Hochbegabte scheitert an Wissensfrage bei „Wer wird Millionär“ – Was können Hochbegabte wirklich?
Stand: 10.10.2026, 18:56 Uhr
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Eine hochbegabte Abiturientin mit Bestnoten scheitert bei „Wer wird Millionär“ an dem Namen einer eigentlich bekannten Insel im Indischen Ozean. Welche Fähigkeiten Menschen mit hohem IQ wirklich haben.
Was versteht man unter Hochbegabung? Hochbegabung bezeichnet ein stark überdurchschnittliches intellektuelles Potenzial. Als Richtwert gilt ein IQ von 130. Wer diesen Wert erreicht, kann sich beispielsweise für eine Mitgliedschaft bei Mensa bewerben. Mensa ist ein internationaler Verein für Menschen mit sehr hohem IQ, der Menschen mit überdurchschnittlicher Intelligenz zusammenbringt und den Austausch fördert.
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Laut der Karg-Stiftung besitzen nur rund 2,17 Prozent eines Jahrgangs einen so hohen IQ. Demnach erreichen ihn etwa zwei von 100 Kindern.

Was geschah bei „Wer wird Millionär“?
Zahlreiche Medien berichteten über den Auftritt von Maya Upmann aus Neukeferloh bei München. Sie studiert im vierten Semester an der LMU München, übersprang die elfte Klasse und legte das Abitur mit Bestnoten ab. Dazu kommen drei Bayerische Jugendpreise und der Landessieg bei der Philosophie-Olympiade.
Darum geht es
Was bedeutet Hochbegabung, wie häufig tritt sie auf und welche Fähigkeiten lassen sich aus einem hohen IQ tatsächlich ableiten? Der Auftritt der hochbegabten Maya bei „Wer wird Millionär?“ hat das Thema wieder ins Gespräch gebracht.
Auch die hochbegabte Maya kannte nicht jede Antwort
Schon bei der 1000-Euro-Frage wusste Maya nicht sofort weiter. Moderator Günther Jauch fragte, bei welchem Land die weibliche Bezeichnung mit einem Umlaut geschrieben wird, die männliche jedoch nicht. Die hochbegabte Kandidatin, die sichtlich nervös und überdreht wirkte, tippte zunächst auf Bulgarien. Mithilfe von Stift und Papier kam sie schließlich auf die richtige Antwort: Frankreich.
Bei 16.000 Euro ging es um North Sentinel Island. Auf dieser Insel lebt ein von der Außenwelt abgeschnittenes indigenes Volk – ein Klassiker im Bereich Trivialwissen. Nach dem 50:50-Joker blieben die beiden Antwortmöglichkeiten „isoliertes Volk“ und „Stein der Weisen“ übrig. Mayas Nachbarin, eine ehemalige Moderatorin des WDR‑Reisemagazins „Wunderschön!“, tippte auf den „Stein der Weisen“. Maya folgte dem Rat und fiel auf 500 Euro zurück.
Was können Hochbegabte besser?
Ein hoher IQ steht vor allem für die Fähigkeit, Informationen schnell zu erfassen, Zusammenhänge zu erkennen und Neues zu lernen. Solche Stärken können bereits im Kindesalter auffallen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beschreibt beispielsweise den Fall des achtjährigen Ben, der Prozentrechnungen im Kopf löste, da er durch ein Förderprogramm bereits den Unterrichtsstoff der vierten Klasse beherrschte.
Bens kognitiven Leistungen wurden vor der Einschulung getestet und überstiegen die Anforderungen der ersten Klasse bei Weitem. Emotional und sozial war er jedoch weiterhin ein Vorschulkind.
Studien, die eine hohe Korrelation zwischen den IQ-Werten von Kindern und ihren späteren Werten im Erwachsenenalter belegen, zeigen, dass der IQ im Verlauf des Lebens vergleichsweise stabil ist. Wie gut ein Mensch seine Fähigkeiten jedoch tatsächlich nutzt und welche Leistungen er daraus entwickelt, können IQ-Tests nicht vorhersagen. Wer von einem hohen IQ außergewöhnliche Leistungen in allen Lebensbereichen erwartet, überschätzt daher dessen Aussagekraft.
Garantiert ein hoher IQ Erfolg?
Das Profiling Institut weist darauf hin, dass auch Fleiß, Übung und die jeweiligen Lebensbedingungen die Leistungen entscheidend beeinflussen. Hochbegabung muss sich daher nicht zwangsläufig in herausragenden Noten oder anderen sichtbaren Erfolgen zeigen. Wer Begabung mit Leistung gleichsetzt, übersieht Menschen mit hohem Potenzial, die dieses aus unterschiedlichen Gründen nicht ausschöpfen können.
Das hat auch Konsequenzen für die Förderung. Lange galt die Unterstützung besonders leistungsfähiger Kinder als wenig notwendig, zudem wurde Begabungsförderung häufig vor allem mit dem Gymnasium verbunden. Ingmar Ahl von der Karg-Stiftung plädiert dagegen dafür, bereits in der Grundschule anzusetzen. So sollen auch Kinder aus weniger bildungsnahen Familien die Möglichkeit erhalten, ihre Fähigkeiten zu entwickeln.
Warum halten sich Klischees so hartnäckig?
Auch heute heißt es immer noch häufig, Hochbegabte seien sozial unbeholfen, emotional instabil oder im Umgang mit anderen problematisch. Einen Grund dafür sieht die Forscherin Tanja Baudson in der öffentlichen Wahrnehmung von Hochbegabung: In repräsentativen Studien zeigte sich, dass rund zwei Drittel der Deutschen Hochbegabung mit sozialen oder emotionalen Problemen verbinden. Solche Vorstellungen können sich verfestigen, wenn einzelne auffällige Fälle stärker wahrgenommen werden als die große Mehrheit, die sich im Alltag kaum von anderen Menschen unterscheidet.
Das Klischee kann somit nicht nur die Wahrnehmung von Hochbegabten von außen prägen, sondern auch dazu führen, dass die tatsächlichen Bedürfnisse hochbegabter Menschen falsch eingeschätzt werden.
Medien verstärken das Bild vom Genie mit begrenzten Kenntnissen über den Alltag
Das Szenario kommt in den Medien immer wieder vor: Ein Genie scheitert an einer Alltagsfrage, worüber sich seine Mitmenschen amüsieren. Solche Lacher auf Kosten von Minderheiten bringen Einschaltquoten, Likes und Klicks. Er verzerrt jedoch den Blick auf eine Gruppe, die bezüglich ihrer Lernbedürfnisse und Alltagsfähigkeiten stark heterogen ist.
Wie erkennen Sie eine Hochbegabung?
Eine fundierte Einschätzung erfolgt durch Psychologinnen und Psychologen mithilfe wissenschaftlich anerkannter und standardisierter Intelligenztests. Dabei betrachten sie nicht nur den erreichten IQ-Wert, sondern berücksichtigen auch die persönliche Entwicklung, die Stärken und mögliche Auffälligkeiten im Alltag. Für eine verlässliche Diagnose empfiehlt sich daher eine psychologische Beratungsstelle oder Praxis mit Erfahrung in der Hochbegabungsdiagnostik.
Internettests ersetzen keine Diagnose
Die im Internet verbreiteten IQ-Tests gelten als generell unseriös, da sie keine wissenschaftlich belastbaren Ergebnisse liefern. Sie werden nicht unter standardisierten Bedingungen durchgeführt und sind nicht ausreichend validiert. Einige Tests dienen zudem in erster Linie dazu, persönliche Daten zu sammeln oder bestimmte Angebote zu bewerben. Dies ist auch generell der Grund dafür, dass etliche Online-IQ-Tests verdächtig hohe Ergebnisse liefern.
Kritik am IQ als Messwert für Intelligenz
Der IQ ist als Maß für Intelligenz umstritten, da er nicht die gesamte geistige Leistungsfähigkeit abbildet. Intelligenztests erfassen vor allem Fähigkeiten wie logisches Denken, Sprachverständnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit und räumliches Vorstellungsvermögen. Soziale Fähigkeiten, Kreativität und die Fähigkeit zur praktischen Problemlösung lassen sich damit hingegen nur eingeschränkt erfassen. Zudem kann das Testergebnis von Bildung, kulturellem Hintergrund, Tagesform und den Bedingungen der Testdurchführung beeinflusst werden. Der IQ ist somit ein nützlicher statistischer Anhaltspunkt, jedoch kein umfassendes Maß für die Intelligenz eines Menschen.