Honor Watch 6: Eine Uhr für App-Asketen mit dicken Armen


Test

Honor Watch 6: Eine Uhr für App-Asketen mit dicken Armen

Die Smartwatch der Mittelklasse möchte oben mitspielen – und das gelingt auch fast, wäre da nicht die Einschränkung der eigenen Gartenmauer

Peter Zellinger

Eine Uhr liegt auf einem Gewichtsblock einer Fitnessmaschine
Die Honor Watch 6 bietet wochenlange Ausdauer, starke Sensoren und ein ultrahelles Display zum Preis von aktuell rund 170 Euro.

Die Honor Watch 6 positioniert sich preislich in der oberen Mittelklasse, klopft bei der Hardware-Ausstattung und Verarbeitung jedoch bei der Oberklasse an. Nach mehreren Testwochen erweist sich die Uhr als echter Dauerläufer mit Premium-Flair. Einen Abzug in der B-Note gibt es für die eingeschränkte App-Auswahl.

Optisch macht die Honor Watch 6 auf Anhieb Eindruck. Das Zusammenspiel aus Edelstahlgehäuse, saubere Kanten und der recht prominenten Krone verleiht der Uhr einen klassischen Chronographen-Look, der sich vor deutlich teureren Konkurrenten keineswegs verstecken muss. Mit dem richtigen Watchface, also dem herunterladbaren Ziffernblatt, kann man die Honor Watch 6 auch zur Abendgarderobe tragen.

Flaggschiff am Handgelenk, und das ist wörtlich gemeint

Der Bildschirm gehört zweifellos zu den Glanzstücken des Geräts. Das 1,46 Zoll große AMOLED-Panel löst scharf 464 × 464 Pixeln auf und erreicht eine beachtliche Spitzenhelligkeit von bis zu 3000 Nits. Für alle denen das jetzt nichts sagt: Dadurch bleibt die Anzeige selbst in der Mittagssonne mühelos ablesbar. Dank cleverer Optimierungen für nass gewordene Displays reagiert der Touchscreen auch dann noch präzise, wenn Wassertropfen auf dem Glas liegen. Und weil Vergleiche so schön sind: Das ist derselbe Helligkeitswert wie bei der Apple Watch Ultra 3 und der Pixel Watch 4.

Auch die Widerstandsfähigkeit des Gehäuses überzeugt im Alltag. Mit einer Wasserdichtigkeit von 5 ATM sowie einer IP69-Zertifizierung widersteht die Smartwatch Staub, Schweiß, Regenschauern und ausgiebigen Schwimmeinheiten im Pool oder Meer problemlos, ohne Schaden zu nehmen.

Ein buntes Smartwatchdisplay zeigt eine fröhliche Wolke und einen Energiescore.
Energiegeladen, na da kann der Tag ja beginnen. Selbst am Handgelenk der alles andere als zarten Testperson ist Honor Watch 6 ein dicker Brocken.

Die Uhr verlangt allerdings ein eher stämmiges Handgelenk. Mit einem Durchmesser von 46,5 Millimetern fällt sie schon sehr wuchtig aus und selbst gestandenen Herren aus der Kollegenschaft war sie schlicht zu groß. Für zierliche Ärmchen ist die Honor Watch 6 sicher nicht die erste Wahl. Eine kleinere Variante gibt es nicht. Dennoch sitzt sie erstaunlich angenehm: Die leicht gewölbte Unterseite schmiegt sich angenehm an die Haut an. Nur das Lederarmband hat einen Hauch von Plastiklook und wirkt nicht ganz so hochwertig.

Sensoren und Fitness

Honor positioniert die Sensoren der Uhr über dem typischen Niveau der Preisklasse und richtet sich an ambitionierte Hobbysporter. Herzfrequenz, Blutsauerstoffsättigung (SpO2) und Schlafphasen werden akkurat protokolliert. Einen echten Mehrwert bieten Funktionen wie das Body Energy Assessment, das Herzfrequenzvariabilität, Schlafqualität und Stresslevel zu einem aussagekräftigen Energiewert kombiniert, anderswo gerne Readiness Score genannt. Darüber hinaus gibt es einen schnellen Ein-Minuten-Gesundheitscheck, der mehrere Schlüsselparameter auf Knopfdruck bündelt.

Für die Trainingsbegleitung hält die Software mehr als 120 verschiedene Sportmodi bereit. Neben klassischen Disziplinen wie Laufen, Radfahren oder Rudern finden sich auch detaillierte Spezialprofile im System: Ein Fußball-Modus erfasst Sprints und Bewegungsmuster auf dem Platz, während ein Badminton-Profil Schläge und Spielintensität analysiert. Wer will kann auch seine Kickbox- oder seine Mixed-Martial-Arts-Einheiten tracken. Wer sich weniger gerne auf die Nase hauen lässt, kann auch Tanzen und den täglichen Spaziergang nachverfolgen lassen.

Bei Outdoor-Aktivitäten sorgt das integrierte Dual-Band-GPS für eine zügige Standortermittlung. Laufstrecken und Radtouren werden selbst in dichter besiedelten Gegenden oder unter Baumkronen präzise nachgezeichnet. Grenzen setzt der Hersteller lediglich bei medizinisch zertifizierten Features. Eine hardwareseitige EKG-Funktion oder eine automatische Sturzerkennung mit Notrufbenachrichtigung sind nicht an Bord – Funktionen, die früher Spitzenmodellen vorbehalten waren, mittlerweile aber auch in günstigen Uhren wie der Xiaomi Watch S4 integriert sind. Schade.

Akkulaufzeit: Der absolute Spitzenreiter

Das unbestrittene Highlight der Honor Watch 6 ist aber ohnehin der Akku. Und der fällt mit einer Kapazität von 980 mAh gewaltig aus. Üblich sind bei Outdoor-Modellen in dieser Größenklasse eher um die 600 mAh.

Im praktischen Alltagseinsatz mit durchgehender Pulsmessung, automatischem Schlaftracking, eingehenden Benachrichtigungen und mehreren wöchentlichen Sporteinheiten erreicht die Uhr mühelos eine Laufzeit von 14 Tagen am Stück. Wer auf stromhungrige Funktionen verzichtet, kann die Ausdauer sogar noch weiter in Richtung der vom Hersteller versprochenen 35 Tage treiben. Aber selbst wenn die Uhr bei intensiver Nutzung mit aktiviertem Always-On-Display und häufig aktiviertem GPS nur zehn Tage schafft, ist das schon ein gewaltiger Komfortgewinn: Da kann man auch einmal in den Urlaub fahren und das Ladegerät zuhause vergessen. Nur die Huawei Watch GT7 Pro erwies sich als noch ausdauernder.

Eine Smartwatch warnt vor dem Verlust von
Früh aufstehen mag die Honor Watch 6 nicht.

Der Ladevorgang erfolgt über eine magnetische Ladeschale mit Pogo-Pins und nimmt für eine vollständige Ladung rund eineinhalb bis zwei Stunden in Anspruch. Angesichts der Tatsache, dass man diesen Vorgang nur einmal im Monat einplanen muss, fällt die Ladezeit jedoch kaum ins Gewicht – auch wenn ein echter kabelloser Qi-Standard komfortabler gewesen wäre.

Der Haken: Kein Store-Ökosystem

Kommen wir zum größten Nachteil einer ansonsten hervorragenden Uhr: Honors hauseigenes MagicOS läuft zwar geschmeidig und gefällt durch kurze, dezente Animationen sowie eine eingängige Bedienung. Doch das Betriebssystem erweist sich in der Praxis als geschlossener Garten.

Über den integrierten Honor Store lassen sich kaum Apps nachinstallieren; gängige Musik-Streaming-Dienste, vollwertige Navigationskarten bekannter Plattformen oder tiefergehende Produktivitäts-Apps fehlen völlig. Wer Spotify auf seiner Uhr nutzen möchte, hat Pech gehabt. Die Uhr dient abseits der ab Werk installierten Werkzeuge in erster Linie als verlängertes Display des Smartphones.

Auch bei den smarten Komfortfunktionen müssen Abstriche hingenommen werden. Benachrichtigungen vom gekoppelten Smartphone landen zwar zuverlässig auf dem Handgelenk, die Interaktionsmöglichkeiten bleiben jedoch rudimentär. Das mobile Bezahlen per NFC ist prinzipiell integriert, setzt jedoch eine Anbindung an den Partnerdienst Fidesmo voraus, der in vielen Regionen und bei zahlreichen Banken nicht flächendeckend unterstützt wird.

Fazit: Ein Preis-Leistungs-Tipp

Die Honor Watch 6 sieht dank ihres eleganten Edelstahl-Chassis hervorragend aus, liefert über ihr extrem leuchtstarkes AMOLED-Display perfekte Lesbarkeit und befreit Nutzer dank sensationeller Akkulaufzeiten davon ständig ein Ladekabel mitnehmen zu müssen. Die verbauten Sensoren arbeiten verlässlich und das Dual-Band-GPS liefert saubere Streckendaten für das Training.

Wer mit dem geschlossenen Software-Ökosystem und dem Fehlen eines vollwertigen App-Stores leben kann, erhält zu einem Preis von aktuell rund 170 Euro ein Wearable mit einem herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Nur wer Ärmchen wie Zahnstocher hat, sollte sich vielleicht ein schlankeres Modell suchen. (Peter Zellinger, 19.9.2026)

Forum: 10 Postings

Ihre Meinung zählt.

Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.