Er kam zum Studieren und blieb: Wie Michael Rauner Bürgermeister in den Niederlanden wurde
König Willem-Alexander und seine Máxima sind bei jeder Besprechung dabei, zumindest als Porträts an der Wand. In seinem Büro trifft sich Michael Rauner regelmäßig mit seinen "Wethouders", den engsten politischen Mitstreitern der Gemeinde.
Maastricht, Den Haag, Panama, Indonesien - und jetzt Bergen
Was als Studienaufenthalt begann, wurde zur Lebensentscheidung. Nach seinem Psychologiestudium in Maastricht blieb Michael Rauner in den Niederlanden. Sein beruflicher Weg führte ihn zunächst nach Den Haag. Im Außenministerium machte er Karriere, bevor er Jahre später in die Kommunalpolitik wechselte.
"So im vierten Jahr habe ich entschieden: Ich gehe jetzt voll für die Niederlande." Michael Rauner
Seine Arbeit führte Michael Rauner nach Panama und Indonesien. Für seine diplomatische Laufbahn nahm er vor gut zehn Jahren die niederländische Staatsbürgerschaft an. Als er mit seiner Frau zurück in die Grenzregion wollte, entdeckte er die Ausschreibung für den Bürgermeisterposten in Bergen.
Und der wird in den Niederlanden nicht gewählt. "Man bewirbt sich. Man schreibt einen Brief an den König, und der König ernennt einen dann." Allerdings erst, nachdem die Gemeinde sich für zwei Favoriten ausgesprochen hatte - einer davon war er, der parteilose Michael Rauner.
Anerkennung für den schwäbischen Niederländer
In Bergen ist Michael Rauner längst angekommen. Nach zweieinhalb Jahren kennt ihn hier fast jeder. Bei Festen, Jubiläen oder einfach beim Bummel durch den Ort bleibt er selten lange unbeobachtet. Immer wieder sprechen ihn die Menschen an.
Einmal aber hatte Rauner so richtig Respekt: Als er gleich nach Amtsbeginn eine Rede halten musste. Am Tag des Gedenkens an ein Massaker im Zweiten Weltkrieg: "Wir haben hier ein Denkmal an einer Stelle, wo sieben Niederländer exekutiert wurden. Da habe ich auch überlegt: Wie reagieren die Leute? Aber das war sehr positiv."
Sein Appell: aus der Vergangenheit lernen statt neue Gräben aufzureißen. Gerade in einer Gemeinde direkt an der deutsch-niederländischen Grenze traf er damit offenbar den Nerv vieler Menschen.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
- WDR-Interview mit Michael Rauner, Bürgermeister der Gemeinde Bergen
- Informationen aus der Gemeinde Bergen in Limburg/NL