Die Füchse vor dem Umbruch: So plant Hanning die Zeit nach sich


Bei den Füchsen Berlin war zu Beginn der Vorbereitung auf die Saison in der vergangenen Woche viel von Wachstum, neuen Partnern und sportlichen Herausforderungen die Rede. Das meiste gehörte zum üblichen Programm. Eine Personalie aber ragte heraus: Bob Hanning, Architekt des Berliner Aufstiegs in die nationale und internationale Spitze, regelt seine Nachfolge. Der 58-Jährige setzt auf Paul Drux (31), den früheren Kapitän des Handball-Bundesligisten.

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„Paul hat am 1. Juli offiziell bei uns angefangen, um sich darauf vorzubereiten, in zwei Jahren meine Nachfolge anzutreten“, sagte Hanning. Für den Klub bedeutet das mehr als eine Personalie. Es ist ein geplanter Macht- und Generationswechsel. Kaum ein Verein im Handball war über zwei Jahrzehnte lang so eng mit seinem Geschäftsführer verbunden.

Füchse Berlin: Vom Aus auf dem Feld zur Rolle im Management

Überraschend kommt der Schritt nicht, er wird nur verbindlicher. Dass Drux nach seinem Karriereende in eine Führungsrolle hineinwachsen soll, war länger bekannt. Im Herbst 2024 beendete er wegen einer schweren Knieverletzung abrupt seine Laufbahn. 2025 wechselte er zum Hauptsponsor Kieback&Peter, einem Unternehmen für Gebäudeautomation, und durchlief dort ein Traineeprogramm.

Paul Drux, erster Arbeitstag

Paul Drux macht auch am Schreibtisch eine gute Figur: An seinem ersten Arbeitstag freut er sich auf seine neue Aufgabe.© Füchse Berlin | Privat

So lernte der gebürtige Gummersbacher mehrere Bereiche kennen. Hanning umriss den Plan schon damals: „Paul ist eine Legende unseres Vereins und ein Aushängeschild für unsere erfolgreiche Nachwuchsarbeit.“ Die Zeit beim Sponsor solle ihm neue Perspektiven eröffnen, vor allem für eine spätere Führungsaufgabe bei den Füchsen.

Hanning formte die Füchse zur festen Größe

Nun arbeitet Drux für den Klub. Hannings Abschied in zwei Jahren beendet eine Ära. Unter ihm wurden die Füchse aus einem ambitionierten Berliner Projekt zu einer festen Größe in Bundesliga und Champions League. Hanning professionalisierte die Strukturen, machte die Nachwuchsarbeit zum Markenkern und trieb die Entwicklung beharrlich voran. Dass er seit Januar 2025 zusätzlich Trainer der italienischen Nationalmannschaft ist, unterstreicht seinen Stellenwert auch im internationalen Handball.

Paul ist eine Legende unseres Vereins und ein Aushängeschild für unsere erfolgreiche Nachwuchsarbeit.

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Bemerkenswert ist, dass Hanning nicht abrupt aufhört, sondern seinen Rückzug langfristig plant. Wenn es um sein Lebenswerk geht, überlässt er nichts dem Zufall. Dass er ausgerechnet Drux aufbaut, passt dazu. Der langjährige Publikumsliebling verkörpert den Verein wie kaum ein anderer, er trägt die Füchse-DNA in sich. Sein Karriereende mit nur 29 Jahren traf viele Fans hart.

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Paul Drux im Trikot der Füchse Berlin in seiner letzten aktiven Saison 2023/24.© picture alliance / Eibner-Pressefoto | Eibner Pressefoto/Marcel von Fehrn

Digitalisierung und Merchandising als erste Aufgaben

Bei den Füchsen soll Drux zunächst die Digitalisierung und das Merchandising verantworten. In den kommenden zwei Jahren werde er sämtliche Bereiche des Klubs durchlaufen, kündigte Hanning an: „Weil es mir wichtig ist, dass er das Unternehmen von Grund auf versteht.“ Schon im nächsten Jahr solle Drux viele Aufgaben mit ihm „auf Augenhöhe“ übernehmen. Es geht nicht um ein loses Hineinschnuppern, sondern um einen echten Übergabeprozess.

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Hanning stellt die Weichen so, wie er zuletzt den ganzen Verein auf Langfristigkeit ausgerichtet hat: mit neuen Partnerschaften, langfristigen Verträgen für die Heimstätte in der Max-Schmeling-Halle, für Ausrüster und Ticketing sowie mit einer breiteren Gesellschafterstruktur. Nun klärt er auch die Frage an der Spitze früh.

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Einig und im ständigen Austausch: Paul Drux (l.) und Bob Hanning am Rande des Spielgeschehens.© picture alliance / Foto Huebner | Foto Huebner

Natürlich ist die Personalie Drux für den Hauptstadtklub auch eine emotionale Lösung, sein Name ist im Verein hoch aufgeladen. Doch Hanning setzt offenbar auch darauf, dass der ehemalige Nationalspieler den Klub glaubwürdig in eine neue Zeit führen kann. Mit Themenfeldern, die im modernen Profisport immer wichtiger werden: Digitalisierung, Vermarktung und Markenführung.

Ein heikles Erbe und ein Klub voller Eigengewächse

Gleichzeitig bleibt es ein sensibles Erbe. Hanning ist bei den Füchsen nicht irgendein Funktionär, sondern die prägende Figur der Vereinsgeschichte. Unter seiner Regie wurden die Berliner zu einem international beachteten Klub, der wirtschaftlich stabil dasteht. Nach Hannings eigener Aussage hat sich der Etat in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt und dürfte inzwischen jenseits der Zehn-Millionen-Euro-Marke liegen. Dazu kommt ein klares Ausbildungsprofil: Mit Nils Lichtlein, Matthes Langhoff und Tim Freihöfer gehören mindestens drei Eigengewächse fest zur Nationalmannschaft. Torwart Lasse Ludwig debütierte bereits im Nationaltrikot und zählt zum erweiterten Kreis.

Wenn Hanning übergibt, verliert der Verein seinen wichtigsten Baumeister. Dass die Wahl auf Drux fällt, wirkt dennoch folgerichtig. Und kaum jemand vereint sportliche Vergangenheit, Berliner Verwurzelung und das Potenzial für eine künftige Führungsrolle in dieser Form.