Nach der Geburt: So ehrlich sprechen Mütter über ihre Babys
Publiziert1. August 2026, 15:41
Mütter erzählen«Ich war enttäuscht, so ein hässliches Baby geboren zu haben»
Finden Eltern ihre Neugeborenen wirklich immer süss? Diese Frage stellt man sich als Aussenstehende manchmal. Drei Mütter erzählen offen, wie es ihnen nach der Geburt ergangen ist.

Darum gehts
- Viele Eltern erzählen, wie süss sie ihre Kinder finden.
- Drei Mütter berichten ehrlich, was ihnen durch den Kopf ging, als sie ihre neugeborenen Kinder das erste Mal gesehen haben.
- Die Erfahrungen unterscheiden sich stark.
Wer Freunde mit Kindern hat, kennt diese Situation vielleicht: Man besucht die frischgebackenen Eltern. Stolz tragen diese den Nachwuchs in den Armen: Ein kleines Häufchen, zerknittert, oftmals haarlos.
Und dann blickt man in die leuchtenden Augen der Eltern, und schon kommt einem die Lüge über die Lippen: «Wow, sieht das Baby aber süss aus!» Spätestens dann stellt man sich die Frage: Finden alle Eltern ihre Kinder automatisch hübsch? Drei Mütter erzählen offen, was sie empfunden haben, als sie ihre Kinder nach der Geburt das erste Mal gesehen haben.
«Er sah niemandem ähnlich»
Silvia spricht offen aus, was für viele ein Tabu ist: «Direkt nach der Geburt war ich enttäuscht, so ein hässliches Kind geboren zu haben.» Sie erzählt, wie sie im Spital ein anderes Neugeborenes gesehen hatte. «Es war extrem süss, genau so, wie man sich ein perfektes Baby vorstellt. Ich hatte einfach die Erwartung, dass mein Sohn auch so aussehen wird.»

Stattdessen habe er nach einer schweren Geburt einen verformten Kopf gehabt. Ausserdem sei er voll gewesen mit Schorf und der weisslich-cremigen Schutzschicht, die umgangssprachlich Käseschmiere genannt wird und bei Neugeborenen ganz normal ist.
Situation war herausfordernd
Für Silvia war die Situation nicht ganz einfach. «Er sah weder mir noch dem Vater ähnlich. Ich hatte sogar das Gefühl, dass das gar nicht unser Kind war.» Auch Wochen nach der Geburt hielt das Gefühl sie weiter fest. «Die Haare standen ihm kreuz und quer vom Kopf und liessen sich nicht bändigen. Auch aus dem Umfeld hat nie jemand gesagt, dass er herzig sei.»
Was hast du empfunden, als du dein Kind das erste Mal gesehen hast?
Ich fand es wunderschön.
Es war schon etwas zerdrückt von der Geburt.
Es waren zu viele Emotionen in diesem Moment.
Ich weiss nicht mehr.
Ich habe keine Kinder.
Verändert hat sich die Situation, als sich sein Charakter immer mehr gezeigt hat. «Er ist unglaublich empathisch, das zeigte sich schon als kleiner Junge. Durch seinen Charakter wurde er für mich immer schöner.» Heute bezeichnet sie ihn als ihren «Herzenssohn» und betont, dass er für immer etwas Spezielles für sie ist. «Er ist auch heute nicht konventionell attraktiv, aber mit seinem Charme und seinem Charakter gleicht er das allemal aus.»
«Bin überrascht, wie hässlich er war»
Ganz anders hat Ella die Situation erlebt. Ihr Sohn ist heute im Kindergarten und sie habe ihn ab der ersten Sekunde seines Lebens süss gefunden. Aber: «Schaue ich Bilder der ersten zwei bis drei Monate an, bin ich doch überrascht, wie hässlich er war.» Ihr Sohn habe nur wenig Haare gehabt und sei etwas verrunzelt gewesen. «Er sah aus wie ein alter Mann mit Glatze und Pickeln.» Er habe sich jedoch schon wenige Monate nach der Geburt zu einem süssen Baby entwickelt. Lachend fügt sie hinzu: «Vielleicht zeige ich die Bilder der ersten Monate einfach niemandem.»
«Aus Entleins wurden anmutige Schwäne»
Cornelia erzählt, ihre Kinder seien verschrumplet und rot wie eine Tomate gewesen und auch ihr Sohn hatte einen leicht verformten Kopf. Ihre Erfahrungen sind jedoch ähnlich wie Ellas: «Ich fand sie die schönsten Kinder der Welt und habe sie begeistert stundenlang anschauen können.»
Dass die Kinder etwas «zerdrückt» gewesen waren und ihre Tochter noch die Käseschmiere auf dem Kopf gehabt hatte, realisierte Cornelia erst später. «Als ich eines Tages die Bilder anschaute, merkte ich, dass sie nicht ganz so süss gewesen waren.» Heute sind ihre Kinder erwachsen und sie erhalte viele Komplimente für sie. «Aus unseren Entlein wurden anmutige Schwäne».

Anja Zingg (anz), arbeitet seit 2020 bei 20 Minuten. Sie ist seit Juni 2023 Leiterin des Ressorts Gesellschaft & Community.
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