Politiker ist aber bei weitem nicht der einzige hessische Abgeordnete mit einer Antwortquote von 100 Prozent. Auf den Rängen zwei und drei folgen Omid Nouripour (Grüne) mit 33 und Daniel Bettermann (SPD) mit 28 beantworteten Fragen.
Hessen steht im Ranking überdurchschnittlich gut da
Überhaupt steht Hessen im Ranking überdurchschnittlich gut da. Die 45 Bundestagsabgeordneten erhielten 2025 auf abgeordnetenwatch.de insgesamt 616 Fragen und antworteten auf 531. Mit einer Antwortquote von 86 Prozent landet Hessen damit auf Platz sieben im Bundesländervergleich, deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 75 Prozent.
Allerdings: Wie überzeugend die Antworten inhaltlich ausfielen, rechnet die gemeinnützige Organisation dabei nicht ein. Sie zählt lediglich, ob generell geantwortet wurde. Viele Bundestagsabgeordnete (oder deren Mitarbeiter) antworten aber recht ausführlich.
Hessen jedenfalls verbesserte sich im vergangenen Jahr bei der Antwortquote um drei Prozentpunkte im Vergleich zu 2024. Schaut man auf die Parteien, stechen besonders die Grünen hervor. Alle sieben hessischen Abgeordneten der Partei beantworteten jede Frage. Dahinter folgen SPD (94 Prozent), Linke (86 Prozent) und CDU (82 Prozent). Die niedrigste durchschnittliche Antwortquote erreichen die neun Parlamentarier der AfD mit nur 50 Prozent beantworteter Fragen.
30 der 45 hessischen Abgeordneten beantworteten 100 Prozent der ihnen gestellten Fragen. Je zwei Politiker kamen auf eine Antwortquote von 80 bis 89 Prozent beziehungsweise 50 bis 79 Prozent. Sieben Parlamentarier gaben gar keine Antworten. Auf den letzten Platz setzt Abgeordnetenwatch Johannes Volkmann (CDU) aus dem Lahn-Dill-Kreis mit 14 unbeantworteten Fragen. Direkt davor: Michael Meister (CDU), Staatsminister im Bundeskanzleramt, der ebenfalls keine seiner zehn Fragen beantwortete.

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„Wer gewählt wird, schuldet den Bürger:innen Antworten, kein Schweigen“, kommentiert Louiza Charalambous, Plattformleitung bei Abgeordnetenwatch, das Ranking. „Gerade erleben wir wegen des Reformpakets der Bundesregierung einen enormen Frageansturm. Das zeigt: Die Menschen wollen verstehen, warum Politik so entscheidet, wie sie entscheidet.“ Wer diese Fragen ignoriere, weil sie Arbeit machten oder unbequem seien, verspiele leichtfertig Vertrauen.
Im Kabinettsranking ganz hinten steht übrigens Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der keine seiner 376 Fragen beantwortet hat.