"Ihr werdet gehorchen": Verzweifelte Republikaner greifen auf KI-"Lügen" zurück


"Ihr werdet gehorchen"Verzweifelte Republikaner greifen auf KI-"Lügen" zurück

09.10.2026, 08:10 Uhr

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Die Midterms sind am 3. November und ein Stimmungstest für US-Präsident Trump. (Foto: REUTERS)

So mancher republikanischer Kandidat ringt vor den US-Midterms mit einer schwierigen Lage. In der Verzweiflung greifen sie auf alle technischen Möglichkeiten zurück: Mit künstlicher Intelligenz ziehen sie über ihre demokratischen Konkurrenten her. Mit mäßigem Erfolg bislang.

Ein Demokraten-Politiker, der eine Bibel beschmiert und eine Politikerin, die ihre Wähler anherrscht: Das sind vor den US-Kongresswahlen am 3. November nur zwei Beispiele für Kampagnen mit künstlicher Intelligenz (KI). Vor allem die unter Druck geratenen Republikaner nutzen für ihre Wahlwerbung "Superintelligenz", wie Präsident Donald Trump sie nennt - darunter sogenannte Deepfakes ihrer demokratischen Gegner, die täuschend echt aussehen.

Mit besonders harten Bandagen wird in Texas gekämpft. In dem seit Jahrzehnten republikanisch regierten Bundesstaat könnte der Demokraten-Politiker James Talarico einen der Sitze im US-Senat in Washington gewinnen. Sein republikanischer Gegner Ken Paxton bediente sich wegen seiner schlechten Umfragewerte bei der künstlichen Intelligenz, um gegen den 26 Jahre jüngeren Talarico auszuteilen. "Ich sehe mich selbst als Christen, der das Christentum hasst", sagt der KI-generierte Talarico in einem Video, das der 63-jährige Paxton teilte. Währenddessen beschmiert der Demokrat eine Bibel mit den Worten "es sollte sechs Geschlechter geben".

Talarico verurteilte den Werbespot als "Lüge" und sprach sich für ein Verbot täuschend echter Deepfakes in politischer Werbung aus. Trump, der Talarico bei einem Wahlkampfauftritt in Texas als "Talafreako" verunglimpfte, denkt jedoch nicht an eine Regulierung von KI.

Der republikanische Kongressabgeordnete Derrick Van Orden aus Wisconsin verbreitete zur Verteidigung seines Wahlkreises ebenfalls ein KI-Video seiner demokratischen Herausforderin Rebecca Cooke. "Glaubt Ihr wirklich, es spielt eine Rolle, was ihr Bauern denkt?", herrscht die 38-Jährige die Wählerinnen und Wähler darin scheinbar an. "Ihr werdet gehorchen und für mich stimmen!"

Selbst von eigenen Anhängern erntete Van Orden für das nicht gekennzeichnete KI-Video Kritik. Der Spot half dem Republikaner wenig: Laut Umfragen liegt Cooke inzwischen bis zu vier Prozentpunkte vor Van Orden und könnte damit den Sitz im Repräsentantenhaus erobern.

"Masse von KI-Müll"

Eine große Gefahr durch solche Wahlwerbung sieht Sarah Kreps, Direktorin des Instituts für Technologiepolitik an der Cornell University im Bundesstaat New York: "Das Problem ist weniger, dass Menschen solche Werbeanzeigen glauben, sondern dass die Masse von KI-Müll im Internet dazu führt, dass Menschen an allem zweifeln", sagt die Forscherin. Viele Leute hielten selbst echte Inhalte für Deepfakes. "Das untergräbt Vertrauen und führt dazu, dass Wähler abschalten", warnt Kreps.

Die Privathochschule Wesleyan in Connecticut hat den Einsatz von künstlicher Intelligenz bei den Kongresswahlen kürzlich unter die Lupe genommen. Die Uni machte in einer Studie mindestens 164 politische Werbeanzeigen aus, die entweder mit KI erzeugt oder bearbeitet wurden. Rund 80 Prozent von ihnen seien im Auftrag republikanischer Kandidaten oder Republikaner-naher Gruppen erstellt, heißt es in der Untersuchung, nur elf Prozent dagegen von Demokraten.

Auch im Wahlkampf in Ohio spielt künstliche Intelligenz eine Rolle. In dem nördlichen Bundesstaat will der frühere demokratische US-Senator Sherrod Brown den Sitz von seinem republikanischen Gegner Jon Husted zurückerobern. Ein Komitee, das Husted nahesteht, veröffentlichte ein KI-Video, in dem der 73-jährige Brown in einer Torte herumstochert, während um ihn herum Pappteller, abgebrannte Kerzen und andere Reste einer Geburtstagsfeier liegen. "Ach, er will einfach nicht gehen", seufzt eine junge Frau, die die Küche putzt.

Der Republikaner-Spot endet mit den Worten "Die Party ist vorbei, Sherrod." Die Wähler überzeugt dies offenbar nicht: Eine Umfrage für den Sender CNN sieht den Demokraten am Donnerstag sechs Prozentpunkte vor Husted. Womöglich ist in Ohio die Party für die Republikaner bald zu Ende.

Quelle: ntv.de, Anuj Chopra und Stephanie Lob, AFP