"House of the Dragon", Folge 6: Eins im Sinn


Serienrecap

"House of the Dragon", Folge 6: Eins im Sinn

In dieser Folge geht es darum, wie etwas in Sinnesorgane eindringt. Achtung: Spoiler!

Timo Storck

Eine Person mit dunklem Look und Rüstung spannt einen Bogen im Wald. Sie wirkt konzentriert und bereit zu schießen.
Anna Shapiro in der sechsten Folge von "House of the Dragon" auf HBO Max.

Was gibt’s in dieser Woche Neues? Alys hat Dracheneier, Criston ist tot, Alyn und Baela küssen einander. Was ist beim Alten? Ormund ist geschmacksherausgefordert, Ulf mag Kneipen, Alicent und Rhaenyra verheddern sich, die Bevölkerung von King’s Landing hat Nöte. Eine lange Liste von Dingen, die wieder oder noch einmal gesagt oder getan werden, weiterhin. Seltsam, angesichts dessen, dass nun nur noch 10 (?) Folgen bis zum Ende der Serie übrig sind.

Listen

Dabei sind Listen noch auf einer anderen Ebene ein Thema. Criston und sein Platoon geraten in einen Hinterhalt – der, das würde ich schon sagen, irgendwie seltsam ist. Ein paar Dutzend (oder mehr?) Kämpfer tun so, als wären sie auf dem Schlachtfeld gestorben. Alle aus demselben Haus. Eine Schlacht, in der entweder nur Männer der einen Gruppe gefallen sind, oder alle anderen weggeschafft wurden. Criston war nie der einsteinigste unter den Charakteren in HotD, aber dass er das hier nicht checkt… Nun, zugegebenermaßen, er war bereits in der Folge der zurückliegenden Woche fatalistisch und todessehnsüchtig, man mag es ihm zugutehalten. Er stirbt dann unter drei Pfeilen; wir merken uns: spitze Waffe in Sinnesorgan, Teil 1: Auge.

Die Listen gehen weiter. Daeron soll von einer Gruppe Schein-Baratheons assassiniert werden, was auch fast klappt, weil ihr Gestank Ormund die Sinne vernebelt (keine spitze Waffe in Sinnesorgan im engeren Sinne hier, aber: Sinnesorgan Nase und etwas, das darin eindringt). Doch Gwayne hat auf seinem Merkzettel nachgesehen und mitbedacht, dass es sich hier um ein Attentat handeln könnte. Er und Daeron sind vertraut miteinander, und man muss schon sagen, dass es immer schlechter gelingt, Ormund als Hauptbösewicht aufzubauen. Interessant allerdings, als er Daeron mit "Your Grace" anspricht und ihm zugleich die Anweisung gibt, Gwaynes Badwache zu sein. Nicht so interessant, seine homophobe Andeutung, Gwayne im Bad lieber nicht den Rücken zuzukehren. Nicht, weil er sich übergibt (warum denn nicht!?), sondern weil er nicht viel tut außer schon wieder kryptische Nachrichten an Rhaenyra zu verschicken. Warum eigentlich schreibt er nicht einfach: "Ich werde dich stürzen. Liebe Grüße, O."? Warum muss DAS wiederum so geheimnisvoll-hinterhältig sein?

Am Ende dann auch eine List, der Corlys und seine Matrosengarde zum Opfer fallen. Vermutlich ist er (wieder) nicht tot, wie ebenfalls eine lange Liste seines Überlebens zeigt, im Westeros-Universum sterben Hauptfiguren nicht jenseits der Großaufnahme.

Mit Bedacht

Manche Listen gehen auf, manche nicht. Mal wird mitbedacht, dass da etwas nicht stimmen kann. Aber: Das Tempo ist nicht allzu hoch. Wir haben es bei Folge 6 nicht gerade mit einem TikTok-Clip zu tun. Das müsste ja nicht schlecht sein, ganz im Gegenteil, und man sagt über manche Folgen großer Serien ja manchmal, etwas sei als eine Art Brücken- oder Übergangsfolge zu verstehen. Oder man sagt, besonders gern bei GoT oder HotD verwendet: "Hier werden die Figuren auf dem Schachfeld verteilt". Leider machen dann zu oft alle dasselbe oder Varianten davon – wie oben angedeutet: Es passiert viel Altbekanntes. Daemon hat die zunehmend versterbenden Gold Cloaks nicht im Griff, so dass er so weit geht, sich selbst als Angriffsziel anzubieten, wobei er dann aber auch wieder, Moment:, nichts Neues erfährt. Aber immerhin: spitze Waffe in Sinnesorgan, Teil 2: Ohr.

Es liegt überwiegend wenig Spannungshaftes in den Konstellationen, welche die Figuren zueinander einnehmen. Die Erzählung ist eher, um es vorsichtig auszudrücken, bedächtig. Es werden allzu oft leider Figuren auf dem Schnarchfeld verteilt.

Ein Mann in mittelalterlicher Kleidung sitzt an einem Tisch und hat die Hände gefaltet. Der Hintergrund ist leicht unscharf und wirkt wie ein Raum in einem Schloss.
Hauptbösewicht Ormond (James Norton) in "House of the Dragon", Episode 6 auf HBO Max.

Schicksale

Man mag es die Macht des Plots nennen, wenn immer wieder Figuren seltsame Dinge tun (Rhaena wäre hier zu nennen) oder, zum Beispiel auch der Umstand, dass Alicent sich darauf einlässt, der Frau, die ihren Vater enthauptet hat, zuliebe ihren Sohn zu töten, welcher der Vater der Kinder ihrer Tochter ist. Nebenbei gesagt: Ein bisschen lustig ist es schon, wenn Rhaenyra zur Strafe für Alicents Fluchtversuch anordnet, dass die Türen ihrer Gemächer ab sofort doppelt bewacht werden. Sie ist nicht einfach eingesperrt, sondern SEHR eingesperrt. Beziehungsweise dann eben nicht mehr, denn sie soll Aemond töten. Mal sehen, wie das so klappt.

Wiederholt finden wir nebenbei auch Figuren einer Schicksalstragödie. Was soll man tun, es wird so kommen, wie es vorgesehen ist – und nicht nur in "Fire and Blood", sondern auch gemäß der eigenen Rolle. Natürlich wird Criston auf dem Schlachtfeld sterben, aber nicht ruhmreich. Natürlich muss Rhaenyra mit dem Thron ringen (und schneidet sich dabei), es gibt auch hier keinen Ausweg. Alicent ergibt sich ihrem Schicksal, ebenso wie Daeron es tut. Wie gesagt, man kann das, je nach Vorliebe, einmal als eher blöde Vorgabe des Plots lesen (Es soll etwas geschehen, daher muss vorher etwas anderes geschehen, aus dem es dann hervorgeht) und einmal als Schicksalstragödie, als das, was Vorhersehungen, mal ganz konkret, mal eher indirekt, vorgesehen haben. Soap Opera oder Homer.

Dracheneier gehören auch irgendwie dazu. Alys hat die lange Zeit heimlich aufbewahrt. Damit daraus jetzt die anderen Bandmitglieder ihrer Black-Metal-Band mit Aemond herausschlüpfen können. Aber im Ernst: Das beantwortet ein bisschen die Frage, was denn eigentlich an diesem merkwürdigen Bürgerkrieg für die Schwarzen irgendwie eine Gefahr darstellen soll. Fünf Drachen mehr für die Grünen, während einige der Schwarzen (Ulf will feiern gehen, Hugh erkennt gerade, dass er für dein Drachenzähmen von Kat nicht gerade bewundert wird) doch eher in Zweifel sind. Nur: Wieviele Staffeln hat es in GoT gebraucht, bis Daenerys‘ Drachen ausgewachsen waren? Zweihundert?

Offene Fragen

Wohin fahren jetzt Larys, Tywin und Aegon? Essos, Braavos, Ithaka? Kann man Ormund besiegen, indem man ihm eine spitze Waffe (Geruch) in Sinnesorgan 3 (Nase) sticht? War es in GoT nicht so, dass immer in der vorletzten Folge der Staffel das meiste passiert? Wie nur kann Vhagar sich verstecken, wenn sie doch auch jagen oder mal die Flügel ausschütteln muss? (Timo Storck, 28.7.2026)

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