Hilferuf aus Wien-Hernals: "Der Post SV muss am Postsportplatz bleiben!"


Sportanlage

Hilferuf aus Wien-Hernals: "Der Post SV muss am Postsportplatz bleiben!"

Das Damoklesschwert hängt mehr denn je bedrohlich über Wiens größtem Amateursportverein. Man sieht sich im Zuge der Neuausschreibung des Sportgeländes seitens der Post AG in seiner Existenz bedroht

Thomas Hirner

Luftaufnahme eines Fußballfeldes. Eine Gruppe Menschen hält ein großes gelbes Banner mit der Aufschrift: „DER POST SV MUSS AM POSTSPORTPLATZ BLEIBEN!“ Darunter ein kleines Plakat: „Rettet den POST SV“.
Der Post SV hat eine wichtige Funktion in Wiens Sportlandschaft, kämpft aber ums Überleben.

Wien/Hernals – Ein Hilferuf hat den STANDARD erreicht. Die Existenz des Postsportvereins Post SV, Wiens größtem Nachwuchs- und Amateursportverein, ist gefährdet. Der in Wien-Hernals ansässige Verein unterhält 15 Sektionen mit mehr als hundert Teams und 5000 Mitgliedern – darunter 2000 Kinder und Jugendliche. Clemens Rarrel, Vorstand des Post SV, versichert, dass die Lage sehr ernst sei: "Für uns ist das eine betriebswirtschaftliche Problematik. Das Gelände, das künftig gemeinnützig betrieben werden soll, kann unter den Voraussetzungen nur schwer oder kaum betrieben werden, weil die Einnahmen fehlen."

Es ist nicht der erste Hilferuf des Post SV. DER STANDARD hat etwa schon im März über eine Petition zur Rettung des Vereins berichtet. Mittlerweile haben diese knapp 26.000 Menschen unterzeichnet. Nun aber spitzt sich die Lage weiter zu. Was ist passiert? Die Österreichische Post AG – ein teilstaatliches Unternehmen mit drei Milliarden Euro Jahresumsatz (2025) – hat wie erwartet und befürchtet, die 15 Hektar große Sportanlage europaweit in einem Vergabeverfahren neu ausgeschrieben.

Ausschreibung mit gravierenden Folgen

Die Ausschreibung spaltet das bislang betriebene Areal strategisch in drei Teile. Die ertragreichen Bereiche (Tennishalle, vier Beachvolleyballplätze sowie 27 Tennisplätze, die unter anderem an gemeinnützige Tennisvereine mit integrierten Tennisschulen untervermietet wurden) werden gezielt herausgelöst und sollen künftig an Investoren und kommerzielle Betreiber vergeben werden. Übrig bliebe der teure, ertragsschwache gemeinnützige Kern mit drei Fußballplätzen, einigen Tennisplätzen und einem Hockeyplatz, heißt es in einer Aussendung des Post SV.

Das Problem, so erklärt Rarrel, ist Folgendes: Man wolle weiterhin Vereinssport auf dem Gelände etablieren, dieser bringe aber "nur bedingt Einnahmen. Gleichzeitig tragen wir das komplette Risiko, müssen die Instandhaltung des Geländes weiterhin betreiben. Uns fehlen aber die Einnahmen aus den lukrativen Sportflächen, die wir bisher zur Verfügung hatten."

Wie der Post SV in einer Aussendung mitteilt, werde durch die Aufspaltung rund eine Million Euro an Jahreseinkommen und damit mehr als die Hälfte der Einnahmen verloren gehen. Diese seien aber notwendig, um den Betrieb der Sportanlagen zu erhalten und in die Modernisierung zu investieren. Gleichzeitig werde durch die Ausschreibung eine neue und teils noch gar nicht genau abschätzbare Kostenlast als zusätzliche Bedrohung geortet, etwa durch Mieten. Vor allem der Meisterschaftsbetrieb und die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen in den großen Ballsportsektionen (Fußball, Handball, Basketball, Volleyball, Hockey) seien gefährdet.

Vonseiten des Post SV legt man Wert darauf, den Hilfeschrei nicht als "Kampfansage gegen irgendjemanden" zu verstehen. Vielmehr sei es "eher ein Aufmerksammachen auf eine Situation, die vielleicht jemand nicht bewusst herbeigeführt hat oder nicht wissend, wie es tatsächlich aussieht."

Luftaufnahme des Postsportzentrums Wien im 17. Bezirk. Zu sehen sind mehrere Sportplätze, darunter Fußball- und Tennisplätze, sowie umliegende Gebäude. Die Anlage ist von den Straßen Lidlgasse, Schumanngasse, Rosensteingasse und Roggendorfgasse umgeben.
Das weitläufige Postsportzentrum im 17. Wiener Gemeindebezirk.

Rarrel will der Post AG keine böse Absicht unterstellen. "Es ist bestimmt nicht im Interesse der Post AG, dass der Postsportverein stirbt, aber es ist offensichtlich, dass andere Prioritäten vorherrschen und in Kauf genommen wird, dass der Post SV als gemeinnütziger Verein schwer überleben kann. Es gibt das Bekenntnis zum Postsportverein, aber die Handlungen entsprechen nicht dem Bekenntnis."

Rarrel bedauert nach der Veröffentlichung der Ausschreibungsunterlagen, dass es nach einem jahrelangen Austausch mit der Post AG und großer Zuversicht nun "wirklich heftig für uns" geworden ist. Die Ausschreibung ist in drei Teilbereiche gegliedert. Der Post SV kann sich freilich für alle drei bewerben. Für den gemeinnützigen Teil rechne man sich gute Chancen aus. Rarrel: "Hier trauen wir uns zu, mit guten Karten ins Rennen zu gehen." Und für die gewerblichen Teile? "Hier entscheidet der Preis, was man bereit ist zu investieren bzw. was man Pacht zahlen kann. Und da haben wir vermutlich schlechte Karten, wenn sich gewerbliche Sportplatzbetreiber oder Investoren um das Gelände bemühen. Wir sind ein gemeinnütziger Verein, wir können auch nicht Unsummen investieren und diese zurückverdienen. Und am Ende des Tages haften die Vorstandsmitglieder mit ihren Privatvermögen. Das ist ein ungleicher Wettbewerb."

Ein lächelnder Mann mit Brille steht in einem Garten vor einer grünen Hecke. Er trägt einen dunkelgrauen Pullover über einem karierten Hemd.
Clemens Rarrel sieht den Post SV als gemeinnützigen Verein durch die Ausschreibung einem "ungleichen Wettbewerb" ausgesetzt.

Dass die Post AG eine Quartiersentwicklung plane und die versiegelten Randflächen verbauen will, stört den Post SV nicht. Rarrel: "Das war nie etwas, gegen das wir uns gestellt haben." Bedauert werde aber sehr wohl, "dass die Post AG aus dem Wohnbauprojekt einen derart hohen Gewinn erzielen wird, dass der Erlös aus der Sportfläche eigentlich vernachlässigbar gewesen wäre."

Klares Bekenntnis von der Stadt

Vonseiten der Stadt Wien gebe es das klare Bekenntnis zum Sportgelände. Dies sei aber ohnehin eine "Normalposition, weil das Landessportstättenschutzgesetz eine Verbauung von Sportflächen untersagt." Die Stadt wolle "erst dann ins Spiel kommen, wenn es zu einer Umwidmung kommt", sagt Rarrel. Das Umwidmungsverfahren stehe aber erst am Beginn.

"Was uns fehlt, ist das Signal an die Post AG, dass der Stadt viel daran liegt, dass der Post SV auf dem Gelände, wo wir seit über 100 Jahren zu Hause sind, überlebt." Mit Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ) habe es im Juni ein gutes Gespräch gegeben, man habe den Eindruck, "dass er unsere Anliegen versteht und verfolgt." Vermisst werde aber, "in welcher Form die Stadt konkret helfen könne. Das Sportamt kennt die Rahmenbedingungen, die ein gemeinnütziger Verein benötigt, zumal es rund 150 Sportanlagen in Wien mit großteils gemeinnützigen Vereinen als Pächter betreibt und weiß, unter welchen Voraussetzungen die Pächter überleben können."

Rechtliche Möglichkeiten?

Laut Rarrel berufe sich die Post AG darauf, die Ausschreibung in Bezug auf das EU-Beihilferecht zwingend vornehmen zu müssen. Der Postsportverein sieht das anders: "Es hätte auch ein Gutachterverfahren geben und ein angemessener Pachtzins festgelegt werden können."

Rechtlich gesehen, scheint der Post SV auf den ersten Blick keine schlechten Karten zu haben, etwas gegen die Pläne zu unternehmen, wie aus der Aussendung hervorgeht: Man bewirtschaftet das Areal seit 1973 auf Basis eines unbefristeten Mietvertrags. Diesen Vertrag schützt das Sportstättenschutzgesetz aus dem Jahr 1990 zwingend. Das bedeutet: Eine Beendigung des Mietverhältnisses ist der Post AG nur durch eine gerichtliche Kündigung und aus wichtigen Gründen möglich. Bis heute liegt eine solche Kündigung nicht vor.

Laut Ansicht des Post SV ändere auch eine Vereinbarung zwischen Post AG und Post SV aus dem Jahr 2022 nichts an der Rechtsgrundlage. Rarrel: "Sie ergänzt lediglich den Mietvertrag aus 1973. Für den Post SV Wien ist daher nicht nachvollziehbar, wie dieselben Flächen ausgeschrieben werden können, für die ein aufrechtes, unbefristetes, gesetzlich geschütztes Bestandverhältnis besteht."

Die Post AG sehe das laut Rarrel anders: Der Vertrag von 2022 sei nicht durch das Sportstättengesetz geschützt. Rarrel: "Das ist eine juristische Feinheit. Wir sagen, es können auch zwei Verträge parallel laufen." Juristisch gebe es nun die Möglichkeit, ein Feststellungsurteil zu erwirken, mit dem die Rechtsunsicherheit ausgeräumt wird: "Es kann zu unseren Gunsten oder unseren Ungunsten ausgehen. Aber so weit sind wir noch nicht."

Ein Hockeyfeld bei sonnigem Wetter, umgeben von städtischen Gebäuden und grünem Gelände. Zuschauer sitzen hinter einem Zaun auf Klappstühlen und blicken auf das Spielfeld, wo eine Gruppe von Spielern in Sportkleidung steht. Im Hintergrund ist eine Mauer mit der Aufschrift
Feine Aussicht auf der Anlage des Post SV in Wien-Hernals. Der Sport steht hier nicht im Hintergrund.

Die ganze Angelegenheit zieht sich wie ein Strudelteig, der Post SV befinde sich "seit 2017 in den Startlöchern und in Verhandlungen über die Zukunft des Geländes." Daher habe man in den vergangenen Jahren nur in das Nötigste investiert, um den Sportbetrieb aufrechtzuerhalten. Dabei wäre die Infrastruktur aus den 1960ern und 1970ern dringend renovierungsbedürftig. Rarrel: "Wir haben sowohl der Post als auch der Stadt angeboten, dass wir jährlich 200.000 bis 300.000 Euro in die Modernisierung der Anlage investieren können, aber das war in Wirklichkeit nie ein Thema für die Post AG."

Mittelfristig wird sich in Hernals nicht viel ändern. Laut Ausschreibung ist nicht vor 2030 mit einer "Quartiersentwicklung" zu rechnen. Die baulichen Maßnahmen finden voraussichtlich erst danach statt. Für den Post SV wird damit die Hängepartie prolongiert: "Wir bewegen uns jetzt vier, fünf Jahre in einer völlig unklaren Situation, in der wir erst wieder nicht investieren können, weil wir ja nicht in Gebäude investieren werden, die in drei, vier Jahren abgerissen werden müssen."

Bürgerinnenbeteiligung

Wie geht es nun weiter? Am 6. Oktober werden die Anrainer im Rahmen einer Bürgerinnenbeteiligung informiert. Dass neben der Initiative "Zukunft Hernals" noch weitere Initiativen gegründet werden, schließt Rarrel nicht aus. "Sie können das Widmungsverfahren noch deutlich verzögern."

Doch letztlich sieht Rarrel unter den gegebenen Voraussetzungen schwarz: "Wenn wir alle Verpflichtungen erfüllen müssen und gleichzeitig auf den gemeinnützigen Teil reduziert werden, dann geht sich das – wie bei der Quadratur des Kreises – einfach nicht aus." (Thomas Hirner, 30.8.2026)

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