„Für mich war klar, dass hier etwas Größeres im Boden liegt“: Hobby-Schatzsucher macht Sensationsfund auf Acker
Hobby-Schatzsucher stößt auf 2000 Jahre alten Sensationsfund aus Römerzeit
Stand: 22.09.2026, 19:39 Uhr
Kommentare
Der Metalldetektor hörte einfach nicht mehr auf, zu piepen. Der Familienvater reagierte sofort und informierte die Behörden.
Bonn – Viele Artefakte aus längst vergangenen Zeiten schlummern im Verborgenen unter der Erde. Durch Zufall machte ein Sondengänger auf einem Acker in Nordrhein-Westfalen jetzt einen außergewöhnlichen Fund. Sein Metalldetektor schlug auf dem Feld bei Wesseling südlich von Köln an. Münze für Münze buddelte der Familienvater aus der Erde. Doch die Signale hörten nach 15 Exemplaren nicht auf.

„Für mich war klar, dass hier etwas Größeres im Boden liegt“, sagte Oliver Riedl laut einer Pressemitteilung des LVR-Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn (LVR‑ABR). „Ich habe daher umgehend das Amt verständigt.“ Eine Entscheidung, die den Fund, seine Bergung und Dokumentation nach Ansicht der Expertinnen und Experten „besonders macht“. Im Erdblock wurde der Münzschatz aus dem Ackerboden geborgen, zunächst geröntgt und dann erst freigelegt. Auf diese Weise ließen sich vor der Freilegung wertvolle Erkenntnisse gewinnen, so das LVR-ABR.
„Sensationeller Münzschatz“ vor 2000 Jahren auf Acker in Deutschland vergraben
Insgesamt 934 römische Silbermünzen mit einem Gewicht von 3,1 Kilogramm umfasste der Münzfund. Die jüngste Münze wurde 124/125 n. Chr. geprägt. Vermutlich wurde der Schatz in der Zeit um 100 n. Chr. zusammengetragen, aber in der Regierungszeit von Kaiser Hadrian (117 bis 138 n. Chr.) in der Erde vergraben.
„Damit handelt es sich um den größten Münzschatz aus dieser Zeit in Deutschland, weltweit ist es der fünftgrößte“, erklärt Landesarchäologe Dr. Erich Claßen. Die älteste Münze im Hort war sogar bereits 148 v. Chr. geprägt und damit schon über 270 Jahre alt, als jemand sie in der hadrianischen Zeit in dem Boden vergrub. Keramikscherben und Strohreste deuten darauf hin, dass die Münzen einst in einem Tontopf versteckt waren.

„Sehr wahrscheinlich wollte jemand dieses Geld sicher aufbewahren“, so Claßen. Schließlich habe es noch keine Banken gegeben. Wer das Vermögen zusammentrug, bleibt unklar. Möglicherweise lebte die Person auf einem der römischen Landgüter rund um Wesseling, das damals zum Einzugsgebiet des heutigen Köln gehörte. „Möglicherweise verstarb der Besitzer oder die Besitzerin vorher, ohne das Wissen um die Münzen weitergeben zu können.“
Sondengänger findet römischen Münzschatz aus der Zeit des Kaisers Hadrian in Deutschland
Der damalige Wert aus dem 2. Jahrhundert lasse sich allerdings nur schwer bemessen, heißt es von LVR‑ABR. Der Sold römischer Legionäre sei aus Schriftquellen jedoch gut bekannt. „Zu der Zeit verdiente ein einfacher Soldat in der Legion 300 Denare im Jahr. Davon wurde aber etwa die Hälfte für Lebensmittel und Ausrüstung einbehalten“, erklärt Dr. Rahel Otte, wissenschaftliche Referentin am LVR‑ABR. „Ein Legionär hätte somit rund sechs Jahre sein gesamtes verfügbares Geld sparen müssen, um den Wesselinger Schatzfund anzusammeln.“
Schatzsucher in NRW bekommt Belohnung
Der außergewöhnliche Münzschatz gehört nun dem Land NRW und ist ab sofort erstmals im LVR-Landesmuseum Bonn zu sehen. Finder Oliver Riedl erhält vom Land Nordrhein-Westfalen eine Belohnung, da er sich regelkonform verhalten habe. In NRW benötigen Sondengänger mit Metalldetektor eine Genehmigung der Denkmalbehörden sowie die Erlaubnis der Grundstückseigentümerinnen und ‑eigentümer. Zudem ist eine Schulung durch Fachämter, wie das LVR-ABR betont, notwendig. Das Sondengehen ist auch in Hessen streng geregelt. Schon das Suchen mit einem Metalldetektor ist ohne eine Nachforschungsgenehmigung (NFG) laut Hessen Denkmal illegal. Einen Jahrhundertfund machten auch Forscher vor der Küste Floridas. (Quelle: LVR-Amt für Bodendenkmalpflege) (ml)