Intimes Geständnis: Ex-Tour-de-France-Sieger über Geldnot und Depressionen
Stand: 29.07.2026, 06:03 Uhr
Kommentare
Der ehemalige Radsport-Star Bjarne Riis, der auch die Tour de France gewinnen konnte, spricht über Geldnot und Depressionen.
München – Bjarne Riis hat vor 30 Jahren Radsportgeschichte geschrieben, als er 1996 die Tour de France gewann, vor seinem Teamkollegen Jan Ullrich. Es war ein Doppelsieg für das Team Telekom und der größte Erfolg in der Karriere des Dänen. Doch was danach folgte, war alles andere als ein Triumphzug. In einem Interview mit der französischen Sporttageszeitung L‘Équipe hat der heute 62-Jährige nun offen über Depressionen, Geldverluste in Millionenhöhe und sein Dopinggeständnis gesprochen.

Auslöser für einen der dunkelsten Abschnitte in Riis‘ Leben war ein Finanzskandal. Die Firma IT Factory, die als Sponsor seines Teams Saxo Bank auftrat und ihm selbst gehörte, wurde 2009 über ihren Chef in einen Betrugsfall verwickelt. „Ich verlor viel Geld, 20 Millionen Euro in vier Jahren, auch mein eigenes“, enthüllte Riis. Der finanzielle Absturz traf ihn hart und gilt als einer der Auslöser für seine spätere Depression.
Geständnis von ehemaligem Radsport-Superstar
Dass er unter Depressionen litt, machte Riis bereits vor 15 Jahren öffentlich. „Ich stand viele Jahre unter Druck, das war nicht einfach. Die Anschuldigungen, all das. Irgendwann reicht es einfach, und der Körper kann nicht mehr“, schilderte er. Zu dem psychischen Druck durch Dopingvorwürfe kamen also die finanziellen Probleme hinzu, die ihn schließlich in eine schwere Krise stürzten. „Ich fiel in diese Depression. Es hat Jahre gedauert, aber ich habe es geschafft, da rauszukommen, und ich würde sagen, ich stehe heute auf der richtigen Seite.“
Zur Geschichte von Bjarne Riis gehört auch das Dopingeingeständnis aus dem Jahr 2007, als er zugab, von 1993 bis 1998 mit Epo gedopt zu haben, also auch während seines Toursiegs 1996. Beim Team Telekom wurde in den 90er-Jahren systematisch gedopt. Riis selbst ist dennoch überzeugt, dass er seinen Sieg 1996 zu Recht errungen hat.
Nach seinem Karriereende 1999 blieb Riis dem Radsport als Sportlicher Leiter und Teamchef erhalten, unter anderem besaß er mit CSC ein eigenes Team. Bis 2020 war er in dieser Funktion aktiv, ehe er sich aus dem Profigeschäft zurückzog. Trotz aller Rückschläge blickt Riis heute versöhnlich auf sein bewegtes Leben zurück. „Ich habe meinen Frieden gefunden. Ich habe all diese Prüfungen durchgemacht. Aber die Menschen haben immer noch großen Respekt vor mir, und ich weiß das zu schätzen. Es ist wichtig, standhaft zu bleiben, auch wenn es schwerfällt“, sagte er gegenüber der L‘Équipe.